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Und alles ohne Körperkontakt

Hütehunde Und alles ohne Körperkontakt

Niedliche Tiere und tolle Leistungen bekamen die Zuschauer der Hessenmeisterschaft für Hütehunde am Wochenende in Wohra zu sehen.

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Wohra. Ein kurzer Pfiff und ein Kommando von Otto Althaus (Rosenthal) reichen, damit Border-Collie Meg eine Kurve läuft und fünf Schafe durch ein Tor treibt. Hund und „Handler“ haben die kleine Herde fest im Griff.

Sie parieren auf Kommando und treiben die Schafsherden von Feld zu Feld: die Hütehunde. Auf jeden Pfiff des Schäfers wird gehört. Davon verschaffte sich OP-Redakteur Florian Lerchbacher bei den Hessenmeisterschaften in Wohra selbst ein Bild.  

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Das stellen sie auch beim sogenannten „Shed“ unter Beweis: Nachdem Meg die grau gehörnten Heidschnucken in einen markierten Kreis geleitet hat, nähern sich Hund und Herrchen von zwei Seiten und separieren zwei exakt ausgewählte Schafe, bis der niederländische Kampfrichter Paul Andreoli sein Okay gibt und diese Aufgabe als erfüllt wertet.

41 Border-Collies und ihre „Handler“ hatten während der Hessenmeisterschaft für Hütehunde auf den von der Familie Wilfried Herbst bewirtschaften Auenwiesen bei Wohra verschiedene Prüfungen zu bewältigen: Die Hunde mussten die Schafe zunächst in rund 400 Metern Entfernung abholen, möglichst gerade über eine Wiese und anschließend um ihr Herrchen herumtreiben. Dann galt es zudem, zwei beziehungsweise ein bestimmtes Schaf von der Herde abzutrennen und sie dann in einen Pferch zu führen.

Zuschauer der Hüteveranstaltung, die eins von zehn Qualifikationsturnieren für die Europameisterschaft 2013 in Belgien ist, kamen voll auf ihre Kosten, denn die Tiere waren nicht nur extrem niedlich anzuschauen , sondern zeigten auch beeindruckende Leistungen. „Das Abtrennen eines einzelnen Schafs fand ich besonders interessant“, berichtete Heike Niesar, die gemeinsam mit Eunike Schwarzer aus Cölbe nach Wohra gekommen war, und ergänzte: „Es ist faszinierend, wie die Hunde die Aufgaben bewältigen.“

Die Hundeliebhaberin hatte sich im sogenannten ­„Single“ die Königsdisziplin der Aufgaben herausgepickt: „Schafe sind Herdentiere, daher will natürlich keins von der Gruppe getrennt werden“, erklärte Martina Czylwik im Gespräch mit dieser Zeitung. Die Lüdingshäuserin ist Deutsche Meisterin mit ihrem Hund Jake und lag auch in Wohra gut im Rennen (Ergebnisse folgen). Um den zahlreichen Zuschauern ihr Hobby zu erläutern, kommentierte sie gestern während der Mittagspause einen Demonstrationslauf von Althaus und Meg und erklärte die Teile und die Schwierigkeiten des Wettbewerbs: Die Grundbefehle, die die „Handler“ per Pfiff oder Kommando geben, sind „rechts“, „links“, „geradeaus“ und „liegen“. Die Border Collies sollen die Herde möglichst gerade durch den Parcour treiben, Abweichungen geben Punktabzug. Körperkontakt darf der Hund zu den Schafen dabei nicht haben.

„Das kommt aber natürlich auch manchmal vor“, erklärte Kursdirektor Althaus, der die Veranstaltung des Vereins „Arbeitsgemeinschaft Border Collie Deutschland“ leitete. Manch ein Richter lasse sogar noch einen kleinen Biss durchgehen, in Wohra reichte jedoch bereits die Kontaktaufnahme, die zur Disqualifikation führt. Einen, den dieses Schicksal erwischte, war er selbst. Sein Hund hatte gedrängelt, was den „Handler“ aber auch nicht überraschte: „Ich arbeite sonst mit Texel-Schafen, die größer sind. Arbeitet der Hund nicht mit Körperkontakt, besteht die Gefahr, dass sie frecher werden. Das gilt es zu verhindern. Der Hund muss die Schafe schließlich erziehen.“

Die Heidschnucken hatte die Familie Dicken zur Verfügung gestellt, die die Schafzucht als Hobby betreibt. Im Hintergrund kümmerte sich Ines Dicken mit Border Collie Kim um die Schafe, ehe sie „ins Rennen“ gingen. „Heidschnucken sind nicht einfach. Sie sind bekannt dafür, dass sie flüchtig sind und viel Hund wollen. Das heißt, sie brauchen Führung“, analysierte Czylwik und sprach ein großes Lob aus: „Die Veranstaltung ist superschön: Der Parcour ist schön, die Organisation ist gut und die Atmosphäre sehr nett.“

von Florian Lerchbacher

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Von Redakteur Florian Lerchbacher

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