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Stadt steht unter großem Sparzwang

Stadtallendorf Stadt steht unter großem Sparzwang

Im Stadtallendorfer Stadtbusverkehr müssen in größerem Stil Kilometer eingespart werden, damit die Kosten für Nahverkehrsverband und Stadt einigermaßen im Rahmen bleiben.

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Der Busbahnhof am Aufbaugebäude ist der Sammelpunkt für die vier Stadtbuslinien, die in Stadtallendorf unterwegs sind.

Quelle: Mayer

Stadtallendorf. Vier Stadtbuslinien existieren seit 2005 in Stadtallendorf. Sie sind Teil des „Linienbündels Nordost“, das der Regionale Nahverkehrsverband des Kreises betreibt. Doch es zeichnet sich bereits deutlich ab, dass sich die Kosten pro gefahrenem Buskilometer drastisch erhöhen werden. Aktuell kostet der Kilometer 1,83 Euro, in Zukunft erwartet RNV-Geschäftsführer Konrad Debus einen Preis von mindestens 3 Euro je Kilometer. 354.000 Buskilometer fallen in Stadtallendorf pro Jahr an.

Das zwingt nicht nur den RNV bereits jetzt, lange vor der Ausschreibung den Linienbündels Nordost über Einschränkungen bei den Leistungen nachzudenken, sondern zwangsläufig auch die Stadt Stadtallendorf mit ihrem Stadtbusverkehr. Ein Gutachter stellte in einer Sitzung von Fachausschuss, Magistrat und Seniorenbeirat vier denkbare Kürzungsvarianten vor. Auschuss-Vorsitzender Frank Hille (CDU) machte gleich zu Beginn klar, dass es sich dabei um den Einstieg in eine schmerzhafte Diskussion handeln wird. Bis zu den Sommerferien hat Stadtallendorf Zeit, sich auf eine Einsparvariante zu einigen.

Der Wunsch der Stadt, die Fahrgastzahlen durch einen Ausbau des Stadtbusnetzes zu erhöhen, hat sich nicht erfüllt. Das betonte Fachbereichsleiter Hubertus Müller. Fahrgasterhebungen beweisen das. Auf der Linie MR-90 gibt es zeitweise nur einen einzelnen Einsteiger in der Zeit von 7.30 bis 8.30 Uhr. Planer Jörg Klein vom Büro IGDB bezeichnet das Stadtallendorfer Angebot als „sehr komfortabel“. Jedes Wohnhaus habe in 300 Meter Nähe eine Bushaltestelle, innerhalb von 60 Minuten lasse sich jedes Ziel im Stadtgebiet erreichen. Dabei ist das jetzige System auf die Umstiegsmöglichkeiten auf die Bahn ausgerichtet – was auch nur gering genutzt wird.

Jörg Klein schlug folgende Varianten für Einschränkungen vor:

A) Die Linie MR-90 fährt nur noch im 120-Minuten-Takt, fährt aber wieder das Berufsbildungszentrum an. Statt 14 gibt es dort nur noch 7 „Fahrtenpaare“ an Werktagen. Einsparung: 27.000 Buskilometer.

B) Die Linien 91 und 92 werden weitgehend miteinander verknüpft und auf den 120-Minuten-Takt umgestellt. Dadurch können nicht alle Ziele in 60 Minuten erreicht werden. Diese Variante macht nur Sinn, wenn sie gleichzeitig mit Variante A umgesetzt wird. Einsparung: 101.000 Kilometer pro Jahr.

C) Die Linien 91 und 92 werden in nördlichen und südlichen Ringverkehren zusammengefasst und fahren dann weiterhin im 60-Minuten-Takt. Bei der Line 90 entfällt das Freibad, dafür werden die Kronäcker aufgenommen. Einsparung: 116.000 Kilometer.

D) Die Linie MR 85 wird auf einen 120-Minuten-Takt umgestellt, außerdem werden die Linien 85 und 90 verknüpft. Dies alles passiert zusammen mit Variante C, gilt aber als problematisch. Umsteigemöglichkeiten gehen verloren, dieses Paket ließe sich nur langfristig umsetzen. Einsparung: 124.000 Kilometer.

Schülertransport ist kaum betroffen

Klar ist: Beim Schülertransport, der etwa 80 Prozent des Buseinsatz ausmacht, plant der RNV generell keine größeren Einschnitte. Der restliche Linienverkehr muss also die Einsparungen bringen. Alle Verantwortlichen betonten dabei, dass dies vor allem in Randzeiten oder bei gering genutzten Verbindungen passieren soll.

Eine deutliche Mahnung kam bereits von Helmut Heyn vom Seniorenbeirat. Er warnte davor, die Debatte zu sehr unter Kostengesichtspunkten zu führen und verwies auf den Bevölkerungswandel, der sich in Stadtallendorf auch abzeichnet. Im Jahr 2020 dürfte die Zahl der Senioren bei etwa 6300 liegen. Erstmals nahm der Seniorenbeirat laut Heyn an einer solchen Debatte direkt. Die eigentliche politische Diskussion beginnt jetzt erst.

von Michael Rinde

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