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Stadtallendorfer wieder bei seiner Familie

Nach Haft in Türkei Stadtallendorfer wieder bei seiner Familie

Dreieinhalb Monate saß ein 45 Jahre alter Stadtallendorfer in der Türkei in Untersuchungshaft. 
Am Ende hob ein Gericht den Haftbefehl auf. Eine 
 Formalie verzögerte am Schluss die Heimkehr.

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Mitte Dezember warteten Medienvertreter auf die Freilassung der ebenfalls inhaftierten Journalistin Mesale Tolu.

Quelle: Archivfoto

Stadtallendorf. Es war eine der besseren Nachrichten kurz vor dem Jahreswechsel, die die OP verbreiten konnte. Nach dreieinhalb Monaten Untersuchungshaft hob ein Gericht im türkischen Sivas den Haftbefehl gegen den 45-jährigen deutschen Staatsbürger auf. Der Stadtallendorfer durfte ausreisen. Bis zu seiner Ausreise vergingen dann noch einige Tage, wie die OP erfuhr.

Laut Handan Özgüven (SPD), Landtagsabgeordnete aus Stadtallendorf, hat es einige Tage gedauert, bis die Ausreiseerlaubnis des Gerichts alle Stellen einschließlich der Zollbehörden am Flughafen erreicht hatte. Özgüven hatte den 45-Jährigen während seiner Haft politisch und juristisch in Deutschland unterstützt.

Unternehmen kümmerte sich um ihn und die Familie

In der Türkei war der Mann durch einen eigenen Anwalt vertreten, mit dem sich Özgüven austauschte. „Er ist wieder bei seiner Familie und er ist sehr erleichtert darüber, dass er diese Zeit hinter sich hat“, berichtet Handan Özgüven. Zu den Hintergründen seiner Inhaftierung wird er sich gegebenenfalls noch selbst äußern.

Der Mann habe erst einmal ein wenig Abstand zu den Ereignissen gebraucht, sagt die Stadtallendorferin gegenüber der OP. Inzwischen arbeitet der Mann auch wieder. Er ist bei einem Stadtallendorfer Unternehmen beschäftigt. Drei Monate lang hatte es auf ihn verzichtet. „Das Unternehmen hat sich in dieser Zeit sehr fürsorglich um ihn und seine Familie gekümmert“, bescheinigt Özgüven dem Arbeitgeber des 45-Jährigen.

Rein formal läuft das Verfahren vor dem türkischen Gericht gegen den 45-Jährigen nach wie vor weiter. Es wird auch noch eine Hauptverhandlung zu einem späteren Zeitpunkt geben, wie Özgüven berichtet. Vor ihrer Zeit als Landtagsabgeordnete hatte sie in Stadtallendorf in der gemeinsamen Kanzlei mit ihrem Mann als Rechtsanwältin gearbeitet. Doch klar ist, dass der 45-Jährige nicht mehr selbst vor Gericht erscheinen muss. „Er ist bereits davon befreit worden“, sagt die Rechtsanwältin. Sie selbst und ihr Ehemann kennen den 45-Jährigen bereits seit vielen Jahren.

Unsicherheit
 prägt Zeit der Haft

Erst vor wenigen Tagen hat sie das erste längere Gespräch mit ihm nach seiner Rückkehr führen können. Was ihn sehr geprägt habe in der Zeit der Haft sei die Unsicherheit über die eigene Zukunft gewesen, so berichtet Özgüven. „Obwohl er ja wusste, dass er unschuldig war und sicher sein konnte, dass an den Vorwürfen gegen ihn nichts dran ist“, beschreibt sie den Konflikt des 45-Jährigen.

Die Festnahme des Stadtallendorfers erfolgte auf dem Flughafen in Istanbul, als er im vergangenen September gemeinsam mit seiner Frau in die Türkei einreisen wollte. Seine Frau wurde seinerzeit allerdings nicht festgenommen. Sie durfte das Land später wieder verlassen. Das Auswärtige Amt hatte die Festnahme des Mannes unmittelbar darauf als politisch motiviert eingestuft.

Der 45-Jährige zählte zu einer Reihe von Fällen, in denen Deutsche in der Türkei inhaftiert worden waren. Er kam im Zuge erster Anzeichen einer leichten Entspannung des deutsch-türkischen Verhältnisses frei. Seine Festnahme und Inhaftierung war Teil einer der Verhaftungswellen im Nachgang zum gescheiterten Militärputsch in dem Land am Bosporus.

Der prominenteste und nach wie vor aktuelle Fall ist der des Journalisten Deniz Yücel, der mittlerweile seit mehr als 300 Tagen in türkischer Haft einsitzt und in Deutschland breite Unterstützung erhält. ­Yücel arbeitet für die Tageszeitung „Die Welt“.

von Michael Rinde

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