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Ostkreis Vorstand wagt den scharfen Einschnitt
Landkreis Ostkreis Vorstand wagt den scharfen Einschnitt
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06:16 23.06.2012
Aus Geldmangel hat sich der Gemeindevorstand entschieden, die Herrenwaldkirche aufzugeben. Foto: Tobias Hirsch
Stadtallendorf

Der Gemeindevorstand wusste seit langem, dass er vor drastischen Sparbeschlüssen steht. Zahlreiche Modelle sind in den vergangenen Monaten auch mit der Gemeinde diskutiert worden. Auch die Entscheidung verkündete der Vorstand öffentlich bei einer Gemeindeversammlung.

Nun gibt es eine weitreichende Entscheidung. Sie sei „traurig und enttäuscht“, äußerte gestern Pfarrerin Stefanie Busch. Angesichts der Fakten hat sie aber auch die Entscheidung am mitgetragen. Dass es bislang kaum Widerspruch gegen die Entscheidung gegeben hat, bewegt sie: „Es hat mich erschrocken, dass das Argument, es gibt kein Geld mehr, die meisten Menschen gleich überzeugt hat.“

Die evangelische Kirchengemeinde ist in zwei Seelsorgerbezirke unterteilt: Statistisch zählen zum Bezirk Herrenwaldkirche 1962 Gemeindemitglieder, zum Seelsorgerbezirk Stadtkirche 2527. Keinesfalls will sich die Gemeinde aus dem Herrenwald-Bezirk zurückziehen. Das unterstreichen Pfarrerin Busch und Pfarrer Thomas Peters im Gespräch mit dieser Zeitung. Sie will andere Versammlungsräume suchen, wo, ist noch offen. Möglichkeiten bei privaten Anbietern sind aber vorhanden. Das Wunschziel des Gemeindevorstandes ist es, den gesamten Komplex mit allen Gebäuden und einer Grundfläche von rund 4600 Quadratmetern an einen Investor zu verkaufen. Sollte sich das zeitlich als schwierig erweisen, so könnte die Kirche samt Gemeinde- und Pfarrhaus stillgelegt werden, was auch bereits Kosten spart.Eine Alternative wäre aus Sicht von Pfarrer Peters eine neue Nutzung für die Gebäude zu finden, bei der aber keine Kosten für die Gemeinde mehr entstehen.

An der Zahl der Pfarrstellen soll sich in Stadtallendorf hingegen nichts ändern.

Musikschule wird umziehen müssen

Gleichzeitig trennt sich die Kirchengemeinde auch vom Gebäude der evangelischen Sing- und Musikschule. Der Unterricht soll zukünftig in das dafür zu erweiternde Gemeindehaus in der Liebigstraße verlegt werden. Peters schätzt, dass es dazu allerdings erst in den Jahren 2015 oder 2016 kommt.

Klar ist, dass die Gemeinde trotz Sparzwängen in die verbleibenden Gebäude in den nächsten Jahren wird investieren müssen. Vor allem in die energetische Sanierung muss Geld fließen. Pfarrer Peters kalkuliert mit einem Millionenbetrag, für einzelne Investitionen gibt es dabei allerdings wohl Zuschüsse der Landeskirche.

Propst Helmut Wöllenstein hat die Entwicklung in der Stadtallendorfer Kirchengemeinde für die Landeskirche Kurhessen-Waldeck (Ekkw) begleitet. Er bezeichnet den Prozess, der in der Stadtallendorfer Gemeinde stattgefunden hat, als vorbildlich, gerade auch, weil er öffentlich stattgefunden habe. Was jetzt in Stadtallendorf geschieht, ist aus Sicht des Propstes kein Einzelfall. Erklärtes Ziel der Landeskirche bleibe es, Kirchen in den Dörfern zu erhalten. Dort gebe es auch großen Rückhalt in den Gemeinden. Ursache für die Finanznot vieler Gemeinden und damit auch der Landeskirchen ist aus Sicht des Propstes zuerst die demografische Entwicklung. Auch die Stadtallendorfer Gemeinde leidet unter Mitgliederschwund. Zählte sie vor 50 Jahren noch 5960 Mitglieder, sind es aktuell rund 4500.

Wenn es im Laufe des nächsten Jahres zum Abschied von der Herrenwaldkirche kommt, soll es für die Gemeinde in jedem Falle einen „Abschiedsprozess“ geben, wie es Pfarrer Peters formuliert.