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Was Rauschenberg so sexy macht

OP-Wahlforum Was Rauschenberg so sexy macht

Äußerst fair, ohne die ganz großen Kontroversen - so stellt sich der bisherige Rauschenberger Bürgermeister-Wahlkampf auch nach dem OP-Wahlforum dar.

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Die drei Bürgermeisterkandidaten stellten sich beim OP-Wahlforum auch den Fragen des Publikums in der Brachter Mehrzweckhalle. Dabei zeigten Michael Emmerich (CDU, von links), Michael Vaupel (Bündnis 90 / Die Grünen) und Markus Heeb (SPD) viel Körpereinsatz.

Quelle: Thorsten Richter

Bracht. Bei der Ja-Nein-Fragerunde herrschte bis auf einen einzigen Punkt große Einigkeit unter den Kandidaten. Dabei ging es um die Frage nach einer monatlichen Bürgersprechstunde. Während sich seine Kontrahenten, Michael Emmerich (CDU) und Michael Vaupel (Die Grünen) gegen einen solchen festen Rhythmus aussprachen, beantwortete Markus Heeb (SPD) die Frage mit einem Ja. Alle drei Parteipolitiker sprachen sich für die Einrichtung eines Seniorenbeirates und häufigere Bürgerversammlungen in Rauschenberg aus.

Auch in Zukunft wollen die Kandidaten einen hauptamtlichen Stadtjugendpfleger beschäftigen und auf den Abbau von Stellen in der Stadtverwaltung verzichten. Auch gäbe es keine Erhöhung der Kindergartengebühren im zweistelligen Prozentbereich.

Im Anschluss an diese schnelle Fragerunde überließen die Moderatoren Till Conrad und Matthias Mayer es den aufmerksamen Zuhörern, erste eigene Fragen an die Bürgermeisterkandidaten zu stellen. Besonders kreative Antworten provozierte dabei die Frage von Heinz Dieter Henkel, der die finanzielle Schieflage Rauschenbergs anmerkte und anschließend nachfragte, welches neuartige Konzepte die Stadt den „sexy“ machen könnte.

Wahrend Michael Emmerich und Michael Vaupel sich dafür aussprachen, den Tourismus in der Gemeinde weiter anzukurbeln und den Service für die Bürgerschaft zu verbessern, stellte Markus Heeb einen ganz anderen Plan in Aussicht.

Wacken-Festival als Vorbild

In Absprache mit einem Gewerbetreibenden denke der SPD-Kandidat darüber nach, ein jährliches Großereignis mit bis zu 10000 Besuchern in Rauschenberg zu initiieren. „Ich stelle mir dabei so etwas vor, wie ein zweites Wacken (Hardrock-Festival in Norddeutschland, die Red.). Rauschenberg muss wieder einen Namen bekommen“, sagte Heeb.

Zuhörer Thorsten Keller wollte wissen, wie es um den Ausbau des Radwegenetzes stehe und Markus Henkel fragte nach dem Ausbau des wenig radtauglichen Radweges Josbach-Halsdorf. Michael Vaupel sprach in diesem Zusammenhang von einem „Dilemma“, da eine Vielzahl von Wünschen der Bürger bezüglich einer Verbesserung der Radwege diskutiert würden, dem gegenüber aber die finanziellen Mittel fehlen. Er wolle zunächst eine Prioritätenliste für Sanierungsmaßnahmen anfertigen und liegt damit auf einer Linie mit seinen beiden Konkurrenten.

Angesprochen auf die Stärken und Schwächen der Stadt Rauschenberg sagte Michael Emmerich, er sehe im Besonderen das Vereinsleben und die Zusammenarbeit der verschiedenen Ortsteile als positives Elemente. Nachholbedarf sieht der CDU-Bewerber in Fragen der Infrastruktur und bei der Lebensmittelversorgung.

Für Michael Vaupel kommt Rauschenberg in der öffentlichen Wahrnehmung „oftmals zu schlecht weg“. Eingebettet in eine intakte Natur bestünden viele Möglichkeiten, das Bild der Stadt zu verbessern. So durch eine Imagekampagne und die Überarbeitung der Internetpräsenz. Um die Stärken Rauschenbergs, die laut Markus Heeb in der guten Verkehrsanbindung und dem Erhalt kultureller Traditionen besteht, weiter zu fördern, wünscht sich der SPD-Bewerber eine stärke Annäherung an den „Besucher-Magneten“ Marburg“. Davon verspricht sich Heeb auch mehr Tourismus für die Stadt.

Thema Gebäudeleerstand

Beim Thema Gewerbeflächen sprach sich Heeb für eine weitere Ansiedlung von Gewerbetreibenden aus, während Emmerich und Vaupel sich dem nicht verweigerten, aber die Bestandspflege in den Vordergrund rückten.

Der Gebäudeleerstand wurde von allen drei als weiteres Problem erkannt. Heeb möchte sich zusammen mit Maklern, Eigentümern und Bankern an einen Tisch setzen, um Lösungswege zu diskutieren. Emmerich brachte die Überlegung ins Spiel, die Gebäude durch Fördermittel in kleinere Wohneinheiten umzuwandeln. Vaupel gab zu bedenken, dass es keinen „Königsweg für dieses Problem“ gebe und zu überlegen sei, ob wirklich alle Häuser stehenbleiben könnten.

Ein Punkt, indem die drei Kandidaten keine inhaltliche Übereinkunft fanden, betrifft die Kratz‘sche Scheune. Ein in Rauschenberg viel diskutiertes Politikum. Michael Vaupel blieb bei seiner Meinung zum AUsbau der Scheune zu einem Gemeinschaftshaus. „Zu klein, zu teuer und nicht barrierefrei. Ich bin nicht grundsätzlich dagegen, aber man muss immer überlegen, ob man sich das leisten kann“, sagte Vaupel.

Diese Frage beantwortet Michael Emmerich für sich eindeutig mit ja. Der Christdemokrat verwies auf den Wert des Gemeinschaftshauses für das Vereinsleben und das kulturelle Leben Rauschenbergs. Das sind Impulse für die Zukunft Rauschenbergs, die uns den Eigenanteil von 600000 Euro wert sein müssen“, sagte Emmerich.

Keine weiteren Folgekosten

Die Gefahr für höhere Folgekosten als die derzeit berechneten jährlich 53000 Euro (inklusive 28000 Euro Abschreibung) sieht Markus Heeb nicht: Die Stadt spare an anderer Stelle rund 71000 Euro ein, so dass die jährlichen Folgekosten mehr als kompensiert würden.

Das Schluss-Statement bot allen drei Kandidaten die Chance, zu erklären, was die eigene Person zur besten Besetzung für das Bürgermeisteramt macht. Michael Vaupel sagte, er biete die richtigen Anregungen für die Stadt, mit wenigen Mitteln viel zu erreichen. Michael Emmerich sprach von seinem klaren Konzept, bei dem er als Ansprechpartner für Vereine und Betriebe zur Verfügung stehe. Markus Heeb verwies auf seine Erfahrung als Verwaltungsfachmann und seine Bürgernähe als besondere Stärken. Die endgültige Entscheidung, wer künftig im Rauschenberger Rathaus regiert fällt am 7. Oktober.

von Dennis Siepmann

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