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Verwaltung foppen – ohne Erfolg

Kirchhain Verwaltung foppen – ohne Erfolg

Ein anonymer „Scherzkeks“ belästigt seit einem dreiviertel Jahr die Stadt Kirchhain mit Briefen. Mehr als 50 hat das Ordnungsamt bereits erhalten.

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Mehr als 50 Briefe mit ein und demselben Witz hat die Stadt Kirchhain in den vergangene vier Monaten erhalten – mit ihrem Briefkopf und dem Vermerk „Gebühr bezahlt der Empfänger“.

Quelle: Hirsch

Kirchhain. Ein Mann trifft auf eine Politesse, die gerade ein Fahrzeug aufschreibt. Er gibt sich als Halter aus, treibt sie mit seinen Provokationen zur Weißglut und zieht dann zu Fuß von dannen. Diesen Slapstick-Klassiker bekommt die Stadt Kirchhain immer wieder. „Wir konnten beim ersten Mal schon nicht drüber lachen“, sagt Gordon Schneider, Leiter des Ordnungsamtes.

Mehr als 50 dieser Briefe hat die Stadtverwaltung in den vergangenen vier Monaten erhalten. Die Umschläge sind immer gleichartig gestaltet: Ein Adressaufkleber und der Vermerk „Gebühr bezahlt der Empfänger“.

„Der anonyme Absender zielt vermutlich darauf ab, dass wir dafür Nachporto bezahlen“, sagt Schneider. Aber dies geht ins Leere: „Wir zahlen dafür nichts“, sagt Schneider. Er vermutet, dass es sich bei dem „Scherzkeks“ um einen abkassierten Falschparker handelt. „Er benutzt unseren Briefkopf. Und zwar den, mit denen wir die Knöllchen verschicken“, sagt der Ordnungsamtschef. Rückschlüsse auf den Urheber der Briefe seien nicht möglich. Das Aktenzeichen wurde wegretuschiert.

Annemarie Wied von der Staatsanwaltschaft in Marburg sieht darin schon einen Anfangsverdacht. „Das ist nicht nur ein Witz. Das Benutzen eines fremden Briefkopfes könnte in Bezug auf eine Urkundenfälschung strafrechtlich relevant sein“, sagt die Staatsanwältin auf Nachfrage der OP. Eine Urkundenfälschung kann nach dem Strafgesetzbuch mit einer Geldstrafe oder einer Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren geahndet werden.

Ordnungsamtschef Schneider sieht die Sache locker: „Wir können nicht darüber lachen, ärgern uns aber auch nicht“. Der unbekannte Briefeschreiber investiere Zeit und Geld für Umschläge und Briefpapier mit dem Ziel, der Stadt Kirchhain durch das Nachporto einen Schaden zuzufügen. Da die Stadt aber kein Nachporto zahle, schneide sich der „Scherzkeks“ ins eigene Fleisch. „Wenn der Unbekannte so viel Freizeit zur Verfügung hat, kann er sich gerne bei uns melden, wir haben genug Betätigungsfelder im ehrenamtlichen Bereich“, sagt Schneider. Polizeisprecher Martin Ahlich findet die Sache nicht amüsant. „Immer den gleichen Witz zu schicken zeugt nicht von Kreativität“, meint der Polizist.

von Tobias Hirsch

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