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Sprachbildung in der Kita-Küche

Lernen ohne Klassenraum und Schultafeld Sprachbildung in der Kita-Küche

Der Kirchhainer Kindergarten „Am Steinweg“ wird Schwerpunkt-Kita Sprache und Integration. Was steckt hinter diesem Begriff? Die OP sah sich in der Kita um.

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Elisa, Hüseyin und Rosella (von links) räumen die Spülmaschine ein und werden dabei – ohne es mitzubekommen – sprachlich gefördert. Foto: Matthias Mayer

Kirchhain. Die Küche der Kita ist klein und beengt. So können nur drei Kinder helfen, die Hinterlassenschaften des Frühstücks zu beseitigen. Schmutziges Geschirr muss in die Spülmaschine eingeräumt werden, die Getränkeflaschen müssen an ihren angestammten Platz, Butter und Milch in den Kühlschrank. Elisa, Hüseyin und Rosella fassen beherzt mit an, angeleitet durch Erzieherin Nicole Schick. „Das ist eine leere Apfelsaftflasche. Wer räumt die in die Getränkekiste“? fragt sie. Rosella bugsiert die Flasche vorsichtig in die Kiste. „Wo kommt die Milch hin?“ „In den Kühlschrank“, weiß Elisa und trägt die Milchpackung vorsichtig zum Kühlschrank. „Was machen wir mit dem Müsli?“, will Nicole Schick wissen. „Kommt in den Schrank“, sagt Hüseyin knapp und räumt das Müsli weg, während die beiden Mädchen die Spülmaschinen füllen.

Höhepunkt des allmorgendlichen Rituals ist das Starten der Spülmaschine. Nicole Schick sagt einen Abzählreim auf: Hüseyin darf auf den blinkenden Startknopf drücken. Zum Glück ist das eine Gastronomie-Spülmaschine, die nur rund eine Minute für einen Durchlauf braucht. Pädagogisch wertvolle getimete Abzählreime verhelfen auch noch Rosella und Elisa zum beliebten Knopfdruck.

Die Szenerie wirkt alltäglich und banal, und doch steckt Nicole Schick in der kleinen Küche mitten in ihrer Aufgabe. Sie soll das Sprachvermögen der Kinder voranbringen. Das funktioniert, ohne dass die Kinder das überhaupt merken, ohne Klassenzimmer und Schultafel. Das Vorzeigen von Gegenständen und deren Benennung mit sorgfältiger Aussprache lässt die Kinder mit den Augen und den Ohren lernen.

Seit dem 1. April 2011 nimmt die Kita „Am Steinweg“ an dem Programm „Frühe Chancen“ des Bundesfamilienministeriums teil. Innerhalb von drei Jahren soll sich die Einrichtung zur Schwerpunkt-Kita Sprache und Integration“ entwickeln. Für diesen Zeitraum finanziert das Ministerium das benötigte Material - so mehrsprachige Kinderbücher und Spiele - und die Stelle von Nicole Schick, die wiederum in diesem Zeitraum ihr Wissen zur frühkindlichen sprachlichen Bildung an die anderen Erzieherinnen der Einrichtung weitergibt. Das Ziel: Nach drei Jahren soll die Kita auch ohne Bundeshilfe für sprachliche Bildung und Integration stehen können.

Etwa 40 Prozent der 40 Kindergartenkinder am Steinweg haben einen Migrationshintergrund, berichtet die Kita-Leiterin Stefanie Müller. Die Kinder stammen aus Italien, Russland, Algerien, der Türkei dem Kosovo und aus Deutschland. Die sprachliche Bildung hilft nach Nicole Schicks Erfahrung auch den Kindern deutscher Familien. Oft hapere es an der Mundmotorik.

Bei Halbzeit des Projekts stellt Stefanie Müller erfreut fest, dass die Sprechfreude der Kinder deutlich zugenommen habe. Hilfreich sei dazu die enge Kooperation mit den Eltern. Das Angebot, mehrsprachige Spiele aus der Kita-Spielothek auszuleihen werde ebenso gut angenommen, wie die Ausleihe von Kinderbüchern in der jeweiligen Muttersprache der Kinder.

Der Erste Stadtrat Dietmar Menz zeigte sich erfreut, dass die Vielfalt der Schwerpunkt-Auswahl in den Kirchhainer Kitas für die Eltern durch die Aktivitäten am Steinweg noch größer werde.

von Matthias Mayer

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