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Verkehrte Welt im Parlament

Abstimmung Verkehrte Welt im Parlament

Ein Jahr lang schaltet die Stadt Amöneburg nachts von 1 Uhr bis 4.30 Uhr das Licht aus – das beschlossen die Stadtverordneten am Montagabend in einer denkwürdigen Abstimmung.

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Noch brennt die Straßenbeleuchtung die Nacht durch, bald schaltet die Stadt sie von 1 Uhr bis 4.30 Uhr ab – probehalber für ein Jahr, dann beraten Amöneburgs Stadtverordnete das Thema erneut.

Mardorf. Die Diskussion über das Ausschalten der Straßenbeleuchtung entsprechend einer Anregung aus dem Klimaschutzkonzept nahm während der Stadtverordnetenversammlung einige Zeit in Anspruch. Am Ende stimmten die Bürgervertreter einzeln über die Magistratsvorlage ab – und den Besuchern bot sich ein überraschendes Ergebnis: Die Christdemokraten stimmten für das Abschalten oder enthielten sich, die Sozialdemokraten waren dagegen, was eigentlich bei Anträgen des Bürgermeisters in der Vergangenheit tendenziell eher umgekehrt war. In FWG und AWG gingen die Meinungen auseinander.

„Amöneburg ist ein attraktiver Wohnort“, hatte Klaus Fecho (SPD) gesagt und gemahnt, die Kombination aus Abschalten der Beleuchtung und geplanten Einschränkungen beim Winterdienst gefährdeten diesen Status. Zudem wären es rund 8.500 Euro an Einsparungen nicht wert, sich gegen das Sicherheitsempfinden der Bürger zu entscheiden: „Hochgerechnet würden wir etwa 1,50 Euro pro Einwohner sparen“, sagte der Stadtverordnete.

Sein Fraktionskollege Mario Fritsch sagte, die Pläne seien gefährlich, da viele Menschen schlicht Angst im Dunklen hätten. Er bezog sich auf die OP-Berichterstattung und hob hervor, dass die Stadt Neustadt aufgrund ihrer Erfahrungswerte die Phase ohne Licht bereits reduziert habe.

Hartmut Weber (AWG) lehnte das Vorhaben ebenfalls ab: Er könne die von Bürgermeister Michael Richter-Plettenberg übermittelten Angaben der Polizei nicht glauben, dass es keinen Zusammenhang zwischen fehlender Straßenbeleuchtung und einem Anstieg der Kriminalitätsrate gebe. Die Beratungsstelle der Kriminalpolizei rate doch schließlich, zwecks Einbruchsprävention Licht anzuschalten. Zudem erlaube es der Zustand der innerörtlichen Straßen nicht, dass die Menschen ohne Licht auskommen müssten.

„Die Menschen haben Bewegungsmelder, weil sie Sicherheit durch Licht wollen“, betonte Peter Greib (AWG) und sagte, Rettungskräfte seien auf Beleuchtung angewiesen, da sie sich ihre Einsatzorte auch nicht komplett ausleuchten könnten.

Rudi Rhiel, der Vorsitzende der FWG, ließ die Stadtverordneten wissen, dass sich die Mehrheit seiner Fraktion den Plänen der Stadt anschließen könne, wenn die nächtliche Abschaltung zunächst zur Probe komme – er beantragte eine Testphase von einem Jahr, die letztendlich auch in der Vorlage festgehalten wurde.

„Es ist zumindest einen Versuch wert. Wir müssen Mut haben, Verantwortung zu übernehmen und den Bürgern die Angst zu nehmen“, sagte Stefan Heck, der Vorsitzende der CDU, hob hervor, dass es bereits eine „ganze Reihe Kommunen“ gebe, die nachts das Licht ausschalte: „Wenn es keinen Zusammenhang zwischen dem Abschalten und der Kriminalität gibt, sollten wir es versuchen.“

von Florian Lerchbacher

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