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Täter durchsuchten Wohnung ihres Dealers

Gericht Täter durchsuchten Wohnung ihres Dealers

Am Dienstag kamen zwei junge Männer aus Stadtallendorf, 26 und 29 Jahre alt, noch einmal mit einem blauen Auge davon.

Stadtallendorf. Denn weder der Nebenkläger, noch eine wichtige Zeugin waren zur Verhandlung erschienen.

Die beiden ehemals heroinsüchtigen Männer hatten im Mai des vergangenen Jahres in Stadtallendorf einen Mann besucht, von dem sie üblicherweise ihren „Stoff“ kauften. An diesem Tag sei der Besuch aber nicht wie erwartet abgelaufen. „Du kriegst nichts“, hatte der Besuchte zu einem der Männer gesagt. Daraufhin packte ihn der 29-Jährige und hielt ihn fest, während der 26-Jährige Mann die Wohnung seines Dealers durchsuchte. An dem üblichen Platz - einer Schachtel im Flur - sei die Droge nicht zu finden gewesen und so hatte er auch Schlaf- und Wohnzimmer durchwühlt. Als die Lebensgefährtin des Dealers in der Wohnungstür auftauchte, zogen die beiden Männer friedlich ab.

Das Opfer hatte im Anschluss Anzeige erstattet. Seine Lebensgefährtin sollte als Zeugin auftreten. „Gemeinschaftliche räuberische Erpressung“ lautete die Anklage. Da aber weder der Nebenkläger noch seine Lebensgefährtin vor Gericht erschienen, bestehe das öffentliche Interesse an der Verfolgung der Tat in dieser Form nicht mehr, sagte Richter Dominik Best. Somit wurde die Anklage von der „gemeinschaftlichen räuberischen Erpressung“ in „gemeinschaftliche körperliche Nötigung“ umgewandelt.

Die beiden Männer waren zum Tatzeitpunkt beide drogenabhängig gewesen. Beide sind arbeitslos und haben keine abgeschlossene Berufsausbildung. Sie verfolgten die Verhandlung sehr wortkarg und zurückhaltend, der eine kopfschüttelnd und den Tränen nahe, der andere sehr gefasst.

100 Arbeitsstunden

Seit einiger Zeit sind beide drogenfrei und in einem laufenden Methadonprogramm. „Das war ganz klar eine Tat aus dem Drogenmilieu“, sagte Staatsanwalt Christian Laubach und ergänzte: „Doch auch im Drogenmilieu geht das nicht.“

Wegen ihres umfassenden Vorstrafenregisters wurden die beiden Männer zu einer Freiheitsstrafe von neun Monaten verurteilt. Da die letzte Bewährung des 29-Jährigen bereits einige Zeit zurückliegt und er sich damals nicht zu Schulde hatte kommen lassen, wurde auch die neuerliche Strafe auf Bewährung ausgesetzt. Das Gericht brummte dem Mann zusätzlich hundert Stunden gemeinnütziger Arbeit auf.

Der 26-jährige Angeklagte befindet sich in einem laufenden Bewährungsprozess und muss seine Strafe absitzen, sofern er sich nicht auf eine Therapie einlässt.

Von der Verhängung einer Ordnungsstrafe aus dem Grund, dass der Nebenkläger und seine Freundin nicht erschienen waren, sah das Gericht ab.

von Kristina Gerstenmaier

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