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Glaubwürdige Zeugin, spätes Geständnis

Sexuelle Nötigung Glaubwürdige Zeugin, spätes Geständnis

Der Strafprozess gegen ­einen heute 26-jährigen Stadtallendorfer wegen sexueller Nötigung brachte dem letztlich geständigen Straftäter eine Haftstrafe von zwei Jahren und acht Monaten ein.

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Der Angeklagte setzte nach einer sexuellen Nötigung sein Opfer nachts auf einem Parkplatz aus.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Der Angeklagte und das spätere Opfer hatten sich in einer Schischa-Bar in Marburg einige Monate vor der angeklagten Tat kennengelernt und des Öfteren gemeinsam etwas unternommen, so die übereinstimmenden Aussagen von Täter und Opfer vor dem Schöffengericht des Marburger Amtsgerichts.

Hierbei war es zu ersten sexuellen Kontakten in Form von Oralverkehr gekommen, wie die junge Frau im Widerspruch zu ihrer ursprünglichen Aussage bei der Polizei als Zeugin erklärte. Sie habe nicht gewollt, dass ihre Eltern etwas von dieser Beziehung mitbekommen, begründete sie ihr Verhalten.

Am Abend des 5. November 2016 habe man sich nach einer längereren Pause telefonisch zu einem Treffen in einer Marburger Schischa-Bar verabredet. Zu später Stunde verließen die jungen Leute die Bar in Begleitung einer Freundin des Opfers und eines Bekannten des Angeklagten. Die Autofahrt endete um 1.30 Uhr auf einem Parkplatz in Cölbe in der Nähe der Lahn. Während die Begleiter im Auto blieben und Musik hörten, suchten der Angeklagte und das Opfer 20 Meter weiter eine Bank auf, um zu chillen.

Gericht: Opfer rief nicht um Hilfe

Nach Abschluss der Beweisaufnahme kam das Gericht zu der Überzeugung, das sich auf der Bank folgendes zugetragen hat. Der Angeklagte näherte sich in sexueller Absicht seiner Begleiterin und versuchte, diese zu küssen. Diese Versuche wehrte das Opfer ab. Dann versuchte der Angeklagte, die Bekleidung seines Opfers herunterzuziehen, wogegen diese sich heftig wehrte. Ihre Leggins wurde dabei zerrissen.

Nachdem sein Versuch, den Beischlaf mit der Geschädigten zu vollziehen, an deren Widerstand gescheitert war, versuchte er die zuvor geübte Praxis des Oralverkehrs, wobei er den Kopf der Frau mit beiden Händen festhielt. Das Gericht war gezwungen, die unschönen und intimen Details peinlich genau abzufragen, um den Grad der angeklagten sexuellen Nötigung festzustellen.

Letztlich gelang es dem Opfer, sich aus der misslichen Lage zu befreien und kassierte dafür vom Angeklagten eine Ohrfeige und wüste Beschimpfungen. Laut Attest erlitt die Frau geringfügige Verletzungen. Nach dem Ergebnis der Beweisaufnahme rief das Opfer nicht um Hilfe. Und die Begleiter im Auto bekamen nach eigenem Bekunden nichts von den Vorgängen auf der Bank mit.

Barbesitzer holt
 die Frauen ab

Nach der Rückkehr zum Auto ließ er die beiden Frauen am Tatort mitten in der Nacht alleine zurück und fuhr mit seinem Bekannten weg. Dieser sagte aus, dass er versucht habe, die Frauen doch bis Marburg mitzunehmen. Doch der Angeklagte habe dies nicht zugelassen.

Schließlich habe der Besitzer der Marburger Schischa-Bar nach Anruf der Geschädigten die beiden Frauen vom Parkplatz abgeholt und bei der Polizei Anzeige erstattet. „Ich hätte das wohl nicht getan, damit meine Eltern davon nichts mitbekommen“, meinte das Opfer vor Gericht und beseitigte eine weitere Unklarheit in ihren Schilderungen.

Bis zu einer Feststellung des Gerichts mit seinem Vorsitzenden Thomas Rohner und der Staatsanwaltschaft, dass man der Zeugin uneingeschränkt Glauben schenke, hatte der eher harmlos erscheinende Angeklagte noch eine andere Version von einvernehmlichen sexuellen Handlungen aufgetischt. Erst danach gab er den von der Geschädigten geschilderten Sachverhalt uneingeschränkt zu. Einige nicht einschlägige Vorbelastungen des Angeklagten wirkten für diesen nicht unbedingt strafmildernd.

Die Verteidigung beantragte für ihren Mandanten ein Strafmaß, das zur Bewährung ausgesetzt werden könne. Die Grenze für eine Freiheitsstrafe auf Bewährung liegt bei zwei Jahren. Dem folgte das Gericht nicht und verurteilte den Angeklagten schließlich zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und acht Monaten. Die Anklage hatte drei Jahre und vier Monate beantragt.

von Heinz-Dieter Henkel

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