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Und plötzlich droht der Angeklagten Jugendstrafe

Aus dem Gericht Und plötzlich droht der Angeklagten Jugendstrafe

Die Verhandlung vor dem Kirchhainer Jugendgericht gegen eine 20-Jährige plätscherte lange Zeit zäh vor sich hin, nahm dann aber eine dramatische Wendung.

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Kirchhain. Jugendrichter Joachim Filmer brach die Hauptverhandlung gegen die junge Frau ab und setzte eine neue Hauptverhandlung an. Der Grund: Der Angeklagten droht als Bewährungsversagerin eine Jugendstrafe. Eine Jugendstrafe ist die schärfste Sanktionsmöglichkeit der Jugendgerichtsbarkeit und bedeutet Freiheitsentzug in einer Jugendstrafanstalt. Einer solchen Verurteilung wollte das Gericht auf Antrag des Staatsanwalts die Angeklagte nicht ohne Rechtsbeistand aussetzen. Das Gericht beschloss deshalb, der 20-Jährigen eine Pflichtverteidigerin beizuordnen, die ihr beim nächsten Termin in etwa drei Monaten beistehen wird.

Die Staatsanwaltschaft hatte die Marburgerin wegen zweier Tatvorwürfe angeklagt. Am 18. April 2011 soll sie im Flur ihrer Wohnung einem Bekannten zwei Gramm eines Amphetamin-Gemischs in Gewinnabsicht zum Preis von 20 Euro verkauft haben. Neben dem Handeln mit Betäubungsmitteln warf ihr die Staatsanwaltschaft vor, am 18. Februar 2012 gegen 3 Uhr in einer Stadtallendorfer Gaststätte einer jungen Frau Jacke, Handy und Handtasche mit Geldbörse und 15 Euro Inhalt gestohlen zu haben.

Den Drogenverkauf gab die Angeklagte zu, verneinte aber jede Gewinnabsicht. Sie habe ihrem Bekannten einen Gefallen getan, und ihm „für 20 Euro was besorgt.“ Die Sache mit der Handtasche sei eine blöde Geschichte gewesen. Zur fraglichen Zeit habe es vor der Gaststätte eine Schlägerei gegeben, in die auch Leute aus ihrer Clique involviert gewesen seien. Ihr Freundeskreis habe verabredet, das Lokal sofort zu verlassen. Sie habe deshalb die Sachen am Tisch ihrer Freunde zusammengeräumt und mitgenommen. Ein herrenlos auf dem Tisch liegendes Handy habe sie in eine Tasche gesteckt, in der Annahme, es gehöre jemanden aus ihrer Clique, sagte sie.

Das Handy fand sich am nächsten Morgen in der Wohnung eines mit der Angeklagten befreundeten Paares wieder - zusammen mit der Geldbörse und dem Handy der Angeklagten. Wie die Sachen in die Wohnung gelangten, ließ sich nach widersprüchlichen Aussagen der beiden Wohnungsinhaber nicht klären, worauf das Gericht eine Einstellung dieses Anklagepunktes in Aussicht stellte.

Als Problem erwiesen sich die fünf Vorbelastungen der Angeklagten, die ganze vier Wochen nach der Verurteilung wegen gefährlicher Körperverletzung und Hehlerei zu einer Bewährungsstrafe erfolgte. „Das ist ziemlich kühn“, konstatierte Joachim Filmer, und die Vertreterin der Jugendgerichtshilfe sprach von einer enormen Rückfallgeschwindigkeit mit erkennbar schädlicher Neigung. Sie sei auf dem Weg der Besserung, erfülle alle Bewährungsauflagen, versicherte die Angeklagte. Ob es ihr hilft, muss sich zeigen.

von Matthias Mayer

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