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Ostkreis Stadtallendorf hofft auf neue Fachärzte
Landkreis Ostkreis Stadtallendorf hofft auf neue Fachärzte
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06:15 18.05.2012
Dieses Mehrfamilienhaus in der Niederkleiner Straße weicht für den geplanten Neubau mit Praxen und einer Einkaufspassage. Quelle: Michael Rinde
Stadtallendorf

Die Wohnblocks an der Niederkleiner Straße stehen bereits leer, der Abrissauftrag ist schon vergeben. Schneller als gedacht baut die Herrenwald Wohnbau Immobilien GmbH ein zweites Gebäude. Damit soll vor allem reichlich Platz für neue Arztpraxen entstehen. In welcher Organisationsform sich dort Praxen ansiedeln werden, ist noch offen. Organisator dieses Praxisprojeks ist Medizinprofessor Siegfried Bien aus Marburg.

Am Montagabend stellten die Herrenwald Wohnbau, Bien und Bürgermeister Christian Somogyi (SPD) das Projekt vor. Das Spektrum für das, was konkret auf der Praxisfläche entstehen wird, ist breit: Denkbar ist, dass sich auf einer Gesamtpraxisfläche von 1000 Quadratmetern ein medizinisches Versorgungszentrum entwickelt. Doch ebenso möglich ist es aus Sicht von Bien, dass sich in dem Neubau Gemeinschaftspraxen ansiedeln, dass Ärzte, die andernorts Praxen haben, ihre Sitze teilen und zeitweise in Stadtallendorf praktizieren und auch, das schon ortsansässige Ärzte ihre Praxen verlegen. „Ich habe vier Wände mit viel Platz dazwischen gemietet“, fasst es Bien zusammen. Er selbst sieht sich dabei – ähnlich wie bei seinem Projekt in Bad Laasphe, als „Spiritus Rector“, als Ideengeber und Organisator.

Im Geschäftshaus der Herrenwald Wohnbau existiert seit März vergangenen Jahres schon eine Gemeinschaftspraxis von Hausärzten, die sich etabliert hat. Dort gibt es auch mögliche direkte Verbindungen. Im Plan der Herrenwald Wohnbau ist eine Glasbrücke vom bestehenden zum neuen Gebäude vorgesehen.

Politik und Verwaltung sagen Unterstützung zu

Die Investition und die dahinter stehenden Ideen kommen bei Verwaltung und Politik gut an. Vor der Pressepräsentation hatten die Initiatoren das Gesamtprojekt dem Magistrat, den Fraktionsvorsitzenden und führenden Köpfen der Stadtverwaltung vorgestellt. „Wir halten das für ein positives Signal und wollen das Projekt wohlwollend unterstützen“, fasste Somogyi die Ergebnisse der Beratungen zusammen. Er erhoffe sich jetzt vor allem, dass sich die Ärztelandschaft in Stadtallendorf stabilisiert oder verbessert.

Siegfried Bien will einen Fokus auch auf die ärztlichen Fachrichtungen richten, die in Stadtallendorf nicht vertreten sind. So fehlt es der 21000-Einwohner-Stadt an einem Augenarzt und das bereits seit 2008. Außerdem fehlen aus Sicht von Dr. Ortwin Schuchardt, Stadtallendorfer Allgemeinmediziner, ein Hautarzt und ein Neurologe. Die Ansiedlung von Psychotherarpeuten hielte er für „wünschenswert“. Bei den niedergelassenen Ärzten Schuchardt und Dr. Martin Heinzl fällt das Projekt auf fruchtbaren Boden. „Wir Ärzte sehen das absolut positiv“, sagt beispielsweise Schuchardt. Sein Kollege Heinzl verweist auch auf Standortvorteile des Neubaus. Das Gebäude liegt nahe an Bahnhof und Busbahnhof und ist auch mit dem Auto gut erreichbar. 200 zusätzliche Parkplätze werden entstehen. Die gute Resonanz auf das erste Geschäftshaus hat die Herrenwald Wohnbau Immobilien GmbH dazu bewogen, dieses zweite Bauvorhaben schneller anzugehen als gedacht. Wieviel Geld dabei fließen wird, ließ Konrad Busch, einer der beiden Geschäftsführer offen. Er stellte aber auch ausdrücklich klar, dass für das Unternehmen Profitgedanken nicht im Vordergrund stehen. Die junge GmbH gehört zu 100 Prozent der Herrenwald Wohnbau Genossenschaft. „Das Gebäude bleibt auch in unserer Hand und wird nicht an einen Hedgefonds weiterverkauft“, betonte Busch.

Das Mehrfamilienhaus, dass die Herrenwald-Wohnbau dafür opfert, lässt sich nach Angaben von Konrad Busch nicht mehr sanieren. Es steht bereits leer, Zäune sichern es vor Vandalismus. Auf den Abriss soll nun schnell der Bauantrag folgen. Möglichst noch in diesem Jahr soll der Bau beginnen.

Im Jahr 2008 scheiterten Pläne für ein Ärztehaus am altem Busbahnhof, weil sich Investor und Ärzte nicht einig wurden. Dies galt als Rückschlag für die Stadtentwicklung. Schuchardt sieht aufgrund flexibler Möglichkeiten für das neue Projekt aber gute Realisierungschancen.

von Michael Rinde

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