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Ostkreis „Total bekloppt, ihn zu bestehlen“
Landkreis Ostkreis „Total bekloppt, ihn zu bestehlen“
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17:31 21.05.2012
Im Diebstahl von Kupfer sehen viele Diebe die Chance, auf den schnellen Euro. Unser Bild zeigt einen Bautrupp der Bahn, der ein gestohlenes Kupferkabel ersetzt. Foto: dpa/Archiv
Kirchhain

Der zur Tatzeit 20 Jahre und zwei Monate alte Mann hatte in der Zeit vom 17. bis zum 23. Oktober 2011die Abwesenheit seines Nachbarn ausgenutzt und aus dessen Werkstatt erhebliche Mengen Buntmetall und Installationsmaterial gestohlen. Dabei war er von einer anderen Nachbarin beobachtet worden.

Die Verwerflichkeit seines Tuns räumte der Angeklagte vor dem Jugendgericht am Kirchhainer Amtsgericht ein. „Ich entschuldige mich bei Dir“, sagte er an die Adresse seines Nachbarn, zu dem er ein freundschaftliches, von absolutem Vertrauen geprägtes Verhältnis gehabt habe. „Es ist bekloppt, ihn bestohlen zu haben“, übte der Angeklagte Selbstkritik.

Sein Verteidiger sprach von einer unsinnigen Übersprungshandlung, deren Hintergrund der zur Tatzeit Arbeitslose dem unter Vorsitz von Jugendrichter Joachim Filmer tagenden Gericht offenlegte. Er habe im Vorfeld der Tat viel Geld an Spielautomaten verloren und deshalb Freunde angepumpt. „Ich musste Schulden zurückzahlen. Da kam mir das Buntmetall meines Nachbarn in den Sinn“, erklärte er.

Nach eigenem Bekunden holte er 32 Eimer mit Kupferschrott sowie Installationsmaterial aus dem Anwesen seines Nachbarn. Das Material versilberte er bei einem Gießener Schrotthändler. Erlös: 1200 Euro.

Verdacht fiel schnellauf den Angeklagten

Der junge Mann sollte nicht lange Freude an der Beute haben. Bei seiner Rückkehr bemerkte der Nachbar sofort das Fehlen des Installationsmaterials und des Kupferschrotts. Und der Verdacht richteten sich sofort gegen den junge Mann. „Er hatte mir geholfen, das Material in die Werkstatt zu fahren. Und außer ihm war in dem halben Jahr vor dem Diebstahl kein Fremder in der Werkstatt gewesen“, erklärte der Handwerker im Zeugenstand. Er habe den Vorfall zunächst nicht angezeigt, um dem jungen Mann die Zukunft nicht zu verbauen. Seiner Bedingung, der Wiedergutmachung, sei sein Nachbar aber nur zu einem geringen Teil nachgekommen. Zudem sei er von dessen Familie mit Unterstellungen und Bedrohungen überzogen worden.

Über den Umfang der Wiedergutmachung gab es erhebliche Differenzen, die auf zivilrechtlicher Ebene aufzuklären sind. Der Angeklagte gab an, dem kompletten Kupferschrott in Gießen zurückgekauft und zurückgegeben zu haben. Er schätzte, dass Material im Wert von rund 300 Euro fehle. Der Geschädigte gab den Wert des „bedingt neuen“ Installationsmaterial mit 5000 Euro an.

Jugendstrafrecht füreinen 20-Jährigen

Die Vertreterin der Jugendgerichtshilfe empfahl, für den knapp 21-jährigen Angeklagten Jugendstrafrecht anzuwenden. Genau damit hatte Amtsanwalt Heinisch als Vertreter der Anklage ein Problem. Der Angeklagte wirke erwachsen und selbstständig, auch wenn er noch bei den Eltern lebe. Heinisch beantragte schließlich allein aus einem Grund eine Verurteilung nach Jugendstrafrecht: Am 11. November 2011 war der Angeklagte zeitnah zu dem Diebstahl ebenfalls nach Jugendstrafrecht verurteilt worden, weil er bei einer Abi-Feier der Stiftsschule St. Johann in einer Marburger Gaststätte einen Abiturienten grundlos geschlagen hatte. Heinisch sprach von einer „dreisten Tat“, einem „schlimmen Vertrauenmissbrauch“, von einer „hirnrissigen Idee“, die er mit 100 Stunden gemeinnütziger Arbeit und einer Schadenswiedergutmachung, zahlbar in Raten, geahndet wissen wollte.

Der Verteidiger sprach von einer dummen Leichtsinnstat. „Wer so was macht, hat vorher nicht nachgedacht. Die Sache belastet meinen Mandanten sehr“, sagte der Rechtsanwalt unter Hinweis auf das kurzfristige Geständnis. Er beantragte einen Arbeitsauflage von 60 Stunden sowie eine begrenzte Schadenswiedergutmachung.

Jugendrichter Joachim Filmer bewertete die Diebstähle als zwei rechtlich selbstständige Handlungen und verurteilte den Angeklagten zu 80 Arbeitsstunden und zur Zahlung von 500 Euro an den Geschädigten. „Was Sie getan haben gefällt mir überhaupt nicht.“ Einen vertrauten Nachbarn zu bestehlen, stehe moralisch auf einer anderen Stufe als ein anonymisierter Diebstahl sagte Filmer. Der Jugendrichter gab dem Angeklagten mit Blick auf dessen anstehende Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker mit auf den Weg: „Machen Sie keinen Fehler. Diese Ausbildungsgang ist für Jugendliche eine Eins mit Sternchen.“

von Matthias Mayer

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