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Städte müssen „mit Pfunden wuchern“

Demografie Städte müssen „mit Pfunden wuchern“

Das meistgesagte Wort am Samstagabend, beim Besuch von SPD-Urgestein Franz Müntefering in Rauschenberg, lautete „Anpacken“. SPD-Bürgermeisterkandidat Markus Heeb hat sich das Wort zur Maxime gemacht.

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SPD-Bürgermeisterkandidat Markus Heeb und der frühere Vizekanzler und SPD-Vorsitzende Franz Müntefering traten am Samstagabend gemeinsam auf. Foto: Tobias Hirsch

Rauschenberg. Der Umgang mit dem Bevölkerungsschwund und seinen Folgen ist ein Thema, das dem früheren SPD-Bundesvorsitzenden Franz Müntefering ein Anliegen ist. Er sieht Gefahren und Risiken, aber eben auch Chancen. Darüber sprach Müntefering bei einer öffentlichen Mitgliederversammlung des Rauschenberger SPD-Ortsvereins.

Was Müntefering in allgemeinerer Form und mit sehr viel Leidenschaft und Direktheit zusammenfasste, ergänzte und vertiefte Markus Heeb, der SPD-Bürgermeisterkandidat. Müntefering forderte von ländlichen Städten und Gemeinden, dass sie gute Schulstandorte schaffen, die soziale Nähe nutzen, die es in ländlichen Regionen gebe, und wirtschaftlich alles daran setzen, Facharbeiter in den Betrieben vor Ort auszubilden und zu halten. Und Müntefering fordert deutlich, dass Städte über das, was sie zu bieten haben, auch immer wieder reden und werben. Das ist ein Thema für Markus Heeb. Er sieht Bedarf für ein Stadtmarketingkonzept, damit Rauschenberg wieder positiv auf sich aufmerksam macht, mit seinen „Pfunden wuchert“.

Bevölkerungsschwund ist ein Thema, das Rauschenberg bereits zu spüren bekommt. Heeb nannte am Samstag aktuelle Zahlen: So verlor die Stadt in nur zwölf Jahren 435 Einwohner, was der Größe eines kleineren Stadtteils entspricht. Allein in der Marktstraße stehen auf einer Länge von 100 Metern fünf Gebäude leer.

Ein Mann, ein Wochenende, ein Landkreis - Franz Müntefering, einer der großen SPD-Genossen, besuchte Marburg-Biedenkopf und sprach auf dem Parteitag in Marburg, in Rauschenberg und in Breidenbach. OP-Redakteur Tobias Hirsch folgte "Münte" auf seiner Landkreis-Tour.

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Heeb wirbt mit seiner Erfahrung als Verwaltungsexperte für das Bauwesen wie auch für Finanzen. Er will beispielsweise mit einem „Leuchtturm­projekt“ in der Kernstadt das Problem Leerstand angehen und zeigen, wie es lösbar ist. Im Falle seiner Wahl will er im Verbund mit Banken, Eigentümern und Behörden zeigen, wie sich ein leeres Gebäude wieder nutzbar machen lässt.

Postkartenaktion kommt bei Bürgern gut an

Müntefering wie auch Heeb wissen, dass das Thema Demografie viele Facetten hat. Eine davon heißt Infrastruktur. Das haben auch die Rauschenberger Bürger erkannt. In seinem Wahlkampf hat Markus Heeb eine Postkartenaktion gestartet, in der er die Bürger danach fragt, welche Themen ihnen am wichtigsten sind. Die Aktion kommt an. 160 Postkarten liegen Heeb bereits wieder vor - bei den Teilnehmern steht das Thema „Erhalt der Infrastruktur“ an erster Stelle. Heeb will Vorhandenes erhalten und möglicherweise noch besser miteinander vernetzen. Vereine und Institutionen, die das Gemeinschaftsgefühl prägen, will Heeb unterstützen, wo es geht.

Doch zum Erhalt der Infrastruktur braucht es Geld, und das fehlt auch im verschuldeten Rauschenberg. Heeb sieht Chancen für Einnahmen aus der Windenergie, wenn es gelingt, beispielsweise über Genossenschaftsmodelle die Wertschöp­fung in der Region zu halten.

Franz Müntefering fordert eine „harte Diskussion“ zwischen Bund, Ländern und Kommunen über die Finanzausstattung von Städten, Gemeinden wie Landkreisen. „Pleitekommunen sind ein systemisches Problem“, warnt er. „Kommunalpolitik ist so wichtig wie alle anderen Bereiche“, unterstreicht der frühere SPD-Bundesvorsitzende und ehemalige Vizekanzler. Immer wieder verlangt er, dass Städte und Gemeinden ihre Vorzüge erhalten und für sie werben: im Vergleich mit großen Städten niedrige Wohnkosten wie auch soziale Nähe zum Beispiel.

Kinder einbinden,Gewerbebetriebe stärken

Für Markus Heeb geht es am Samstagabend in seinen Rede­beiträgen immer wieder um das „Anpacken“ von Problemen. Dementsprechend sieht auch sein „Wahlgeschenk“, ein paar Arbeitshandschuhe an alle rund 70 Teilnehmer an diesem Abend, aus.

Mittlerweile hat der Kandidat 95 Prozent aller Rauschenberger Haushalte besucht. „Ich bin beeindruckt davon, wie sich die Menschen gefreut haben, dass man sie ernstnimmt“, sagt er im Gespräch mit dieser Zeitung.

Der Erhalt und die Ansiedlung von Gewerbebetrieben spielt für Heeb eine große Rolle bei einer Wahl. Heeb sieht auch Chancen in einem Gewerbegebiet bei Bracht. „Perspektiven liegen oft im Baurecht“, sagt Heeb im OP-Gespräch. Da kennt sich der frühere stellvertretende Kirchhainer Bauamtsleiter naturgemäß auch sehr gut aus.

Ein zentrales Zukunftsthema sind Kinder und Jugendliche. Münterfering forderte in seiner Rede Initiativen, um sie an ihre Geburtsorte zu binden. Bei der Kinderbetreuung sieht der SPD-Kandidat Heeb Rauschenberg schon gut aufgestellt.

Aber er will die Kinder direkt einbinden, wenn er ins Bürgermeisteramt käme. Er denkt an ein Projekt, bei dem Kinder und Jugendliche ihr Rauschenberg kritisch betrachten und Verbesserungswünsche formulieren.

von Michael Rinde

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