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Verkauf und Teilung sind perfekt

Bürgerhaus wird aufgestockt Verkauf und Teilung sind perfekt

Es gibt es noch, das große Vertrauen der Wirtschaft in die Verlässlichkeit der Politik. Das zeigte sich am Montagabend am Ende einer Sitzung des Kirchhainer Bau- und Planungsausschusses.

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„Städtebaulich können wir uns nur verbessern“, sagte der Stadtverordnete Olaf Hausmann. Wer wollte ihm beim Anblick der tristen Bürgerhaus-Fassade widersprechen? Foto: Matthias Mayer

Kirchhain. Jochen Schröder, Geschäftsführer des Großseelheimer Unternehmens Gade Schlüsselfertigbau GmbH, holte aus den Tiefen seiner Aktentasche ein paar Dutzend Flyer und verteilte sie unter den Stadtverordneten und den Zuschauern. 7000 dieser Flyer hat Schröder drucken lassen, die er alle hätte einstampfen müssen, wenn der Bauausschuss am Montagabend zweimal nein gesagt hätte; nein zum notariellen Kauf- und Teilungsvertrag, nein zur Aufstellung eines vorhabenbezogenen Bebauungsplans „Bürgerhaus Kirchhain.“ Denn dann hatte sein Unternehmen im und auf dem Kirchhainer Bürgerhaus nicht 16 bis 20 senioren- und zum Teil behindertengerechte Wohnungen errichten können. Und dann hätten auch die Flyer, die zu einer Informationsveranstaltung zu diesem Projekt am 18. November einladen, ihre Sinnhaftigkeit verloren.

Doch es kam wie erwartet: einstimmig schufen die Mitglieder des Ausschusses die Voraussetzungen dafür, dass das Bürgerhaus energetisch saniert und zwischen der Stadt und dem Investor Gade Schlüsselfertigbau GmbH geteilt werde kann. Dazu hatte das Stadtparlament dem unter Vorsitz von Karl-Heinz Geil (SPD) tagenden Ausschuss aus Zeitgründen Prokura erteilt.

Und die Zeit drängt zumindest die Stadt Kirchhain: Bis Mitte September 2013 müssen Modernisierung und energetische Sanierung des Bürgerhauses abgeschlossen sei, da sonst der Zuschuss des Landes verfristet. „Das Vorhaben ist supersportlich“, bekannte Bauamtsleiter Volker Dornseif, der nach zwei Jahre und neun Monate währender Arbeit in Verwaltung und Parlament in Zahlen ausdrückte, dass sich die Anstrengungen gelohnt haben:

n Durch die Reduzierung des bei der Stadt verbleibenden Gebäudeteils schrumpft die Investitionssumme um 559000 auf 1,09 Millionen Euro. n Der städtische Anteil an den Sanierungskosten sinkt um 186000 Euro auf 365000 Euro. n Die jährlichen Unterhaltungskosten gehen von 277250 Euro auf unter 100000 Euro zurück. Für den Investor nannte Architekt Christian Spitzener noch einmal die wichtigsten Daten des Gade-Projekts. Das Bürgerhaus werde über dem ehemaligen Restaurant-Trakt von zwei auf vier Geschosse und über dem Foyer auf drei Geschosse aufgestockt. Die Gebäudehöhe werde knapp über der Traufhöhe des benachbarten Hexenturms liegen. Der modulartige Aufbau der Wohnungsgrundrisse erlaube den Käufern der Eigentumswohnungen Grundrisse zwischen 60 und 140 Quadratmetern Größe. „Wir werden hierkeinen Schrott hinstellen“ Klaus Weber (SPD) lobte die von seiner Partei schon im Wahlprogramm 2011 festgeschriebene Idee, durch seniorengerechte Wohnungen am Standort Bürgerhaus die Innenstadt weiter zu beleben. Er bat aber darum, die Fassade so zu gestalten, dass diese keinen Plattenbau-Charakter bekomme. „Das Haus soll für Generationen gut anzusehen sein“, ergänzte Karl-Heinz Geil. „Wir leben und wohnen hier, und wir werden hier keinen Schrott hinstellen“, versprach Jochen Schröder. Er verkaufe nur, was ihm gefalle.Auf die Folgen der baulichen Veränderungen gingen Olaf Hausmann (SPD) und Reiner Nau (Grüne) ein. „Es wird Veränderungen geben und die bringen auch ein Konfliktpotenzial mit“, sagte Nau mit Blick auf die Wohnraum-Verdichtung und die Lärm-Emissionen aus dem Bürgerhaus-Betrieb. „Aber wir können guten Gewissens diesen Weg gehen“, sagte er. Hausmann verwies auf das Mitspracherecht der Bürger und Anlieger im Zuge der Offenlage der Bebauungsplanänderung. Bürgerbeteiligung habe schon gegenüber der ersten Ideenskizze etwas bewirkt. Die Pläne, den Haupteingang des Bürgerhauses auf die Rückseite des Gebäudes zu verlegen, seien nach Interventionen von Bürgern aufgegeben worden, sagte der SPD-Fraktionsvorsitzende, der das Projekt ausdrücklich lobte. Dem schlossen sich Angelika Aschenbrenner für die FDP („das Projekt hilft unserem Stadtbild und unseren Finanzen“) und Stadtverordnetenvorsteher Willibald Preis (CDU) an. „Die Nutzung des Bürgerhauses hat sich völlig verändert. Das macht uns die mutige Entscheidung leichter“, kündigte er die Zustimmung seiner Fraktion an. Vor der Abstimmung wurden noch die Vertragsdetails erörtert. Zu diesen gehört, dass die Stadt die Mehrheit in der Eigentümerversammlung hat und dass die Stadt wie die Wohnungseigentümer ihre Belange autark regeln können.

von Matthias Mayer

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