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Wärme kostet nichts, nur die Verteilung

Erksdorf Wärme kostet nichts, nur die Verteilung

Erksdorf bietet sich die große Chance, in absehbarer Zeit Bioenergiedorf zu werden. Ein großer Teil des Ortes könnte durch kostengünstige Nahwärme versorgt werden.

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Knapp 300 Meter oberhalb der Ortslage liegt die Erksdorfer Biogasanlage. Im Maschinenhaus erzeugen zwei mit Biogas betriebene Motoren Strom, deren Abwärme fast ganz Erksdorf mit Nahwärme versorgen könnte.

Quelle: Matthias Mayer

Erksdorf. Der Anstoß zu dem Projekt kommt von den Eheleuten Iris und Reiner Trier. Die Landwirte betreiben in Erksdorf einen Milchviehbetrieb und haben 2007 gemeinsam mit der ebenfalls auf Milchviehhaltung spezialisierten Landwirtsfamilie Hewecker aus Wolferode eine der ersten Biogasanlagen des Landkreises gebaut. Nach dem Ankauf eines zweiten Motors hat die Biogasanlage inzwischen eine stolze Leistung von 500 kW – genug, um mit der enormen Abwärme der beiden Motoren, so Iris Trier, fast ganz Erksdorf inklusive Neubaugebiet mit kostengünstiger Nahwärme zu versorgen.

Der Clou für die potenziellen Nahwärme-Abnehmer: Die Wärme kostet nichts, sondern allein die Verteilung. Die erfolgt über ein Nahwärmenetz, das üblicherweise die in einer Genossenschaft zusammengeschlossenen Nahwärmeabnehmer bauen und betreiben. Das zwei Kilometer lange Nahwärmenetz im Bionenergiedorf Josbach hat inklusive Spitzenlastheizkessel und Wärmepufferspeicher gut eine Million Euro gekostet.

Davon hat die Josbacher Genossenschaft nach Abzug der staatlichen Förderung etwa 600.000 Euro selber zu tragen. Die Tilgungskosten für den Kredit und die laufenden Betriebskosten legt die Genossenschaft über den Wärmepreis an die Genossenschaftsmitglieder um. Der Preis pro Kilowattstunde Wärme liegt in Josbach deutlich unter dem Heizölpreis. Nach Prognosen von Experten wird dieser Preisvorteil gegenüber dem Heizöl in den nächsten 15 Jahren auf rund 30 Prozent steigen.

So glauben die Triers an den Erfolg des Projekts. „Es müssen sich fünf, sechs Leute finden, die das Nahwärmenetzvorhaben voranbringen“, sagt Reiner Trier. Dabei weiß er, dass die Erksdorfer das Rad nicht neu erfinden müssen. Über das richtige Vorgehen informiert der große Genossenschaftsverband. Wichtige Tipps gibt‘s von den Nahwärmegenossenschaften Oberrosphe, Josbach und Schwabendorf.

Nach einer ersten Studie, die das Büro Berghamer und Penzkofer im Auftrag der Triers angefertigt hat, lässt sich ein Nahwärmenetz in Erksdorf schon mit 40 Abnehmern betreiben. Gut 20 ernsthafte Interessenten sind den Triers bereits bekannt.

von Matthias Mayer

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