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Sein Perfektionismus nervt manchmal

Bürgermeisterwahl in Kirchhain Sein Perfektionismus nervt manchmal

Am 7. März wählen die Kirchhainer einen neuen Bürgermeister. Zwei Kandidaten stehen zur Wahl. Mit Herausforderer Michael Höhmann (SPD) eröffnet die OP die Wahlberichterstattung.

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In seinem roten Lieblingssessel in seinem Haus in Gudensberg genießt der 52-jährige Michael Höhmann seine Feierabende. Am 7. März stellt sich der Sozialdemokrat zur Wahl. „Ich werde Bürgermeister in Kirchhain“, sagt er selbstbewusst.

Quelle: Tobias Hirsch

Gudensberg. Die Haare reichen bis auf die Schulterschlaufen des abgewetzten Army-Parkas. Aus der Brusttasche lugt der Stiel einer Haarbürste. „Wohin soll´s gehen?“, fragt der Fahrer. Er bearbeitet die Pedale mit seinen klobigen Cowboystiefeln. Die Lichter der Straßenlaternen ziehen vorbei. Sobald er genug Geld für den Abend verdient hat, wird er das Taxi stehen lassen. Er ist Student und ein Kneipengänger.

25 Jahre später öffnet der Chauffeur von damals die Haustüre seines Einfamilienhauses: Mit Schlips, Hemd, Jackett – und auf Socken. Hausschuhe für den Gast, die Straßenschuhe verschwinden im Schrank. Bevor die Türe geschlossen wird, kickt der Hausherr noch ein herein gewehtes Blatt auf die Straße.

Der 52-Jährige ist ein Perfektionist – und das nervt seine Frau Barbara manchmal. Der Mann, der sich als Heranwachsender den Wünschen seines Vaters widersetzte und auch keinen Wehr- oder Zivildienst leistete, hat heute ein schlechtes Gewissen, wenn er sonntags untätig auf der Couch liegt. „Ich definiere mich über Leistung“, sagt Michael Höhmann.

1967 wusste Höhmann nicht mal, wie „Leistung“ überhaupt geschrieben wird. Mit zehn Jahren betrat er zum ersten Mal deutschen Boden und sah Dinge, die er bis dahin nur aus dem Fernsehen kannte. „Hier gab es Schlösser und Ritterburgen. Das fand ich herrlich“, schwärmt der Sohn deutscher Auswanderer noch heute. Nicht begeistert war er jedoch von den kleinen deutschen Autos. „Mein Onkel hat uns mit einem Mercedes vom Flughafen abgeholt“, erinnert er sich lachend. Als Kanadier war der damals zehnjährige Mike, wie ihn seine Freunde nennen, ganz andere Fahrzeugkaliber gewohnt. „Das war ein Kulturschock“, sagt Höhmann und lacht wieder.
Da Höhmanns Eltern zurück in der Heimat ebenso konsequent deutsch gesprochen haben, wie in Kanada englisch, lernte er schnell. Das erste deutsche Lied, das er konnte, war „Ihr Kinderlein kommet“. Doch die Sprache und die Grammatik warnen damals noch zwei paar Schuhe für ihn. In diesem Zusammenhang hat sich die Zahl 36 bei Höhmann eingebrannt: „In meinem ersten Diktat hatte ich 36 Fehler. Ich glaube, viel mehr Wörter hatte ich auch gar nicht geschrieben“. Wenige Jahre darauf machte er sein Abitur.

Höhmann wollte ursprünglich Lehrer werden. Sport, Geschichte und Gesellschaftslehre waren seine Favoriten. „Ich hätte auch noch Englisch genommen, weil es mir leicht fiel“, sagt Höhmann. Der Vater wollte, dass er Maschinenbauingenieur wird. Letztendlich landete er bei den Wirtschaftswissenschaften.

von Tobias Hirsch

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