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Tanzreise durch die Vergangenheit

Trachtentanz Tanzreise durch die Vergangenheit

Tradition trifft auf Moderne, Tracht auf Rock‘n‘Roll. Die Trachten und Volkstanzgruppe Großseelheim begeisterte am Wochenende mit dem Mundarttheater "Fraijer ean Haure" (Früher und heute).

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Rainer Hesse und Inge Schweinsberger als Opa und Oma.

Großseelheim. . Szenen des täglichen Dorflebens seit Beginn der 30er-Jahre bis heute wurden mit Gesang, Mundart und Schauspiel auf die Bühne gebracht. Mit etwa 70 Aktiven vor und hinter der Bühne war die komplette Trachtengruppe im Alter von 6 bis 60 Jahren unter der Regie von Evelyn Leukel und Helga Sprenger in das Geschehen mit eingebunden.

Den Faden der Ereignisse sponnen auf dem Sofa neben der Bühne sitzend Oma und Opa - brillant dargestellt von Inge Schweinsberger und Rainer Hesse. Sie erzählten ihren Enkeln etwas wehmütig aus der Zeit, als sich die jungen Leute bei der Spinnstube kennen gelernt hatten oder die Burschen, gespielt von Burschenschaftsmitgliedern, die Dorfmädchen beim "Weiberstrich" für das Kirmeswochenende ersteigern konnten.

Zum Abschluss noch einkräftiger Schluck Lebertran

Multitalent Jochen Schröder und Beate Richter verkörperten die Großeltern in jungen Jahren und hatten auf der Bühne die Fäden in der Hand. "Fraijer ean Haure" bedeutet übersetzt "früher und heute" - dieser Titel wurde ausgewählt, weil die Gruppe aufzeigen wollte, wie sich das Leben früher im Dorf und in den bäuerlichen Familien dargestellt hatte und welche Entwicklungen es im tänzerischen und kulturellen Bereich gab. "Im August letzten Jahres wurde ein grobes Konzept erstellt, das gemeinschaftlich in vielen Stunden verfeinert wurde," erzählt der 1. Vorsitzende Jürgen Wenz zu Beginn der Vorstellung und fügt an: "Die musikalische Begleitung übernahm die Musikgruppe LTM, die seit 1989 für die TVG tätig ist. Mit Marina Wagner haben wir eine Chorleitung gefunden, die uns gesanglich ein ganzes Stück weitergebracht hat. Die Texte wurden von den Mitgliedern des TV Großseelheim erarbeitet."

Die Reise in die Vergangenheit nimmt ihren Anfang im Kindergarten. Und schnell wird klar: Einiges hat sich verändert. Nach gemeinsamem Spielen und Tanzen verabreichte die Ordensschwester (Yvonne Ludwig) den damals obligatorischen Löffel Lebertran. Ganz gewitzt zeigten sich dann die Erstklässler der Volksschule, die ihre Lehrerin mit frechen Antworten zur Verzweiflung brachten und damit die Zuschauer zu Lachsalven veranlassten. Evelyn Leukel war es, die mit einem gekonnt vorgetragenen Gedicht an die Spinnstubenzeit erinnerte, die dann von der Jugendgruppe tänzerisch umgesetzt wurde.

Zigeunerpolka, Ockstädter Mühle, Goldaper, Ritsch Ratsch und Hetlinger sind Tänze, die aus der Vergangenheit noch gut bekannt sind. Gute alte Schule eben. Große Aufregung hingegen, als die Jugendlichen ihre Trachten ablegten und mit Petticoats nach amerikanischer Musik tanzten.

"Ledige Tante" hat ihren großen Auftritt

Besser hätte man den Wandel von den alten Gepflogenheiten zu den Errungenschaften der Nachkriegszeit, 50er, 60er, und 70er Jahre nicht darstellen können. "Bossa Nova", "Pata Pata", "Honey Honey", oder "Thriller" von Michael Jackson begeisterten und überraschten das Publikum. Dann war wieder Szenenwechsel zu den Hochzeitsvorbereitungen in einer bäuerlichen Familie, bei denen die Mägde, der Petter, die Goll und die Brauteltern ihre Rollen zu spielen hatten.

Bei dem Brautpaar (Steffi Rein und Andreas Wenz) durfte bei der Hochzeit die große Glocke geläutet werden. Beim Hannes und seinem Ibchen erklang zur Hochzeit nur die kleine Glocke, was damals im Dorf aber nicht an die "große Glocke" gehängt werden durfte. Einen ganz großen Auftritt hatte zum Ende des Stückes die "ledige Tante" (Irene Nau), die zunächst als liederliche Magd auf die Bühne kam, sich dann aber in eine stolze Trachtenträgerin verwandelte, als sie mit einem "Reisenden in Bürsten und Kammwaren" (Jörg Diehl) verkuppelt werden sollte. Mit lange anhaltendem Szenen- und Schlussbeifall wurden die Akteure vom Publikum belohnt.

von Bernhard Herrmann

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