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Stadtallendorfer chauffierte Dealer nach Amsterdam

Amtsgericht Stadtallendorfer chauffierte Dealer nach Amsterdam

Er steuerte den Wagen, seine Mitfahrer kauften Drogen. Insbesondere die Touren nach Holland wurden einem jungen Stadtallendorfer letztendlich zum Verhängnis.

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Neunmal chauffierte ein Stadtallendorfer Drogendealer zum Marihuna-Kauf nach Frankfurt, weitere zweimal nach Holland.

Quelle: Nadine Weigel

Stadtallendorf. „Es ist wenig professionell, mit mehreren jungen Männern in einem kleinen Auto mit Marburger Kennzeichen über die Grenze zu fahren“, versuchte der Anwalt eines 19 Jahre alten Stadtallendorfers, die kriminelle Energie seines Mandanten herunterzuspielen. Dieser hatte zugegeben, in insgesamt elf Fällen für drei Drogendealer den Fahrer auf ihren Beschaffungstouren gegeben zu haben. „Schulisch und zuhause lief es nicht so gut. Außerdem hatte ich kein Geld, weil ich mich auch nicht um einen Job bemühte. Da war das schnelle, schlechte Geld äußerst attraktiv“, erklärte der Fachoberschüler seine Motivation. Während die Dealer auf ihren Touren bis zu 200 Gramm Marihuana einkauften und später mit Gewinn weitergaben, kassierte der Stadtallendorfer 30 Euro für Fahrten nach Frankfurt und 100 Euro für Fahrten nach Holland - allerdings nur in manchen Fällen, oftmals hätten ihn die Autoinsassen auch vertröstet, erklärte der junge Mann vor Gericht.

Sein Anwalt versuchte Richter Cai-Adrian Boesken und die beiden Schöffen davon zu überzeugen, dass die „besondere Schwere der Schuld“ fehle, und sein Mandant sich in einer „Trotzphase“ befunden habe und nicht einmal ein erster Polizeikontakt seine „Scheißegal-Haltung“ habe ändern können. Der stellvertretende Amtsgerichtsdirektor hielt die Hoffnung des Anwaltes jedoch gering und verwies darauf, dass die Anschuldigungen „kein Pappenstiel“ seien und dem Stadtallendorfer klar gewesen sei, dass das Ziel einer Tour nach Amsterdam nicht der Kauf von Tulpen war: „Durch eine Trotzphase kann man sich Steine in den Lebenslauf legen, an denen man eine lange Zeit zu rollen hat.“

Zwei Jahre Haft wären möglich gewesen

Zweimal hatten die Fahrten über die Grenze nach Holland geführt. In diesen Fällen machte sich der 19-Jährige nicht nur der Beihilfe zum Drogenhandel sondern der unerlaubten Einfuhr von Betäubungsmitteln schuldig. „Wer das Auto fährt, führt ein“, betonte der Staatsanwalt und ergänzte, die Einfuhr sei eine besonders schwere Straftat, weil das „Schutzgut Volksgesundheit“ bedroht sei.

Zwar war der Angeklagte voll geständig, wirkte bei der Aufklärung mit und wies in seinem Strafregister bisher erst einen Eintrag wegen Hausfriedensbruchs auf, doch von der „Schwere der Schuld“ ließ sich Boesken nicht abbringen: „Sie haben Verbrechenstatbestände verwirklicht, die für Erwachsene ein Mindestmaß von zwei Jahren Freiheitsentzug vorsehen“, betonte er und ergänzte, der junge Mann sei zudem Wiederholungstäter. Was jedoch viel schlimmer auf ihn wirkte: „Sie waren vorgewarnt“, ärgerte sich der Richter: Wenige Tage vor seiner Festnahme bei einer Tour nach Frankfurt hatte ihn die Polizei auf einer Tour nach Holland geschnappt - ein Verfahren, das das Gericht in Hinblick auf die gestrige Verhandlung jedoch eingestellt hatte.

Letztendlich verurteilte das Marburger Amtsgericht den Stadtallendorfer nach Jugendstrafrecht zu sechs Monaten auf Bewährung, wobei die Bewährungszeit drei Jahre dauert. Zudem muss der 19-Jährige 30 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten und auf Anregung der Jugendkonflikthilfe ein Freizeit-Frust-Seminar besuchen.

„Zwischen sechs Monaten und zehn Jahren kamen in Frage“, betonte Boesken, erinnerte an das Geständnis und eine gute Sozialprognose des Angeklagten, fügte jedoch hinzu: „Wir bewegen uns an der untersten Grenze - und zwar so, dass es uns ein bisschen Bauchschmerzen bereitet. Wir verbinden unser Urteil mit der Hoffnung, dass wir Sie hier nie wiedersehen.“

von Florian Lerchbacher

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