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Teilnehmer hoffen auf Fortsetzung

Auf Deutschland vorbereiten Teilnehmer hoffen auf Fortsetzung

Flüchtlinge und Migranten besuchen seit dem Spätsommer ein Stärken-vor-Ort-Projekt. Sie lernen dort Deutsch, werden individuell beraten und so auf das Leben in Deutschland vorbereitet.

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Deutschlehrerin Karin Wind-Ruhl (vierte von rechts) und Projektleiterin Christa Scheele (fünfte von links) besprechen während des Deutschunterrichts mit den Teilnehmern die richtige Satzstellung.

Quelle: Karin Waldhüter

Stadtallendorf. Die Länder, aus denen die Teilnehmer des Stärken-vor-Ort-Projektes stammen, sind so unterschiedlich, wie das Stimmengewirr, das den Seminarraum in der Tirpitzstraße erfüllt. In den Räumen des Vereins Arbeit und Bildung treffen sich seit dem Spätsommer drei mal wöchentlich junge Flüchtlinge und Migranten, um Deutsch zu lernen und gleichzeitig Unterstützung für ihren beruflichen Weg zu bekommen. Das Mikroprojekt „Arbeitsmarktrechtliche Förderung von Flüchtlingen mit prekärem Aufenthalt“ ist eins von zehn „Stärken-vor-Ort-Projekten, die aktuell in Stadtallendorf stattfinden. Gefördert werden in den einzelnen Projekten junge Menschen mit schlechteren Berufschancen, sowie Frauen, beim Wiedereinstieg in das Erwerbsleben.

Amine Bekouche kommt aus Algerien und lebt seit zwei Jahren in Deutschland. Er ist verheiratet und hat ein Kind. Diplome hat er in Algerien sowohl als Koch, als IT-Spezialist und als Betriebswirt erlangt. Er hofft auf eine Arbeitserlaubnis, die ihm in der nächsten Woche erteilt werden soll. „Dann will ich sofort arbeiten“, sagt Bekouche bestimmt. „Das ist nicht immer einfach“, erklärt die Projektleiterin Christa Scheele. Sie ist Diplom-Sozialarbeiterin und Sozialpädagogin und arbeitet beim Mittelhessischen Bildungsverband Marburg. Sie engagiert sich auch für die Anerkennung von im Ausland erworbenen Abschlüssen der Projektteilnehmer. Denn oft fehlen Unterlagen, sind nicht übersetzt und werden in Deutschland nicht anerkannt. Eine der größten Hürden für die Integration und berufliche Eingliederung der Flüchtlinge sieht Scheele in fehlenden oder ungenügenden Sprachkenntnissen. Deshalb umfasst das kostenfreie Seminar neben einer individuellen Beratung auch einen Sprachkurs.

Ein weiteres Ziel des Projekts ist es die Arbeitsaufnahme der Flüchtlinge zu erleichtern, indem bisher gemachte berufliche Erfahrungen der Teilnehmer erfasst werden. Ein weiterer Baustein dieses Projektes betrifft Schulabgänger, oder junge ausbildungsfähige Flüchtlinge, die zur Zeit in Deutschland nur geduldet sind und keine Aufenthaltsgenehmigung besitzen. Diese sollen, wenn möglich, auch durch das Vermitteln von Praktika einen Ausbildungsplatz finden. Dafür werden gemeinsam Bewerbungsunterlagen erstellt. Zudem bekommen die Teilnehmer einen Überblick über deutsche Berufsbilder.

Kontakte zu geeigneten Firmen werden aufgenommen, um im besten Fall einen Ausbildungsplatz anzubahnen. Für Kursteilnehmer Alechew Adunga aus Äthopien steht aber erst einmal das Erlernen der deutschen Sprache im Vordergrund. „Ich will in diesem Land leben und muss die deutsche Sprache lernen, und wissen wie hier alles funktioniert. Die Kultur, die Kunst, die Politik und die Arbeit“, zählt er auf. Im Dezember endet allerdings das Projekt. „Das ist viel zu kurz“, erklärt Bekouche entschieden. Er wünscht sich, ebenso wie die anderen Teilnehmer eine Fortsetzung im nächsten Jahr. „Stärken vor Ort“ ist ein Programm, das durch das Bundesministerium für Familien, Senioren, Frauen und Jugend sowie den Europäischen Sozialfond der Europäischen Union gefördert wird.
von Karin Waldhüter

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