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Ostkreis Eine Mini-Dosis Chlor hält Keime fern
Landkreis Ostkreis Eine Mini-Dosis Chlor hält Keime fern
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16:00 25.02.2019
Das Wasserwerk Wohratal soll als zweites mit UV-Anlagen ausgerüstet werden. Zehn Stück sind dort nötig. Quelle: Archivfoto: Michael Rinde
Stadtallendorf

Seit August 2017 setzt der Zweckverband Mittelhessische Wasserwerke (ZMW) dem Trinkwasser eine minimale Dosis Chlor zu (die OP berichtete mehrfach). Diese sogenannte Schutzchlorung war eine Konsequenz aus den Verkeimungsproblemen nach starken Regenfällen an einzelnen Brunnen. Mit 0,03 Milligramm Chlor pro Liter Trinkwasser bleibt der Verband sehr weit unter den Grenzwerten für die Chlorbeigabe.

Zugleich hatte der größte Wasserversorger der Region Mittelhessen damit begonnen, Alternativen zum Chloreinsatz zu prüfen. Frühzeitig zeichnete sich ab, dass UV-Lichtanlagen den optimalen Schutz böten. Sie kommen in Zukunft in den beiden großen Wasserwerken des Verbandes in Stadtallendorf und Kirchhain (Wasserwerk Wohratal) zum Einsatz, wie diese Zeitung bereits berichtete.

Doch ein einfaches Unterfangen wird dies an der komplexen Technik eines Wasserwerkes nun wahrlich nicht. Deshalb dauert die Aufrüstung beider Werke nun auch deutlich länger, als der ZMW noch im vergangenen Jahr selbst gehofft und erwartet hatte. „Es ist nicht einfach mit einer großen zentralen Anlage an einer Stelle im Werk getan“, erläutert der ZMW-Geschäftsführer Karl-Heinz Schäfer im Gespräch mit dieser Zeitung. Zumal es UV-Anlagen in der theoretisch notwendigen Größenordnung auch gar nicht gibt. Der ZMW müsste auf eigens konstruierte Prototypen setzen, ein Risiko, das der Verband nicht eingehen will.

Im Wasserwerk Stadtallendorf sind fünf kleinere UV-Anlagen an verschiedenen Positionen vorgesehen. Ein Fachbüro hat die Standorte geplant. Die erste Anlage soll in etwa sechs bis acht Wochen eingebaut und getestet werden. Weitere folgen dann Zug um Zug.

Wasserwerk Wohratal ist besonders kompliziert

„Unser Ziel ist die Umrüstung von Stadtallendorf bis Mitte des Jahres“, sagt Geschäftsführer Schäfer. Dann soll das Wasserwerk Wohratal folgen. Dort ist aber noch mehr Aufwand für denselben Zweck erforderlich. Zehn UV-Anlagen sollen dort eingebaut werden, was zeitaufwändig wird. Man dürfe sich das nicht zu einfach vorstellen, verdeutlicht Dirk Ficht. Er ist Abteilungsleiter Wasser beim ZMW. „Es gibt nur wenige Stellen in einem Wasserwerk, wo der Einbau solcher Anlagen überhaupt nur möglich ist“, erklärt der Fachmann im Gespräch mit der OP. Bis zum Jahresende, so das Ziel des Zweckverbandes, sollen schließlich beide Wasserwerke umgerüstet und die Schutzchlorung damit überflüssig sein.

Mit der keimtötenden Technik hat der Verband ebenso wie beispielsweise die Stadtwerke Stadtallendorf schon erste gute Erfahrungen gesammelt. Diverse Brunnen, auch im Landkreis Marburg-Biedenkopf, hat der ZMW damit nachgerüstet. Die Stadtwerke Stadtallendorf setzen beispielsweise in Schweinsberg auf eine UV-Anlage am Brunnen, um Keimen vorzubeugen. Etwa 100.000 Euro hat sich der ZMW diese erste Umrüstung schon kosten lassen, so Geschäftsführer Karl-Heinz Schäfer. Er geht davon aus, dass die Umrüstung der beiden Wasserwerke rund eine halbe Million Euro kosten wird.

Bis die Technik einsatzfähig ist, gibt es weiter die Schutzchlorung. Alle zwei Monate, so schätzt Dirk Ficht, gibt es Anrufe, bei denen sich ZMW-Kunden über Chlorgeruch beschweren. Der Geruch ist auch nur selektiv und wohl nicht ständig vorhanden. „Warum das an einzelnen Stellen so ist, wissen wir nicht“, sagt Ficht. Bei Anrufen schaue ein Mitarbeiter des Wasserwerkes vor Ort nach und messe auch die Chlorkonzentration. Überschreitungen der Werte hat es dabei nicht gegeben. Die Chlorung ist mit den Gesundheitsbehörden abgestimmt. „Und die Chlorung hilft. Nach den starken Regen im vergangenen Jahr hatten wir keine Keimprobleme“, sagt ZMW-Chef Schäfer. Auch im sozialen Netzwerk Facebook häufen sich gerade wieder die Kommentare zu einem leichten Chlorgeruch im Wasser, wahrgenommen unter anderem in Stadtallendorf und Kirchhain.

von Michael Rinde