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Wenn die Töne schweben lernen

Chorkonzert Wenn die Töne schweben lernen

Mit einem Chorkonzert setzen der Männergesangverein Stadtallendorf und dessen Gast-chöre einen würdigen Abschluss unter die 20. Stadtallendorfer Kunst- und Kulturtage.

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Gemeinsam gestalteten der gastgebende Männergesangverein Stadtallendorf und der Frauenchor Sankt Katharina Stadtallendorf den Auftakt des Chorkonzerts in der Stadthalle mit dem Stück „Viva la Musica“. Foto: Matthias Mayer

Stadtallendorf. Werke zeitgenössischer Komponisten, die fast ausnahmslos der leichten Muse zuzuordnen sind, dominierten das zweieinhalbstündige Konzert vor 300 Besuchern in der Stadthalle. Das passte richtig gut zu diesem heiter gestimmten schönen Sommerabend, zumal die Interpretationen der Chöre nie ins Banale oder Kitschige abrutschten.

Ein großer Chor bescherte dem Abend einen starken Auftakt: Der Frauenchor St. Katharina und der MGV Stadtallendorf intonierten ein Werk von Lorenz Maierhofer, dessen Kompositionen gleich vierfach im Programm vertreten waren. Mit „Viva la Musica“ postulierte sie das Motto des Abends.

Wein, Weib, Gesangund Herzeleid

Lässig und mit sichtbarer Freude am Gesang präsentierte der MGV Ober-Ofleiden/Gontershausen moderne Klassiker der Männerchor-Literatur. Themen: Wein, Weib, Gesang und Herzeleid. Es machte Spaß, den Sängern aus dem Nachbarkreis zuzuhören, die, wie der MGV Stadtallendorf, Tamara Zitzer zur Chorleiterin haben.

Die Stadtallendorfer boten ein breites Spektrum, wagten sich sogar an einen Titel der Hit-Maschine Frank Farian heran. Zu „Babylon“ bot der 2. MGV-Vorsitzende und Tenor Guntram Weitzel eine Solo-Performance. Mit den Titeln „Wolgaräuber“, „Ich weiß ein Fass“ sowie „Gürtel und Tüchlein“ - die beiden letztgenannten Lieder gemeinsam vorgetragen mit dem Chor aus Ober-Ofleiden und Gontershausen - zeigten die Stadtallendorfer klassische Männerchor-Qualitäten.

Reinhard Meys Evergreen „Über den Wolken“ stellten die Gastgeber in einer ungewöhnlichen, rhythmisch akzentuierten Form vor. Dagegen legten sie sich zum Abschluss mehr Werktreue auf, als sie den Erfolgshit der DDR-Popgruppe Karat „Über sieben Brücken“ sangen.

InteressanteChorsätze

Der von Uschi Ivo geleitete Frauenchor St. Katharina Stadtallendorf behauptete sich gegen die Männer-Übermacht eindrucksvoll. Der in den Stimmen ausgeglichen besetzte Chor setzte auf interessante Chorsätze und machte damit sogar den Gassenhauer „Que Sera, Sera“ zu einem Hörerlebnis.

Den Kontrapunkt zu den drei großen Chören setzten Waldemar Kaiser und das Ensemble Cantamus. Waldemar Kaiser präsentierte sich bei seinem Debüt im Rahmen der Kunst- und Kulturtage als großartiger Bajan-Spieler. Der Stadtallendorfer interpretierte den Ungarischen Tanz von Johannes Brahms sowie einen Walzer in a-Moll von Aram Chatschaturjan, der inzwischen zu den modernen Klassikern gehört. Kaisers Spielkunst gibt eine Ahnung davon, warum Bajan-Virtuosen inzwischen auch außerhalb von Osteuropa die Konzertsäle füllen.

Das von Carmen Dönges gegründete und geleitete Stadtallendorfer Ensemble Cantamus schenkte dem Abend sogar ein paar magische Momente. Die neun Musikerinnen und Musiker ließen die Töne durch den Saal schweben, verbreitete nzugleich Melancholie und Zuversicht. Und zum Schluss zeigten sie, dass das Bravourstück der Comedian Harmonists „Wochenend und Sonnenschein“ auch ohne Frack und Lackschuhe funktioniert. Die Stadtallendorfer freuten sich nicht nur an der Musik, sondern auch am Wiedersehen mit Cantamus-Mitglied Matthias Krieg. Der beliebte katholische Geistliche, der heute in Fulda wirkt, war Kaplan in Stadtallendorf und später Pfarrer in Bauerbach und Ginseldorf.

Bernd Weitzel moderiert und dirigiert

Am Ende stand ein schönes Schlussbild. Guntram Weitzel bedankte sich mit Blumen bei den Chorleiterinnen. Und dann dirigierte der ausgebildete Kirchenmusiker und Chorleiter Bernd Weitzel, der zuvor fachkundig und kurzweilig den Abend moderiert hatte, die Zugabe. Das machte der Vorsitzende des TSV Eintracht Stadtallendorf derart dynamisch und mitreißend, dass die Sängerinnen und Sänger seine Ankündigung, dass er aus zeitlichen Gründen nicht die Leitung des Quempas-Singens übernehmen werde mit Bedauern zur Kenntnis nahmen.

von Matthias Mayer

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