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„Sie kratzen an der Freiheitsstrafe“

Betrug „Sie kratzen an der Freiheitsstrafe“

Verurteilung wegen Betrugs gelobte ein „falscher“ Staubsauger-Vertreter Besserung. Er wolle sein betrügerisches Geschäft nun aufgeben, kündigte er vor dem Kirch­hainer Amtsgericht an.

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Eine ältere und offenbar gebrauchte Elektrobürste der direkt vertriebenen Marke Vorwerk – das Foto zeigt ein anderes Modell – drehte der falsche Firmenvertreter einem Ehepaar an.

Quelle: Schubert

Kirchhain. Es gibt sie noch, die Staubsaugervertreter, die direkt an die Haustür kommen. Doch manchmal geben sie sich in betrügerischer Absicht als Vertreter eines namhaften Herstellers aus und schädigen so die Kunden und den Ruf der „echten“ Vertreter.

Wohl den meisten Hausfrauen und -männern dürfte „Vorwerk“ ein Begriff sein. Vorwerk ist der einzige deutsche Staubsauger-Hersteller, der seine Produkte ausschließlich im Direktvertrieb anbietet. Als Vertreter dieser Firma stellte sich auch ein 47-Jähriger aus Biedenkopf vor, wenn er an der Tür klingelte. Tatsächlich war er nur bis 2003 im Auftrag von Vorwerk tätig gewesen.

Am Ende der Verhandlung verurteilte Amtsgerichtsdirektor Edgar Krug den seit Mai arbeitslosen Angeklagten, der bereits am 26. Mai vom Amtsgericht Marburg für einen gleichartigen, im Vorjahr in Amönau begangenen Betrug zu 80 Tagessätzen à 15 Euro verurteilt worden war, zu einer Strafe in gleicher Höhe für den „glasklaren Betrug, wie er im Gesetzbuch steht“, wie sich Krug ausdrückte.

Da der jetzt verhandelte Betrug noch vor dem Prozess in Marburg stattgefunden hatte, war eine Gesamtstrafe für beide Taten zu bilden, gemäß der üblichen Praxis schlug Krug 50 Prozent der zweiten Strafe der ersten zu und kam so auf 120 Tagessätze à 15 Euro. „Wenn sie so weiter machen, kratzen sie an der Freiheitsstrafe. Mit diesem Urteil ist jetzt erst einmal ein Schlussstrich gezogen, wenn sie die Füße stillhalten“, warnte der Richter den Angeklagten.

Im März hatte dieser ein älteres Ehepaar in Kirchhain aufgesucht, sich als Vorwerk-Kundenberater vorgestellt und bei der Elektrobürste, einem separaten Vorsatzteil des Staubsaugers, angeblich einen Defekt festgestellt. Dessen Reparatur sollte 170 Euro kosten, ein neues Teil, das er dabei habe, 200 Euro.

Das Paar erwarb die, wie sich zeigte bereits gebrauchte Elektrobürste und bestellte zudem neue Staubbeutel, die der Angeklagte nie lieferte, und bezahlte 235 Euro. Die alte Bürste nahm er mit, Richter Krug spekulierte, um sie dem nächsten Kunden zu verkaufen.

von Manfred Schubert

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