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Unfallopfer wartet weiter auf Geld

Rauschenberg Unfallopfer wartet weiter auf Geld

Die Frage, wer Schuld an dem Unfall vom 5. Mai 2008 ist, muss das Amtsgericht Kirchhain noch klären. Dass das Opfer bis heute keinen Euro Schmerzensgeld erhielt, erzürnt auch Richter Joachim Filmer

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Ein Polizist fegt am 5. Mai 2008 Trümmerteile von der Landesstraße. Im Hintergrund ist der Schlepper zu sehen, auf den das Motorrad prallte.

Quelle: OP-Archiv / Tobias Hirsch

Rauschenberg. Sein rechter Arm ist gelähmt, er wird es wahrscheinlich trotz etlicher Operationen auch bleiben. Ruhig und freundlich tritt der 22-Jährige im Gerichtssaal auf. Groll gegen den Mann, der vermutlich den Unfall verschuldete, der sein Leben veränderte, scheint er nicht zu hegen. Bei der Verhandlung am vergangenen Dienstag versucht Richter Joachim Filmer das Verfahren gegen den Schlepperfahrer, der inzwischen 75 Jahre alt ist, zu einem schnellen Ende zu bringen. Er drängt auf eine Einstellung gegen eine Geldzahlung an das Unfallopfer. „Strafe ist hier untergeordnet. Es geht darum, dass das zivilrechtlich so schnell wie möglich geklärt wird“, sagt Filmer unter anderem zur Begründung. Das Unfallopfer und sein Anwalt wären zu diesem Weg ebenso bereit gewesen wie der 75-Jährige und seine Anwältin. Doch die Staatsanwaltschaft sagt letztlich Nein, will weiter verhandeln lassen.

Der Unfallablauf ist unumstritten. An jenem Nachmittag, gegen 17.45 Uhr, lenkte der Schlepperfahrer sein Gespann von einem Feldweg aus nach links auf die Landesstraße 3077. Zum Ausweichen hatte der Gemündener auf den wenigen Metern wahrscheinlich keine Chance mehr. Dem Angeklagten hält Richter Filmer vor, dass das Linksabbiegen an dieser Stelle selbst mit einem Auto sehr gefährlich wäre. Für einen Verkehrsrowdy hält er den Mann aber keineswegs. Darum erscheint ihm auch die Einstellung möglich.

Doch was den Richter wütend macht, ist das bisherige Verhalten der Versicherung des 75-Jährigen. Die hat sich bisher geweigert, auch nur einen Euro an das Unfallopfer zu zahlen.

Das Martyrium des Unfallopfers dauert indes weiter an. Er muss mindestens vier weitere Operationen an seinem rechten Arm über sich ergehen lassen. „Vielleicht kann ich ihn dann zumindest beugen“, erzählt er leise.

von Michael Rinde

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