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Was kann ich eigentlich?

Schulprojekt an der AWS Was kann ich eigentlich?

Im Klassenzimmer 141 der Kirchhainer Alfred-Wegener-Schule wird konzentriert gearbeitet. An Vierer-Tischen stecken Schülerinnen und Schüler die Köpfe zusammen. Ihr Auftrag: Sie sollen je Gruppe zehn Fragen formulieren.

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Die Gruppenarbeit ist geschafft: Die Klassen M7A und M7B stellen den Fragenkatalog vor, mit dem am nächsten Tag in Job-Interviews Vertreter von ausbildenden Wirtschaftsunternehmen konfrontiert werden sollen. Foto: Matthias Mayer

Kirchhain. Adressaten der Fragen sind Vertreter von ausbildenden Firmen, die am kommenden Tag in der Schule zu so genannten Job-Interviews erwartet werden. Letztlich sollen die Fragestellungen ausschließlich den Schülerinnen und Schülern der Klassen M7A und M7B helfen, ein möglichst genaues Bild von den vielen verschiedenen Ausbildungsgängen zu bekommen. Denn nur dann können die Schüler einen Überblick bekommen, welche Berufswege für sie später einmal denkbar wären, und welche überhaupt nicht. Und genau das ist das Ziel des Projekts KomPo7, an dem alle 70 Schülerinnen und Schüler der Mittelschule und der Förderschule drei Tage lang teilnehmen.

Die Aufgabe ist gar nicht so einfach. An den Tischen wird getuschelt, manchmal auch halblaut diskutiert: Ist die Frage nach dem Gehalt des Interview-Partners tatsächlich so wichtig für einen künftigen Azubi? Oder fragt man besser: Was wird während einer solchen Ausbildung verlangt? Am Ende steht der Fragenkatalog. Bernhard Witzlau sammelt die einzelnen Fragen und schreibt sie, geordnet nach Themen, an die Tafel. Witzlau gehört nicht zur Schule. Er ist im Auftrag des Projektpartners Bildungswerk der hessischen Wirtschaft in die Schule gekommen. Das KomPo7 ziele nicht auf eine frühzeitige Festlegung von Siebtklässlern auf einen bestimmten Beruf ab, sondern wolle eine erste Orientierung bieten. „Wer sich in einer Gruppe sehr schwertut, den Mund aufzumachen, gleichzeitig aber unbedingt Verkäufer werden möchte, wird später eine Enttäuschung erleben. Dem hilft es, wenn sein Interesse auf Berufsfelder gelenkt wird, die seinen Neigungen und seinen Kompetenzen entsprechen“, fasst Witzlau den Zwecks des Projekts zusammen.

Das Interessens- und Fähigkeiten-Profil der einzelnen Schülerinnen und Schüler wird durch einen umfangreichen Fragebogen zu Selbsteinschätzung und zu Neigungen sowie bei verschiedenen Übungen und bei der Lösung gemeinsamer Aufgaben herausgebildet. Dabei werden die Schüler nicht nur vom Team des Bildungswerks der hessischen Wirtschaft, sondern auch von zwölf Lehrerinnen und Lehrern der AWS beobachtet und begutachtet.

All dies fließt am Schlusstag ein in die schriftliche Auswertung, die jedem Schüler individuell Antworten auf die einfache Frage gibt: Was kann ich eigentlich?

Und das ist mehr, als sich die Schülerinnen und Schüler vorher in ihrer Selbsteinschätzung zugetraut haben, wie Bettina Hühn-Lemrich nach dem Projektabschluss gegenüber der OP berichtete.

Schüler können mehr,als sie sich zutrauen

Ein Schüler habe ihr gegenüber freudig festgestellt, „ich habe mich viel schlechter eingeschätzt, als ich bin“, nannte die Leiterin der Haupt- und Mittelschule ein Beispiel dafür, dass viele Schüler zu wenig Glauben an sich selbst haben.

Nach ihrer Wahrnehmung haben die drei Tage viele verborgene Talente ans Tageslicht gebracht. Sie erzählt von Teilnehmern, die sich innerhalb einer Gruppe zurücknehmen, dann aber durch Organisationstalent oder Kreativität bestechen. Umgekehrt gebe es den großen Macher, der sich aber zurückhalte, wenn es um die Entwicklung von Lösungsvorschlägen gehe.

Bettina Hühn-Lemmrich sprach von sehr positiven Rückmeldungen der Schüler, aber auch der in das Projekt einbezogenen Eltern. Gut jedes zweite Kind sei beim Abschlussgespräch mit der Vorlage der Auswertung von den Eltern begleitet worden.

Wegen der guten Resonanz möchte die Schulleiterin KomPo7 zu einer festen Einrichtung für die siebten Klassen machen.

von Matthias Mayer

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