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Ostkreis Studie sieht Landwirte in der Pflicht
Landkreis Ostkreis Studie sieht Landwirte in der Pflicht
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17:09 17.04.2013
Sabrina Keuser und Prof. Hans-Georg Frede zeigen anhand von Berechnungen auf, dass ein flächendeckender Maisanbau katastrophale Auswirkungen auf den Erosionsschutz hätte.Foto: Lerchbacher
Neustadt

„Wenn sie Geld in Regenrückhaltebecken investieren, kurieren sie am Symptom. Hier lösen sie das Problem“, lautete das Fazit von Prof. Hans-Georg Frede vom Institut für Landschaftsökologie und Ressourcenmanagement der Uni Gießen, nachdem er, Sabrina Keuser und Dr. Philipp Kraft eine Studie zum Erosionsschutz in der Gemarkung Neustadt vorgestellt hatten.

Gegen den Bau von Regenrückhaltebecken hatte sich die Stadt Neustadt im Nachgang der Unwetter vor rund zwei Jahren aufgrund der hohen Kosten ohnehin schon entschieden. Die im Laufe des vergangenen Jahres erstellte Studie zeigte nun, dass die örtlichen Landwirte die im Tal liegende Innenstadt vor weiteren Überschwemmungen schützen können - allerdings nicht zu 100 Prozent.

Um mehr als 50 Prozent könnten sie das Risiko senken, wenn sie auf Mulchsaat setzen - ein pflugloses Saatverfahren, bei dem zum Beispiel Reste einer Zwischenfrucht die Bodenoberfläche bedecken. „Der Regen wird dadurch gebremst“, betonte Frede und erklärte, dies schone den Boden, der dann wiederum mehr Wasser aufnehmen könne. Einer der Landwirte, die der Präsentation der Studie beiwohnten, erklärte auf Nachfrage dieser Zeitung, er könne sich vorstellen, das Verfahren einzusetzen.

Schweigen herrschte hingegen, als das Thema „Flurneuordnung“ auf den Tisch kam, also die Umstrukturierung der landwirtschaftlichen Flächen. Die Mitarbeiter des Gießener Instituts hatten herausgearbeitet, dass eine Gestaltung der Schläge und der Wege parallel zum Hang sowie „Strukturelemente“ wie Gräben oder Hecken zusätzlichen Schutz bieten würden. Vorteil für die Stadt ist, dass aufgrund der Pläne für den Bau der Autobahn in den kommenden Jahren ohnehin ein „Flurbereinigungsverfahren“ ansteht, auf die Landwirte also in Zukunft ohnehin ein gewisses Maß an politischem Druck zukommt. „Wenn die Schläge größer sind, werden die Einheiten wirtschaftlicher“, warb Bürgermeister Thomas Groll bei den Landwirten für die Zukunft um Kooperationsbereitschaft. Frede appellierte derweil an den Wasser- und Bodenverband, die Landwirte von der Bedeutung der Studie seines Institutes zu überzeugen und mit ihnen durchzuspielen, wie die Umstrukturierung der Flächen optimal wäre.

„Das Wegenetz ist die Schlüsselgröße“, stellte der Professor heraus. „So, wie die Wege jetzt angelegt sind, nämlich immer die Hänge hinunter, bringt nicht einmal hangparalleles Pflügen etwas“, ergänzte Kraft. Eigentlich wollte er mit den Zuhörern mögliche Neustrukturierungen durchspielen - dem machte allerdings die Technik einen Strich durch die Rechnung.

„Wenn sie dann auch noch auf Maisanbau verzichten, sähe alles noch besser aus“, lautete der letzte Vorschlag, den Keuser an die Landwirte richtete. Einen 100-prozentigen Schutz können aber selbst alle drei Veränderungvorschläge zusammen nicht bieten, wenn ein Jahrhundert-Regenereignis wie vor zwei Jahren herunterkommt, fasste Frede zusammen. „Wir brauchen Veränderungsbereitschaft“, warf Groll ein und warb dafür, ein Förderprogramm der Stadt zu nutzen: Diese stellt den Landwirten Geld zur Verfügung, wenn diese Veränderungen vornehmen, die zum Schutz vor Hochwasser in der Innenstadt beitragen - im vergangenen Jahr machte allerdings nur ein Landwirt von dieser Möglichkeit Gebrauch.

von Florian Lerchbacher

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