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Ostkreis Stadtallendorf ist sicherer als Marburg
Landkreis Ostkreis Stadtallendorf ist sicherer als Marburg
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11:36 21.03.2018
Ein Streifenfahrzeug verlässt die Stadtallendorfer Polizeistation. In der Befragung zeigte sich die breite Mehrheit zufrieden mit der Präsenz der Beamten in der Stadt. Archivfoto: Michael Rinde Quelle: Michael Rinde
Stadtallendorf

Am Dienstagabend standen Heinz Frank als Leiter der Polizeistation Stadtallendorf und Thomas Brunet von der Führung der Kriminalpolizei in der Polizeidirektion Marburg Stadtallendorfer Kommunalpolitikern Rede und Antwort. Sie erläuterten die jüngste Untersuchung zum Sicherheitsgefühl unter Stadtallendorfer Bürgern - sie beruht auf einer repräsentativen Befragung (die OP berichtete am Montag ausführlich).

Neben den Ergebnissen der Studie spielten Anträge der CDU und dazu vorliegende Änderungsanträge zur Sicherheitssituation in Stadtallendorf eine Rolle in der Ausschusssitzung.

Frank wiederholte die zentralen Ergebnisse der wissenschaftlichen Untersuchung eines Studenten an der Hochschule für Polizei und Verwaltung. Der Autor ist selbst Polizeibeamter, seine Untersuchung wurde von Professor Hans Schneider betreut. 76,4 Prozent der insgesamt 398 Befragten fühlen sich sicher in Stadtallendorf. Wobei die Untersuchung nicht zwischen Kernstadt und Stadtteilen differenzierte und auch die Frage der „Angsträume“ nicht untersucht hatte. „Angsträume“ meint die Frage nach Bereichen, in denen sich Menschen unsicher fühlen. Manfred Thierau (Bürgerunion Stadtallendorf) äußerte Zweifel, er bekomme andere Rückmeldungen aus der Bevölkerung. Winand Koch (FDP) interessierten Fakten zur Kriminalitätssituation in Stadtallendorf.

Die Kriminalitätsstatistiken aus den vergangenen Jahren liefern klare Antworten. Die sogenannte Häufigkeitszahl, ein statistisch errechneter Wert, der Kommunen vergleichbar machen soll, gibt Auskunft. Dabei wird die Zahl der Straftaten auf eine Einwohnerzahl von 100000 hoch- oder heruntergerechnet. In Hessen lag die Häufigkeitszahl im vergangenen Jahr bei 6672, in Marburg bei 7009 und in Stadtallendorf bei 4853. Der Kreisdurchschnitt lag bei 4332.

Frank machte klar, dass sich die Polizei weder auf diesen Zahlen noch auf den guten Werten beim Sicherheitsgefühl ausruhen werde. Er sprach von verstärkten Kontrollen. Und er griff die Diskussion über eine Videoüberwachung am Bahnhof auf. Ihm lagen dazu auch Zahlen der Bundespolizei vor. Seiner Auffassung nach ist eine permanente Videoüberwachung dort nicht genehmigungsfähig - weil die Zahl relevanter Straftaten glücklicherweise weit unter den Zahlen entfernt liegt, die dies rechtfertigen. In den Fraktionsanträgen spielte der Punkt Überwachung ebenfalls eine Rolle. „Wenn wir eine Videoüberwachung bräuchten, hätten die Menschen zu Recht Angst“, so Franks eindeutige Haltung.

Stadt kann Flutlicht und Zaun finanzieren

Aus Sicht der Kriminalpolizei ist Stadtallendorf „nicht aufregender als andere Städte“, wie es Brunet formulierte. Ereignisse wie die Brandserie, die die Stadt in Atem hielt, waren die Ausnahmen in der jüngsten Vergangenheit. Seit der Inhaftierung eines Tatverdächtigen ist es zu keinen weiteren Bränden gekommen. Die CDU will darüber beraten, ob sie ihren Vorstoß in Sachen Sicherheit angesichts der Informationen aus erster Hand aufrechterhält. SPD und Grüne hatten angeregt, darauf zu verzichten.

Außerdem befasste sich der Ausschuss, auch zuständig für Sportstätten, mit drei Anträgen der Verwaltung, wobei einer erst am Abend der Sitzung vorlag. Wie die OP mehrfach berichtete, muss die Stadt nach dem Aufstieg des TSV Eintracht Stadtallendorf in die Regionalliga einige Vorgaben für das Stadion erfüllen. Für den Bau einer Zaunanlage im Gästebereich werden rund 30000 Euro veranschlagt, für nötige Asphaltierungen im Gästebereich rund 20000 Euro.

Bei der Flutlichtanlage galt es, eine Klippe zu überwinden. Die aktuellen Lampen bringen nicht die von der Regionalliga Südwest GbR geforderte Leistung von 400 Lux. Die aktuelle Anlage hat eine Leistung von 100 Lux. Komplett neue Lampen kosteten zwischen 234000 und 443000 Euro. Laut Verwaltung ist ein Kompromiss nötig. Durch den Austausch der Leuchtmittel lässt sich eine Leistung von 200 Lux erreichen, Kostenpunkt 55000 Euro. Dafür gebe es auch eine Sondergenehmigung, wenn die Stadt bei Bedarf zusätzliche mobile Masten mietet, etwa bei Fernsehübertragungen. Geld für diese Arbeiten ist aufgrund einer glücklichen Fügung vorhanden. Die ohnehin geplanten Kanalarbeiten im Herrenwaldstadion werden nach neuerlichen Untersuchungen günstiger. Statt der im Haushaltsplan veranschlagten 265000 Euro kosten sie wohl nur 70000 Euro. Aus der Differenz lassen sich die rund 105000 Euro für die Erfüllung der Auflagen gegenfinanzieren.

von Michael Rinde