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Viele Fragen zu teurem Umwelt-Projekt

Großseelheim Viele Fragen zu teurem Umwelt-Projekt

Niemand wusste, was das Planungsbüro ausgeheckt hatte – entsprechend groß war das Interesse der Großseelheimer an der geplanten Renaturierung ihres Bauerbachs.

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Gebannt lauschten die Zuhörer den Ausführungen des Planungsbüros zur Renaturierung des Bauerbachs.

Quelle: Klaus Böttcher

Großseelheim. 75 Bürger kamen in das örtliche Bürgerhaus, um sich den Vortrag des beauftragten Planungsbüros anzuhören. Die Ergebnisse waren weder dem Ortsbeirat noch den städtischen Gremien bekannt.

Gespannt verfolgten deshalb Bürger und Politiker gleichermaßen, was der Diplomingenieur Axel Sobirey detailliert vorstellte. Bei den Untersuchungen vor Ort habe er von einigen Bürgern schon zustimmende Signale erhalten, erklärte er. Allerdings gab es nach seinem Vortrag von Seiten der Bürger einige Fragen und ebenso kritische Stimmen zu dem geplanten Projekt.

Die Renaturierung des Bauerbachs, der durch den Ort fließt, sei von existentieller Bedeutung stellte Ortsvorsteher Helmut Hofmann fest. Stadt und Bürger müssen kooperieren Bürgermeister Jochen Kirchner bezeichnete die Renaturierung als ein herausragendes Projekt nach den abgeschlossenen Kanalarbeiten und dem Straßenbau.

Man müsse etwas für den Hochwasserschutz tun, betonte er. Der Bauerbach solle durch das Vorhaben verlangsamt und es sollten Ausbreitungsgebiete geschaffen werden. Im Ort solle der Lauf des Baches beschleunigt werden.Der Hochwasserschutz in Großseelheim gehe allerdings nur Hand in Hand – das bedeute eine Zusammenarbeit zwischen Stadt und Bürgern.

Besonders deshalb, weil der Bauerbach an private Grundstücke grenze oder durch sie fließe.Axel Sobirey stellte dann die einzelnen Schritte entlang des Bachlaufs außerhalb und innerhalb der Ortschaft vor. „Durch die Maßnahmen bekommen wir im Ort das Doppelte an Wasser durch“, sagte er.

Begonnen werde schon vor dem Ortseingang durch Bachaufweitungen, wo sich das Wasser sammeln könne. Durch kleine Wälle und Vertiefungen soll das aufgestaute Wasser zurückgehalten werden. Außerdem soll der Verlauf des Bauerbachs wieder naturnah hergestellt werden. Als positiven Nebeneffekt nannte der Ingenieur den Gewinn von Biotoppunkten.

Innerhalb des Ortes soll die hydraulische Leistungsfähigkeit erhöht werden. Das heißt Durchlässe sollen vergrößert werden. Anlieger müssen mit privaten Kosten rechnen. Das Ziel ist, die Bachsohle zusätzlich zu den Aufweitungen anzuheben, denn dies schaffe schnell Volumen. Bei den Fragen der Bürger ging es um einzelne Details zu den Durchlässen oder Mauern, aber auch darum, ob nicht in Marburg schon mehr Vorsorge zur Wasserabhaltung getroffen werden könne.

Diplomingenieur Herbert Diehl, Fachmann des Regierungspräsidiums, erklärte den Bürgern, dass die Stadt Marburg alle Vorhaben eines Planes von 1996 umgesetzt hätte. Kirchhain dagegen noch nicht. Zum gesamten Projekt sagte er realistisch: „Wiegen Sie sich danach nicht in Sicherheit, sondern treffen sie auch private Vorsorge.“

Bei baulichen Veränderungen auf privaten Grundstücken werden die Anlieger auch an den Kosten beteiligt, war die Antwort auf eine Frage. Alle Anlieger würden bei den Planungen beteiligt, erklärte Bürgermeister Kirchner und betonte: „Nach Durchführung der Maßnahmen darf sich kein Anlieger verschlechtert haben.“

Jetzt nimmt  das Planungsverfahren beim Regierungspräsidium seinen Lauf und parallel dazu läuft der Förderantrag für das Vorhaben, das rund 800 000 Euro kosten wird. Danach werde mit allen Betroffenen einzeln oder in einer Anliegerversammlung gesprochen, betonte der Bürgermeister.

von Klaus Böttcher

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