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Verschwundenes Handwerk kehrt zurück

Ausstellung Verschwundenes Handwerk kehrt zurück

Bei einer Ausstellung auf dem Stausebacher Kirchhof drehte sich alles um alte holzverarbeitende Berufe sowie alte Haus- und Holzaltäre.

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Reiner Priemer (rechts) und Jürgen Bromm schneiden mit einer historischen Säge ofenfertiges Brennholz.

Stausebach. Viele Leute wissen heute nichts mehr von einem Stellmacher oder Wagner, kennen nicht die Werkzeuge und Maschinen der Holzarbeiter und haben vielfach keine Ahnung, mit welchen Werkzeugen der Tischler gearbeitet hat. Abhilfe brachte die informativen Ausstellung auf dem Kirchhof, die den Besuchern die alten Berufe und den Umgang mit Holz näher brachte.

Was macht ein Stellmacher? Reiner Priemer führte es an Ort und Stelle vor. Er hatte einen total zerlegten alten Leiterwagen mit gebracht, den er, begleitet von fachmännischen Erläuterungen, vor den Zuschauern wieder zusammenbaute.

Zwischendurch brachte er den alten Fendt-Traktor mit 27 PS in Gang. „Der muss noch vorgeglüht werden“, wusste ein Besucher. Dann sprang der Einzylindermotor an und tuckerte langsam vor sich hin, bis er in Schwung kam. An die Antriebswelle des Traktors angeflanscht hatte Priemer eine alte Säge.

„Die Säge war früher ein Selbstfahrer. Jemand hat sie irgendwann zum Anhänger umgebaut“, erzählt der Bastler und Mitbegründer eines Oldtimerclubs und führt vor, wie gut damit auch heute noch das Holz zu sägen ist. Er schiebt einen Holzscheit nach dem anderen durch die Säge, und Ortsvorsteher Jürgen Bromm macht den Abnehmer. Das heißt, er wirft Stück für Stück des gesägten Holzes auf einen Anhänger.

Später zeigt Bromm den Besuchern in einer anderen Ecke des Geländes den Meisterbrief im Schreinerhandwerk seines Großvaters Wilhelm Bromm aus dem Jahr 1934. Daneben liegt der Meisterbrief dessen Bruders Joseph Bromm, der 1930 Stellmachermeister wurde. „Dann gab es noch den Schlosser im Dorf, der auch Schmied war“, erzählt der Ortsvorsteher und weist auf die alten Handwerkzeuge des Schreiners hin.

Da liegen auf einer alten Hobelbank jede Menge Hobel, Bohrer, Sägen und andere alte Werkzeuge. Gebraucht wird in Stausebach das alles heute nicht mehr, denn die Berufe gibt es in dem Dorf nicht mehr. Zur Ausstellung gehört auch der Pausenwagen der letzten beiden „Holzmächer“ aus Stausebach, Karl Gnau und Peter Fritsch.

In der Kirche zeigt Bromm die Ausstellung alter Hausaltäre, die regelrechte Kunstwerke sind. Um viel Holz ging es auch bei den Führungen durch die Kirche, denn die hatte Bromm auch auf den Dachstuhl ausgedehnt, wo die Holzbalkenkonstruktion bewundert wurde.

von Klaus Böttcher

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