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„Jeden Tag Erfolgserlebnisse im Beruf“

Theaterprogramm in Stadtallendorf „Jeden Tag Erfolgserlebnisse im Beruf“

Zimmermann Richard Betz erzählte Schülern der Georg-Büchner-Schule in einem Theaterstück von seinem Handwerk. Er riet ihnen: „Legt euch Träume zu und seid überhaupt nicht bescheiden.“

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Wohin der Berufsweg die Neunt- und Zehntklässler der Georg-Büchner-Schule führt, wissen viele von ihnen noch nicht. Zimmermann Richard Betz erzählte ihnen vom Handwerk.

Quelle: Freya Altmüller

Stadtallendorf. „Manches an meiner Geschichte ist erstunken und erlogen“, sagt Richard Betz, Zimmermann aus der Nähe von Kassel zu den Schülern. Rund 100 Neunt- und Zehntklässler sitzen im Halbkreis um ihn verteilt, in der Aula der Georg-Büchner-Schule. Als Paul Leonardo Ballmer will er ihnen gleich seine Geschichte erzählen, die von einem roten Ferrari, über ein Jahr im Gefängnis bis nach Kanada führt.

„Mit Herz und Hand“ heißt die Theatervorführung, die der Zimmermann den Schülern als Hilfe bei der Berufsorientierung zeigt. Zum ersten Mal sind damit die „Kaleidoskop Kinder- und Jugendtage in der hessischen Region“ in Stadtallendorf zu Gast, die vom Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst gefördert werden.

Sein Beruf werde häufig mit dem eines Schreiners verwechselt, sagt Betz alias Ballmer. Als Zimmermann stelle er Dachkonstruktionen, aber auch ganze Holzrahmenhäuser her. „Der Beruf ist fast so umfassend wie im Mittelalter“, erklärt der Handwerker. Schon 20 Lehrlinge habe er ausgebildet und jeder von ihnen habe danach mit beiden Beinen im Leben gestanden. Ein „Wunder“ nennt Betz die Transformation. Er erklärt sie sich damit, dass man als Zimmermann jeden Tag Erfolgserlebnisse habe, weil man sehe, was man geschafft habe.

"Fundament für ganzes Leben"

Über die heutige Jugend sage man, sie könne überhaupt nichts mehr selbst machen und würde beim ersten Problem gleich aufgeben. „Kein Durchhaltevermögen und kein Biss“, hieße es. Ihm sei das zu negativ, er wolle sich lieber selbst von den Fähigkeiten der Jugendlichen überzeugen. Deshalb lässt er sie eine Leonardobrücke, die er im Laufe des Stücks aus Hölzern zusammensteckt, nachbauen – mit Erfolg. „Wenn es nach mir ginge, würde jeder erst einmal eine Handwerkslehre machen, als Fundament für sein ganzes Leben“, sagt Betz.

Als Zimmermann Ballmer sei er durch einen Freund der Familie, Johann, zum Handwerk gekommen. Zunächst habe er Wirtschaft studiert, direkt nach der Uni einen lukrativen Job im Investmentbanking bekommen. Er sei einen roten Ferrari gefahren, habe sich dann aber verzockt. Ein Kollege habe ihn entdeckt und auffliegen lassen. Als er ein Jahr im Gefängnis verbrachte und alles verloren hatte, schickte Johann ihm sein Wanderbuch zu.

Betz erklärt den Schülern, dass die jungen Gesellen traditionell „drei Jahre und einen Tag“ durch die Welt ziehen, bevor sie in ihrem Beruf ernst genommen werden. Auch heute machten das noch einige. Menschen, die sie unterwegs treffen und für die sie arbeiten, würden in ihr Wanderbuch schreiben, das so zur persönlichen Erinnerung würde.

"Finde dich heraus und du erfindest dich"

Johann war als Zimmermann nach Kanada gegangen. „Wenn du nichts mehr hast, hast du immer noch deine Hände“, habe er ihn motiviert. Nach seinem Gefängnisaufenthalt sei er nach Kanada geflogen und habe gelernt, wie man mit wenig Werkzeug Holzrahmenhäuser baut.

Nach der Vorführung wollten die Schüler von Betz wissen, ob er wirklich im Gefängnis gewesen sei. „Nein“, gab der zu. Und der rote Ferrari, den er gefahren sei, sei auch nur ein Traktor gewesen. Aber studiert habe er wirklich, Architektur.

„Finde dich heraus und du erfindest dich“, habe der Johann aus dem Stück gesagt. Wie man denn seine Talente in Erfahrung bringe, fragte Betz die Schüler. „Indem man etwas ausprobiert“, antwortete einer aus dem Publikum.

von Freya Altmüller

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