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Ostkreis Vollmer trägt Amtskette ein letztes Mal
Landkreis Ostkreis Vollmer trägt Amtskette ein letztes Mal
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23:31 09.03.2012
Umringt von aktiven und ehemaligen Generalen nahm Bürgermeister Manfred Vollmer eine Fotocollage der Bundeswehr von Divisionskommandeur Jörg Vollmer entgegen.
Stadtallendorf

Dieses Mal war es seine Feierstunde. Nach 30 Dienstjahren verabschiedete die Stadt Stadtallendorf ihren Bürgermeister Manfred Vollmer (CDU) offiziell aus dem Amt. Am Ende der knapp vierstündigen Feier, nach 17 Reden und Musikbeiträgen bekannte Vollmer: " Ich habe mich einige Male gefragt, bist du das eigentlich."

Die eigentliche Laudatio hatte Stadtverordneten-Vorsteher Hans-Georg Lang übernommen. Er würdigte Vollmer auf ganz verschiedenen Ebenen, als Kämmerer, als Verwaltungschef, als "Vater des Hessentags" oder Netzwerker. Er bescheinigte Vollmer dessen "preußische Tugenden" und betonte dessen Verbundenheit mit der Bundeswehr. Er hob aber auch hervor, dass Vollmer sich grade in den vergangenen Jahren zu einem Familienmenschen entwickelt habe - seit er Großvater geworden sei. Es gab viele besondere und sehr persönliche Würdigungen an diesem Abend. Eine formulierte zu früherer Stunde Hessens Finanzminister Dr. Thomas Schäfer, der Vollmer als einen "verlässlichen Freund" beschrieb.

Wie besonders Manfred Vollmers Beziehung zur Bundeswehr ist, bezeugte die Anwesenheit zahlreicher Generäle aus drei Jahrzehnten. Die Rede hielt Generalmajor Jörg Vollmer, Kommandeur der Division Spezielle Operationen. Zwölf Generale habe Vollmer während der 30 Jahre als Bürgermeister verschlissen. Dass der Bundeswehr-Standort Stadtallendorf erhalten bleibe, "ist wirklich Ihr Verdienst", sagte er mit Blick auf den hohen persönlichen Einsatz.

Von hohem politischem Einsatz Vollmers sprach jeder Redner aus einem anderen Blickwinkeln. Sei es Landrat Robert Fischbach (CDU) oder der SPD-Fraktionsvorsitzende Werner Hesse.

10952 Tage sei er mittlerweile im Amt, hatte der Mathematiker Hesse ausgerechnet. Hesse strich neben vielen Bauprojekten Vollmers Einsatz für Jugendarbeit, für Hilfe- und Betreuungs-Institutionen oder die Kinderbetreuung heraus. Alle übrigen Fraktionen formulierten ähnliche Bilanzen. Von "enormem Pflichtbewusstsein" sprach beispielsweise Stefan Klenner (CDU), von einem "Einschnitt für die Bleibenden" Manfred Thierau (Republikaner).

Ein sehr persönliches Bild Vollmers zeichnete wiederum Doris Berlin, Bürgermeisterin der Stadt Coswig. Sie kennt Vollmer seit nunmehr zwölf Jahren, lobte ihn als einen "authentischen Menschen" und dankte ihm für manche Hilfe, etwa bei der Hochwasser-Katastrophe vor zehn Jahren. Ein ebenfalls sehr umfassendes Dankeschön im Namen der Vereine sprach Rolf-Werner Schmittdiehl aus. Vollmer sei immer Ansprechpartner für alle Vereine gewesen, habe die kleinen wie die großen Vereine stets gleich behandelt.

Musik ganz unterschiedlicher Art bereicherte den Abend. So spielte das Blechbläserquartett des Heeresmusikkorps 300, es sang der Männergesangverein Stadtallendorf oder der Liedermacher Tobias Wessels. Eindringliche Musik und gleich mehrere Beatles-Klassiker entspannten zwischen den Redeblöcken. Natürlich gab es auch besondere Ehrungen: So verlieh Paul Weimann, Präsident des Hessischen Städte- und Gemeindebundes, Vollmer die Ehrenurkunde. Generalmajor Vollmer heftete dem Bürgermeister die Ehrennadel der DSO an das Jacket.

Vollmer kürzte seine eigene Rede am Ende drastisch. Auch er wurde sehr persönlich: "Ein bisschen Allendorfer bin ich geworden. Und ich werde es auch bleiben."

von Michael Rinde