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Wanderer meistern schwere Strecke

Grenzgang Wanderer meistern schwere Strecke

Rund 40 Erfurtshäuser erlebten einen abwechslungsreichen, mit spannenden Anekdoten rund um das Dorf gespickten ersten Grenzgang.

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Quelle: Auf der rund neun Kilometer langen Strecke mussten die Erfurtshäuser Wanderer einige Hindernisse und unwegsame Stellen überwinden.

Erfurtshausen. Der Samstagvormittag brachte eine Regenwolke nach der anderen, die über Erfurtshausen ihre schwere Last fallen ließ. Erst gegen Mittag hörte der Regen auf. Trotzdem blieb es trüb, weiterhin zogen schwere Wolkenbänder über den Oberwald und das Amöneburger Becken. Dennoch fanden sich am späten Mittag 40 Erfurtshäuser am Sportplatz ein, um beim ersten Erfurtshäuser Grenzgang dabei zu sein, den der Festausschuss des Sportvereins anlässlich des 90-jährigen Vereinsbestehens geplant hatte.

„Die Strecke ist neun Kilometer lang“, erläuterte Manfred Linne, ehe sein Sohn Patrick Linne die Gruppe entlang der Grenze hinauf in den Wald führte. Der Grenze zu Haarhausen folgend, ging es bis zur Deckenbacher Gemarkung, um ab dort der Grenze zu Deckenbach hinauf bis zur höchsten Erhebung in der Erfurtshäuser Gemarkung zu folgen. Da schwere Holzernter dort im aufgeweichten Boden gearbeitet hatten, galt es für die Teilnehmer auf dem Weg dorthin, breite Furchen zu überwinden, in denen das Wasser und der Schlamm knietief standen.

Während Bernd Riehl auf der Anhöhe die erste von zahlreichen Schnapsrunden an die Teilnehmer verteilte, erzählte Manfred Linne vom „Leuchtturm“ für Flugzeuge, der sich im Zweiten Weltkrieg nur wenige hundert Meter entfernt befunden hatte. Von dort ging es durch unwegsames Gelände dem Lauf eines Baches folgend an der Mardorfer Grenze entlang ins Tal. Die Wanderer diskutierten dabei die Frage, warum Mardorf im Vergleich zu Erfurtshausen einiges mehr an Wald hat, zwar ausgiebig, kamen aber zu keinem Ergebnis.

Im Tal angekommen, suchten die Teilnehmer am Rande von Erfurtshausen die Stelle auf, an der bis in die 30er Jahre eine Wassermühle gestanden hatte. Nach einer Pause wanden sich die Wanderer der Gemarkungsgrenze zu Schweinsberg und Niederofleiden zu.

Nach dem Weg durch das Ohmtal wieder an der Gemarkungsgrenze zu Haarhausen angekommen, wurden die Teilnehmer erneut mit Getränken versorgt, während Wilhelm Gerlach die Geschichte vom Kirmesacker erzählte: 1905 kam es zu einem Erbstreit in Erfurtshausen. Die Versteigerung des Erbes wurde durch Randale einiger Erfurtshäuser so gestört, dass sie abgebrochen werden musste. Zur Strafe wurde den Erfurtshäusern das Feiern der Kirmes verboten. So zogen diese kurzerhand auf einen Acker auf dem Gebiet von Haarhausen um, wo die Polizei nicht eingreifen durfte.

Nach dieser Anekdote ging es zurück in Richtung Sportplatz. Auf dem Weg dorthin erläuterte Gerlach die Geschichte der bronzezeitlichen Hügelgräber und erzählte von den Grabungen um 1880. Am Sportplatz angekommen, erwartete die Teilnehmer nach fünf Stunden wandern durch unwegsames Gelände ein Lagerfeuer, Gulaschsuppe und gegrillte Würstchen.

Gerlach, der sich auf einer Karte die gesamte Strecke zeigen ließ, äußerte anerkennend: „Das waren aber sehr viele Teilnehmer für eine so anspruchsvolle Strecke.“ Manfred Linne und Riehl berieten derweil schon über eine Neuauflage. „Es wäre schon toll, wenn wir alle ein oder zwei Jahre einen Grenzgang machen würden“, sagte Linne.

von Kai Erdel

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