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Ostkreis Glyphosat bleibt ein Thema in Kirchhain
Landkreis Ostkreis Glyphosat bleibt ein Thema in Kirchhain
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00:18 22.08.2018
Das von Monsanto hergestellte Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat ist weltweit unter seinem Handelsnamen Roundup bekannt geworden. Quelle: Jeff Roberson/dpa
Kirchhain

Anlass für die Debatte ist die Tatsache, dass die Stadt Kirchhain und die von ihr verwalteten Stiftungen Ackerland im nicht unerheblichen Umfang besitzt, das verpachtet wird. Dazu kommen verpachtete Flächen, die von Kleingärtnern genutzt werden. Ziel der Stadt ist es, den Einsatz der umstrittenen Substanz auf ihren Flächen über Pachtverträge so zu regulieren, dass Glyphosat nicht in die Nahrungskette kommen kann.

Dazu führte der Magistrat intensive Gespräche mit Ortslandwirt Volker Lenz und dem Kreisbauernverband. Das Ergebnis: Die Landwirte sind damit einverstanden, dass Glyphosat auf städtischem Boden nur in Ausnahmefällen eingesetzt werden darf und jene Ausnahmefälle zuvor der Stadt angezeigt werden müssen. Der Magistrat wird diese Regelung jetzt in eine gerichtsfeste Form gießen, bevor sie Gegenstand künftiger Pachtverträge wird.Volker Lenz warb vor dem Ausschuss um eine Versachlichung der Glyphosat-Debatte. 21 Gutachter hätten das Mittel geprüft – ohne einen Nachweis der Schädlichkeit. Auf der Verpackung des Mittels finde sich kein Totenkopf – im Gegensatz zu unterschiedlichsten Chemieprodukten für den Hausverkauf.  Die Landwirte müssten sich auf ein Mittel verlassen können, das der Staat zugelassen habe.

Im Getreide nachgewiesen

Lenz erklärte, dass Glyphosat nur ein relativ kleiner Baustein für die Landwirtschaft sei, der gezielt und sachgerecht eingesetzt werde, wenn es die Situation erfordere. Es sei Anliegen jeden seriösen Landwirts, die Nahrungskette vor Chemiebelastungen zu schützen. Deshalb werde hierzulande Glyphosat nur zeitig im Jahr eingesetzt. Die heimischen Bauern dürften nicht für das Fehlverhalten von Landwirten im Osten verantwortlich gemacht werden, die das Mittel bis kurz vor der Ernte eingesetzt hätten – mit dem Ergebnis, dass das Unkrautvernichtungsmittel im geernteten Getreide nachgewiesen wurde.

Unterstützung bekam Volker Lenz von seinem Berufskollegen Peter Emmerich. Der Stadtverordnete, der in Burgholz einen landwirtschaftlichen Betrieb bewirtschaftet, legte sich fest: „Wir sind keine Freunde von Glyphosat. Aber an manchen Ecken muss es sein. Das Mittel muss zwingend zur richtigen Zeit eingesetzt werden.“ Zugleich stellte er fest, dass die vielfach geforderte pfluglose Bodenbearbeitung ohne Glyphosat nicht möglich sein.
Ähnlich hatte sich auch der Schwabendorfer Landwirt Heinrich Müller bei einer vergleichbaren Debatte in der Rauschenberger Stadtverordnetenversammlung geäußert. Er setze Glyphosat nur auf drei Prozent seiner Flächen ein, aber dort müsse es einfach sein. Ohne ein gleichwertiges anderes Mittel könne auf Glyphosat nicht verzichtet werden, sagte der Rauschenberger CDU-Fraktionsvorsitzende.

Sein Kirchhainer Kollege Uwe Pöppler begrüßte die gefundene Regelung, befürchtete aber nach dem jüngsten Urteil, dass die Haftung auf den Landwirt übergehen könne. Reiner Nau (Grüne) sprach von einer Verbesserung des Status quo. Es müsse klar sein, dass Glyphosat nicht in den Trinkwasserschutzzonen rund um Kirchhain eingesetzt wird. Außerdem verstehe sich von selbst, dass Kleingärtner kein Glyphosat für ihre Gärten bräuchten.

von Matthias Mayer