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Verlorenes Notizbuch ist Schatz für Wissenschaft

Emsdorf Verlorenes Notizbuch ist Schatz für Wissenschaft

Vor 250 Jahren verlor ein französischer Soldat ein Notizbuch während einer Schlacht bei Emsdorf. Ein Langensteiner Bauer nutzte das Buch weiter. Heute ist es ein Schatz für die Wissenschaft.

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Das alte Notizbuch ist nach Ansicht von Experten für die Erforschung der Alltagskultur besonders wertvoll. Heute befindet es sich im Besitz des Hatzbachers Karl Martin.

Quelle: Kai Erdel

Emsdorf. Vor 250 Jahren, am 16. Juli 1760, kam es auf dem Höhenzug zwischen Emsdorf und Stadtallendorf zu einem dramatischen Gefecht. Am Morgen des 16. Juli marschierte eine 5 000 Mann starke Armee, bestehend aus Engländern, Hannoveranern und Hessen-Kasselern, unter dem Kommando von Karl Wilhelm Ferdinand von Braunschweig von Treysa kommend bis Speckswinkel.

Als der Befehlshaber sah, dass 4 600 Franzosen auf der Anhöhe von Emsdorf Stellung bezogen hatten, teilte er seine Truppen und ließ die Infanterieeinheiten in einem weiten Bogen und für die Franzosen unbemerkt durch die Wälder nördlich von Hatzbach ziehen. Zwischen Hatzbach und Wolferode überquerten diese Einheiten den Hatzbach und zogen unter der Deckung des Waldes hinauf nach Emsdorf.
Am späten Mittag griffen diese Truppen den linken Flügel der Franzosen an, während die Kavallerieeinheiten, unterstützt von einem Infanterieregiment, gegen den rechten Fügel vorgingen.

Überrascht vom Angriff ordnete der französische General von Glaubitz den Rückzug an. Da der Weg nach Kirchhain und zur dortigen Ohmbrücke bereits versperrt war, versuchte von Glaubitz mit seinen Einheiten durch das Tal hinunter nach Hof Netz und weiter durch den Herrenwald in Richtung Niederklein zu fliehen, um bei Amöneburg oder Schweinsberg die Ohm zu überqueren.

In den folgenden Stunden verfolgten die Alliierten die Fliehenden und es kam zu weiteren Gefechten. Schließlich konnten die Alliierten die Franzosen an der Klein bei Niederklein zur Aufgabe zwingen.

Der vollkommenen Zerschlagung der französischen Einheiten standen nicht einmal 200 Getötete und Verwundete der Alliierten gegenüber.

In der Folge dieses Gefechts muss ein Johannes Schäfer aus Langenstein ein Notizbuch, dass von einem der fliehenden Franzosen zurückgelassen wurde, an sich genommen haben.
Heute befindet sich dieses Buch im Besitz des Hatzbachers Karl Martin. „Meine Großmutter war eine geborene Schäferin aus Langenstein und hatte nach Erksdorf geheiratet“, erinnert sich Martin. „In den 20ern wurde bei meiner Großmutter das Dach erneuert und vorher entrümpelt, da sollte dann das Buch weggeworfen werden“, erzählt Martin weiter. Sein Vater Johannes Martin habe das Buch stattdessen mit nach Hatzbach genommen.

Da zahlreiche Daten in dem Buch auf 1760 datiert sind, hatte Martin das Buch dem Hatzbacher Hobby-Historiker Eike Erdel gezeigt, der daraufhin einen Aufsatz über das Gefecht bei Emsdorf in der Zeitschrift des Hessischen Vereins für Geschichte und Landeskunde veröffentlicht hatte. „Die elsässischen Namen und die im Sommer 1760 endenden Einträge sprechen dafür, dass es sich um ein Notizbuch des Regiments von Anhalt handelt, welches im Elsass aufgestellt wurde und das an dem Gefecht beteiligt war“, so Erdel.

von Kai Erdel

Mehr zu diesem Thema finden Sie in der gedruckten OP vom 16.07.2010.

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