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Ostkreis Sonderweg führt ins Nichts
Landkreis Ostkreis Sonderweg führt ins Nichts
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18:45 05.07.2011
Michael Richter-Plettenberg hält eine Kooperation mit Eon beim Stromnetz nicht mehr für sinnvoll. Quelle: Tobias Hirsch

Amöneburg. Beim Thema Stromversorgung gehen die Parteien kleine Schritte und eine Menge Zeit ins Land. Bisher umgingen die Stadtverordneten eine Entscheidung, mit welchem Partner die Stadt ab dem kommenden Jahr zusammenarbeitet. Immerhin beschlossen sie eine Absichtserklärung, dass die Kommune den Stromnetzbetrieb übernehmen will – ohne einen Partner zu nennen.

Eine unabhängige Stromnetzkommission um Bürgermeister Michael Richter-Plettenberg hatte im Vorfeld der Diskussionen nach langer Analyse einen Wechsel von Eon zu den Stadtwerken und eine Vergabe der Konzession an die Energie-Marburg-Biedenkopf GmbH vorgeschlagen. Im zweiten Schritt sollten Verhandlungen über eine Beteiligung am Stromnetzbetrieb folgen, da die Kommission davon ausgeht, dass die Stadt über die Konzessionsabgabe hinaus zusätzliche Erlöse erwirtschaften kann.

Die Stadtverordneten folgten dem Vorschlag nicht und spielen auf Zeit. Ihre Furcht war und ist, dass der Kaufpreis, den Eon nach eigenen Abgaben noch nicht mitteilen kann, für das Stromnetz zu hoch sei – der zur Sicherheit eingebaute zweite Schritt tat dabei ihrer Skepsis keinen Abbruch. Mittels einer Absichtserklärung zum Kauf des Netzes wollten sie die Stadt in die Position bringen, dass diese als derzeitiger Partner den Preis erfährt.

Eon habe über den Inhalt der Gespräche Stillschweigen verlangt. Ohne diese Vereinbarung zu verletzen, könne er sagen, dass eine „echte Annäherung“ auch nach zehn Stunden Verhandlung nicht in Sicht sei, erklärte der Bürgermeister im Gespräch mit dieser Zeitung. Zwar sei der „Kaufgegenstand konkretisiert worden“, der Preis sei aber weiterhin das Problem. Eon habe zwar zunächst angekündigt, „kalkulatorische Restbuchwerte auf den Tisch zu legen“, der Eon-Vorstand habe jedoch im Nachhinein dem Verhandlungsführer die Befugnis entzogen, die Zahlen herauszugeben, berichtete Richter-Plettenberg.

Die Zahlen wären eine wichtige Basis für die Verhandlung gewesen, eine Einigung sei nicht in Sicht, bilanziert er. Deswegen setzt der Bürgermeister nun auf eine Klausel aus dem Konzessionsvertrag, dass bei einer fehlenden Einigung ein gutachterliches Verfahren eine Gerichtsverhandlung ersetze. Dem stimmt Eon nicht zu, das Unternehmen will der Stadt schriftlich mitteilen, warum dies der Fall sei. Der Bürgermeister scheint die Waffen zu strecken, jedenfalls plant er, die Stadtverordneten wahrscheinlich erneut mit dem Vorschlag zu konfrontieren, eine Kooperation mit den Stadtwerken einzugehen – entgegen der Planung wohl schon in der August- und nicht erst in der September-Sitzung. Eine Beteiligung am Betrieb mit Eon als Partner ist nahezu ausgeschlossen. Richter-Plettenberg jedenfalls ist enttäuscht von der „Verzögerungstaktik“ von Eon. Noch dazu moniert er, dass sich das Unternehmen noch nicht zu einer Frage bezüglich der Unterstützung beim Ausbau des schnellen Internets geäußert habe – die Energie Marburg-Biedenkopf wolle das Thema indes auf die Agenda setzen.

von Florian Lerchbacher

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