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Ostkreis Stadt muss sich neue Mieter suchen
Landkreis Ostkreis Stadt muss sich neue Mieter suchen
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00:16 05.05.2013
Ein wesentlicher Teil des Bereitschaftsdienstes wird in Marburg zentriert. Hinzu kommt ein Besuchsdienst. Archivfoto: Nadine Weigel Quelle: Nadine Weigel
Stadtallendorf

Als der Neubau am Scheidfeld im Jahr 2010 eingeweiht wurde, dachten alle Beteiligten an eine Sicherung des ärztlichen Bereitschaftsdienstes in Stadtallendorf auf lange Sicht. Doch diese langfristige Lösung wird aller Voraussicht nach gerade einmal vier Jahre halten. Zum 1. April nächsten Jahres soll die Stadtallendorfer Zentrale geschlossen, der Notdienst kreisweit dann in Marburg zentralisiert werden.

Dies wäre dann der letzte Schritt auf dem Weg zu einer neuen Bereitschaftsdienst-Organisation im Landkreis. Neben dem diensthabenden Arzt in der Bereitschaftsdienstzentrale in Wehrda sollen vier Fahrdienste die Versorgung von Patienten außerhalb der üblichen Sprechstunden-Zeiten von Arztpraxen sicherstellen.

Wohratal gehört zu Frankenberger Bezirk

Dies hatte die Kassenärztliche Vereinigung Hessen (KV) am Dienstag mitgeteilt. Die Gemeinde Wohratal wird, erläuterte KV-Sprecherin Petra Bendrich gestern, ab dem 1. Oktober einem künftigen Bereitschaftsdienst-Bezirk Waldeck-Frankenberg zugeordnet. Wie dieser Bezirk aussehen wird, ließ sie dabei offen. Stadtallendorfs Bürgermeister Christian Somogyi (SPD) klang gestern bei der Frage nach einer Reaktion auf die Entscheidung der KV hörbar frustriert. Nein, ändern lasse sich an der Entwicklung wohl nichts mehr, räumte er ein. Die KV teile ihre Entscheidungen einfach nur mit, ohne auf die Belange der Kommunen zu reagieren.

Das wollte die KV gestern ebenso wenig unkommentiert stehen lassen wie ähnliche Kritik des Ersten Kreisbeigeordneten Dr. Karsten McGovern. „In wohl keiner Region ist derartig intensiv über das künftige Bereitschaftsdienst-Konzept beraten worden wie im Kreis Marburg-Biedenkopf. Darum überrascht mich solche Kritik“, sagte Karl Matthias Roth von der KV.

In Stadtallendorf hatte sich der Widerstand gegen die Zentralisierung des Bereitschaftsdienstes in Marburg vor allem in Resolutionen der AWO, des VdK und des Seniorenbeirates ausgedrückt. Hinzu kamen die Statements der politischen Gremien der Nachbarstädte.

Die Stadt Stadtallendorf hat im Vergleich zu anderen betroffenen bisherigen Bereitschaftsdienst-Standorten in Gladenbach und Biedenkopf eine besondere Situation. Die Räume der jetzigen Zentrale in der Straße im Scheidfeld wurden eigens dafür von der Stadt geschaffen. Seinerzeit entstand ein Neubau für Rettungswache und Bereitschaftsdienstzentrale. 1,2 Millionen Euro investierte die Stadt dafür. Mit der KV wurde seinerzeit ein über zehn Jahre laufender Mietvertrag geschlossen.

Die KV wollte sich gestern noch nicht dazu äußern, wie sie mit dem Mietvertrag umgehen wird, widersprach aber auch der Feststellung nicht, dass sie die Räume ab dem 1. April 2014 wohl nicht mehr benötigen wird.

Schließungstermin ist noch vorläufig

Bürgermeister Somogyi ist mit der Situation „sehr unzufrieden“. Er werde sich strikt am Inhalt des Mietvertrages orientieren, wenn es zu Gesprächen mit der KV darüber kommt.

In „Stein gemeißelt“ ist der Schließungstermin 1. April 2014 aber noch keineswegs, wie Dr. Ortwin Schuchardt als örtlicher Ärztevertreter gestern betonte. Zunächst müsse die neue Bereitschaftsdienst-Ordnung wie geplant im Mai von der KV verabschiedet werden. Damit wird dann die künftige einheitliche Honorierung von Diensten geregelt. Außerdem muss der künftige Bereitschaftsdienst mit den Ärztevertretern aus Marburg abgestimmt werden. Dafür ist ein Vorlauf von neun Monaten vorgesehen. „Nur, wenn das alles rechtzeitig gelingt, ist der Termin 1. April 2014 möglich“, sagt Schuchardt.

Er unterstützt die jetzt beschlossene Reform, auch im Hinblick auf den Ostkreis, der eigentlich ein gut funktionierendes Bereitschaftsdienst-System vorweisen kann.

„Doch wie lange wollen wir warten, bis der ländliche Raum bei uns unattraktiv wird?“ fragt Schuchardt. Doch der Stadtallendorfer macht auch keinen Hehl daraus, dass er hinsichtlich der Aufgabe der von der Stadt eigens geschaffenen Räume „einige Bauchschmerzen“ habe.

von Michael Rinde