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Stadtwerke sind in Wohratal klarer Favorit

Wohratal Stadtwerke sind in Wohratal klarer Favorit

In Wohratal ist eine Vorentscheidung über die Vergabe der Stromkonzession gefallen: Der Haupt- und Finanzausschuss kürte mehrheitlich die Stadtwerke Marburg zum Favoriten.

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In Wohratal könnten die Stadtwerke Marburg E.on Mitte als Energieversorger ablösen.

Quelle: Michael Rinde

Wohratal. Am Ende eines langen Prozesses mit etlichen Beratungen standen am Dienstagabend zwei Prozentzahlen hinter den Namen der beiden Berwerber E.on Mitte und Stadtwerke: Demnach bekamen die Stadtwerke Marburg 95, E.on Mitte schaffte 73 Prozent.

Mit Unterstützung des beauftragten Sachverständigen, dem Diplom-Ingenieur Klaus Weber, hatten die Ausschuss-Mitglieder am Dienstagabend Entscheidungskriterien aufgestellt: Wirtschaftlichkeit, Bürgernutzen, Umweltverträglichkeit und Einflussmöglichkeiten der Gemeinde auf Entscheidungen des Stromversorgers.

Sachverständiger Weber hatte es den Ausschuss-Mitgliedern überlassen, weitere aus ihrer Sicht wichtige Kriterien in die Liste aufzunehmen und letztlich auch ihre Gewichtung vorzunehmen. „Denn es ist am Ende ihre Entscheidung“, betonte Weber.

Doch bereits bei der Einführung von zusätzlichen Kriterien gab es Diskussionen. Zunächst schlug Klaus Weber vor, auch die Frage der Endschaft zu berücksichtigen. Bei der Endschaft geht es um die Möglichkeiten, die der Versorger einer Gemeinde nach Vertragsende anbietet. Das stieß auf Zustimmung.

Als Dr. Gerhard Willmund, CDU-Fraktionsvorsitzender, anregte, auch die Faktoren Netzstabilität und Krisensicherheit aufzulisten, regte sich erster Widerstand im Ausschuss. Als es dann um die Gewichtung der verschiedenen Faktoren ging, gab es während der Diskussion Umgruppierungen und Zusammenfassungen. Am Ende waren es nur noch vier Punkte, nach denen die Ausschuss-Mitglieder jeden der beiden Kandidaten für die Wohrataler Stromkonzession zu bewerten hatten. Größtes Gewicht bekam die Wirtschaftlichkeit zugesprochen, wobei sich in diesem Punkt weder Stadtwerke noch E.on unterschieden. Beide zahlen denselben Betrag.

In jenem Kriterienkatalog punkteten die Stadtwerke vor allem bei Benutzerfreundlichkeit und Umweltverträglichkeit und bei den Einflussmöglichkeiten, die sich der Gemeinde auf Entscheidungen des Stromversorgers bieten könnten.

So entstanden am Ende jene Zahlenwerte hinter den Namen der beiden Bewerber, die am Ende des Auswahlprozesses übriggeblieben waren. Klaus Dieter Engel, SPD-Fraktionsvorsitzender, billigte dem bisherigen Versorger E.on zwar zu, seinen Vertrag im Laufe der Zeit mehrfach nachgebessert zu haben. „Aber die Stadtwerke liegen klar vorne.“ Harald Homberger (Bündnis 90 / Die Grünen) machte deutlich, dass für ihn die Stadtwerke Marburg unabhängig von allen Entscheidungskriterien Favorit waren. Sie seien „gemeinwohlorientiert“ und setzten auf eine dezentrale Energieversorgung.

Der Ausschuss empfiehlt der Gemeindevertretung jetzt, die Stromkonzession an die Stadtwerke zu geben. Dabei soll sich Wohratal die Möglichkeit offenhalten, auch finanziell in die Netzgesellschaft der Stadtwerke einzusteigen. Ansonsten bliebe es bei einem reinen Konzessionsvertrag, so, wie er mit E.on bisher auch galt.

Die Entscheidung im Ausschuss fiel nicht einstimmig. Fünf Gemeindevertreter sagten ja, die beiden der CDU lehnten den Antrag ohne Angaben von Gründen ab. Dr. Gerhard Wilmund äußerte sich gestern auf Nachfrage dieser Zeitung. Er wolle das Thema zunächst noch einmal in der Fraktion diskutieren. „Aber mich hat vor allem das Vorgehen während der Ausschuss-Sitzung gestört. Wenn man sich klare Kriterien gibt, ändert man sie nicht während der Entscheidung“, sagte Wilmund. Außerdem hätten ihn „die emotional gefärbten Argumente“ gestört, die in der Debatte gefallen seien. Damit meine er vor allem Hombergers Äußerungen.
Eine endgültige Entscheidung über den künftigen Energielieferanten fällt die Gemeindevertreter-Sitzung am 21. Dezember.

von Michael Rinde

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