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Ostkreis Alarmanlage vertreibt die Räuber
Landkreis Ostkreis Alarmanlage vertreibt die Räuber
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00:18 18.03.2019
Mit Sturmhauben wie auf diesem Symbolfoto bekleidet, drangen die vier mutmaßlichen Täter in den Supermarkt ein.  Quelle: Archivfoto
Stadtallendorf

Auf der Anklagebank der 12. Strafkammer am Marburger Landgericht mussten in der jüngsten Auftaktverhandlung vier junge Erwachsene Platz nehmen, die gemeinsam und in verschiedenen Funktionen einen Raubüberfall versucht haben sollen. Mit einer Schreckschusswaffe, Sturmhauben und Kabelbindern sollen sie in einem Stadtallendorfer Supermarkt versucht haben, Geld aus dem Tresor zu erbeuten. Zugleich mit der Absicht, eine der Mitarbeiterinnen zu fesseln und mit der Waffe Angst einzujagen. Eine 22-jährige Angeklagte hat zum Tatzeitpunkt im September 2018 in dem Supermarkt gearbeitet.

Alle vier sagten vor Gericht – teils über ihre Verteidiger – zu den Vorwürfen der Anklage aus: Die beiden männlichen jeweils 24-jährigen Angeklagten hätten sich während ihrer Ausbildung in Iserlohn kennengelernt. Beide seien sie in Geldnot gewesen. Einer sei vor Jahren mit der 22-jährigen Marktmitarbeiterin liiert gewesen, sie habe ihm immer wieder mit Geld ausgeholfen, doch der Kontakt sei unstet gewesen.

Wenige Wochen vor der Tat habe der 24-Jährige wieder Kontakt gesucht. Zuerst habe die Frau es für einen Scherz gehalten, doch irgendwann habe ihr Ex-Freund begonnen, sie über den Supermarkt auszufragen. Der Mitangeklagte sagte aus, er sei zunächst abgeneigt gewesen, als sein Kollege ihm von der „lukrativen Idee“ erzählt habe, doch er habe sich überreden lassen.

Angeklagter: "weil es eine scheiß Idee war"

Eine Schreckschusswaffe habe er schon länger gehabt und als sein Kollege davon wusste, habe dieser penetrant Kontakt zu ihm gesucht. Später habe er eine ehemalige Schulfreundin mit ins Boot geholt, die am Tattag Fahrerin sein sollte. Dieser 23-Jährigen seien dafür 5.000 Euro versprochen worden.

Kurz vor der Tat hätten die beiden Auszubildenden und die 23-Jährige zusammen gesessen, während die Marktmitarbeiterin mit ihrem Ex-Freund ein Live-Video gemacht habe, in dem sie die örtlichen Gegebenheiten des Supermarkts erklärt habe. Die 23-jährige Fahrerin habe schon auf der Fahrt versucht, den anderen ins Gewissen zu reden: „Es ist noch nicht zu spät zurückzufahren“, soll sie unter anderem gesagt haben.

Auch ihr 24-jähriger Schulfreund hatte nach eigener Aussage ein schlechtes Gefühl: Er habe sich auf einem Parkplatz nahe des Supermarkts in einem Busch übergeben, „weil es eine Scheiß-Idee war“, sagte er aus. Auf der Fahrt hätten die männlichen Angeklagten Likör, einen Energy Drink und Cannabis konsumiert. Die 22-jährige hätte noch ein Foto der Marktleiterin gesendet.

Die Marktleiterin sagte als Zeugin aus, sie habe es an diesem Abend eilig gehabt und einen dritten Kollegen frühzeitig nach Hause geschickt. Dann also, um kurz vor Mitternacht, hätten die 24-Jährigen, schwarz gekleidet, die Sturmhauben aufgesetzt, Kabelbinder und einen Turnbeutel eingesteckt und einer habe die Waffe mitgenommen.

Ein Turnbeutel bleibt bei der Flucht zurück

Es gab verschiedene Aussagen darüber, wer die Waffe mitführte. Der eine sollte mit seiner Ex-Freundin ins Marktleiterbüro zum Tresor gehen, der andere sollte die Marktleiterin mit den Kabelbindern in Schach halten. Doch der Versuch habe nicht lange gedauert: Nach kurzer Zeit sei die Alarmanlage angesprungen, die 24-Jährigen seien ohne Geld geflüchtet, wobei der Turnbeutel an der Notausgangstür des Getränkelagers hängengeblieben sei. Die Zeugin sagte aus, sie habe von den vermeintlichen Räubern zunächst nichts mitbekommen. Als sie vor ihrem Feierabend die Alarmanlage scharf stellte, sei diese sofort angesprungen.

Dann sei ihr der Turnbeutel an der offenen Tür aufgefallen und sie habe sich das Überwachungsvideo angesehen, auf dem sie die zwei Maskierten entdeckt habe. Die Zeugin sei noch am selben Abend zur Polizeiwache gefahren.
Neben dieser Tat verhandelt die 12. Strafkammer in dem Prozess mehrere Delikte, die einer der 24-Jährigen begangen haben soll.

Die Verhandlung wird am Dienstag, 19. März, um 9.30 Uhr im Saal 101 des Landgerichtsgebäudes mit Zeugenvernehmungen fortgesetzt.

von Beatrix Achinger