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Sturm der Erregung hat sich wohl gelegt

Energiewende Sturm der Erregung hat sich wohl gelegt

Beim Thema Windkraft geht Bürgermeister Michael Richter-Plettenberg auf Nummer sicher. Lieber führt er ein Gespräch zu viel als eins zu wenig.

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Michael Richter-Plettenberg verspricht „volle Transparenz“ beim Thema Windenergie.Foto: Florian Lerchbacher

Amöneburg. Von „Wutbürgern“ wie in anderen Gemeinden, die sich gegen Windräder in ihrer Umgebung wehren, ist laut Bürgermeister Michael Richter-Plettenberg in Amöneburg nichts zu sehen oder zu hören. Möglichst viele Bürger mitzunehmen, steht viel eher ganz oben auf der Liste seiner Vorhaben – je breiter die Beteiligung an dem Projekt, desto höher sei die Akzeptanz. Die Gründe sind simpel: Zum einen soll die Stadt einen Beitrag zur Energiewende leisten, zum anderen sollen die Kassen klingeln.

Seit mehreren Jahren beschäftigt sich der Bürgermeister mit dem Thema: Sein Plan lautet weiterhin, neun Windräder im Wald bei Roßdorf und sieben bei Mardorf zu bauen, beziehungsweise bauen zu lassen. Für 14 der 16 Flächen, die den Waldinteressenten gehören, hatte einst der Sturm Kyrill gesorgt – praktisch, dass sie mindestens 1200 Meter von der nächsten Bebauung entfernt liegen. Richter-Plettenberg spricht von „Luxusabständen“, hebt hervor, dass auch die Wege zu den potenziellen Standorten eigentlich schon vorhanden seien und sich auch die Anwohner der Waldstraße keine Sorgen um den Zustand ihrer neuen Straße machen müssten, wenn die Windräder geliefert würden.

Zwist mit Nachbar geklärt?

Und auch im Zwist mit der Nachbargemeinde Ebsdorfergrund scheinen sich die Wogen etwas geglättet zu haben. Im Gespräch mit dieser Zeitung bekräftigt Richter-Plettenberg noch einmal das Angebot, dass sich die Nachbargemeinde gerne an dem 80 Millionen Euro teuren Projekt beteiligen können. Das Gleiche gelte für Homberg und die fünf Ostkreis-Kommunen, die auch allesamt Interesse bekundet hätten. Für Montag ist ein Gespräch mit den Bürgermeistern Andreas Schulz (Ebsdorfergrund), Béla Dören (Homberg) sowie dem Investor geplant. Schulz, der die Größe des Windparks in der Nachbarschaft kritisiert hatte, geht davon aus, dass sie eine für alle Kommunen positive Lösung finden. Das bedeute auch, dass die Standorte so aufeinander abgestimmt würden, dass kein umliegender Ortsteil einen direkten Nachteil hat. Ganz im Gegenteil: Die drei Kommunen sollten finanziell bestmöglich davon profitieren. „Ich bin gesprächsbereit. Wir können über alles reden“, erklärt Schulz. Auch sein Amöneburger Amtskollege strebt ein „gutes nachbarschaftliches Miteinander“ an.

Natürlich kann und will die Stadt Amöneburg ein so teures Vorhaben wie den Windpark nicht alleine stemmen. Also wird es ein privates Projekt, an dem sie (und auf Wunsch auch andere Gemeinden) beteiligt ist. Die Firma Juwi hat das Vertrauen der Stadt gewonnen, die wiederum „maximales Mitspracherecht“ haben und maximalen Gewinn erzielen möchte.

Wahrscheinlich sei, dass Juwi eine Windpark GmbH gründen werde, an der das Unternehmen mit seinen Partnern 50 Prozent hält, erklärt Richter-Plettenberg. Der Rest seien Optionen, die Amöneburg selbst halten oder an Dritte weitergeben könne. „Jetzt suchen wir externe Partner und führen in der Stadt Grundsatzdiskussionen mit den Fraktionen, wie sich die Kommune beteiligt.“

Genossenschaft ist ein Ziel

Um eine Partizipation der Bürger zu ermöglichen, strebt der Bürgermeister die Gründung einer Energiegenossenschaft an, an der Privatpersonen – aber auch zum Beispiel Banken und Unternehmen – Anteile erwerben könnten. Für die Stadt halte er es nicht für die beste Lösung, „nur“ Genosse zu werden: Eine direkte Unternehmensbeteiligung sei sinnvoller. Die Finanzierung könne die Stadt wohl nur über Kredite bewerkstelligen – dies sei jedoch eigentlich ohne Risiko: „Selbst in Zeiten, wo Kommunen nicht liquide sind, macht das Projekt wirtschaftlichen Sinn.“ Zukünftige Einnahmen seien sicher.

Inzwischen kommt Bewegung ins Thema Windenergie: Nachdem das Verwaltungsgericht in Kassel den Regionalplan gekippt hat, sind Zielabweichungsverfahren nicht mehr notwendig: „Daher ist der Bauantrag in Vorbereitung“, berichtet der Bürgermeister. Denkbar sei, dass bis Ende des Jahres Baurecht bestehe. Dann wolle der Investor seine Finanzierungspläne konkretisieren, in der zweiten Jahreshälfte 2013 könnte es zum Bau der ersten Anlagen kommen – zumindest in Roßdorf. In Mardorf seien die Vorbereitungen noch nicht so weit.

Planungshoheit angestrebt

Im Bauausschuss hatte der Bürgermeister auf Aufforderung der CDU einen Zwischenbericht zum Thema Windenergie gegeben. Am Montag (19.30 Uhr, Mehrzweckhalle Roßdorf) stimmen die Stadtverordneten über die Aufstellung eines „sachlichen Teilflächennutzungsplanes Windenergienutzung“ ab. Die Mitglieder des Bauausschusses waren einstimmig dafür. Schließen sich die Stadtverordneten dieser Meinung an, dann haben sie die Planungshoheit und können Baugesuche für Windräder von Privatpersonen zurückstellen. „Wenn unser Windpark kommt, dann hätten wir das Doppelte – ach, das Dreifache – unseres Beitrages zur Energiewende geleistet“, sagt Richter-Plettenberg und fügt hinzu: „Dann will ich sonst keine Windräder mehr hier sehen.“

Für den 23. August (20 Uhr, Mehrzweckhalle Roßdorf) plant die Stadt eine Bürgerinformationsveranstaltung. Diese hat sie auf einen so späten Zeitpunkt terminiert, weil dann die Gutachten zu den geplanten Standorten vorliegen und eventuelle Restriktionen bekannt sind.

Wer zuvor weitere Details erfahren will, kann sich aber auch an den Bürgermeister wenden, betont dieser und bekräftigt, dass er das Thema nicht nur angestoßen sondern auch zur Chefsache gemacht habe und „volle Transparenz“ anstrebe.

Michael Richter-Plettenberg ist erreichbar per E-Mail an M.Richter-Plettenberg@amoeneburg.de oder telefonisch unter 06422/929521.

von Florian Lerchbacher

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