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Unheilvoller Automatismus: saufen, prügeln, schweigen

Verhandlung am Kirchhainer Amtsgericht Unheilvoller Automatismus: saufen, prügeln, schweigen

Um häusliche Gewalt, Widerstand gegen die Staatsgewalt und Beleidigung ging es am Freitag vor dem Kirchhainer Amtsgericht. Verhandelt wurden zwei Fälle aus Stadtallendorf.

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Quelle: Archivfoto

Stadtallendorf. Immer wieder hat sich das dortige Gericht mit einem besonderen Automatismus zu befassen. Zu einer bestimmten landsmannschaftlichen Gruppe in Stadtallendorf gehörende Männer betrinken sich und verprügeln dann ihre Ehefrauen oder Lebenspartnerinnen.

Die rufen in ihrer Not die Polizei, die den tobenden Trunkenbold aus der Wohnung verweist. Polizei und Staatsanwaltschaft ermitteln, es kommt zu einer Anklageschrift und schließlich zu einer Gerichtsverhandlung.

In der Hauptverhandlung folgt mit ziemlicher Sicherheit das ewig gleiche Spiel. Das Opfer erklärt, mit seinem Peiniger zusammenbleiben zu wollen und macht im Zeugenstand von seinem Recht auf Zeugnisverweigerung Gebrauch.

So geschah es auch am Freitag. Eine 27-jährige Mutter von zwei Kindern hatte am 23. Januar dieses Jahres die Polizei in ihre Wohnung gerufen, weil sie von ihrem alkoholisierten Mann geschlagen worden war. Im Zeugenstand wollte die Hausfrau nicht gegen ihren Mann, einen Gießereiarbeiter, aussagen. An einer entsprechenden Regieanweisung ihres Mannes von der Anklagebank ließ sie Richter Joachim Filmer wissen, dass zwischen ihr und ihrem Mann wieder alles in Ordnung sei.

Das überraschte den Vorsitzenden in keinster Weise. Schließlich war zuvor exakt diese Wendung in Auseinandersetzungen zwischen diesen beiden Eheleuten am Amtsgericht bereist fünfmal aktenkundig geworden. Mit dem halben Dutzend war für Filmer auch das Maß voll.

Der Richter stellte zwar zwangsläufig im Einklang mit der Staatsanwaltschaft das Verfahren gegen den Angeklagten ein, warnte aber den Ehemann nachdrücklich: „Lassen Sie die Finger vom Alkohol. Immer wenn Sie trinken, schlagen Sie Ihre Frau.“

Der Richter ließ sich von der Einlassung des Angeklagten, nichts mehr zu trinken, nicht beeindrucken. „Sie saufen, und wenn sie das tun, dann prügeln Sie. Passiert so etwas noch ein Mal, dann lasse ich die Polizei intensiv ermitteln und lade die Polizeibeamten als Zeugen. Dann gibt es eine Verurteilung“, stellte Filmer klar.

von Matthias Mayer

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