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Ostkreis Schräg und schrill, aber mit Konzept
Landkreis Ostkreis Schräg und schrill, aber mit Konzept
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06:16 26.03.2012
Alissa Schlicht (von links), Anna Scheina, Tina Holzapfel und Monique Edler führen den „Caramelldanse“ (kein Schreibfehler) auf – einen Tanz, der aus einem Anime stammt, also aus einem japanischen Animationsfilm. Quelle: Florian Lerchbacher
Neustadt

Manchmal laufen sie knallbunt verkleidet, die Haare farbig und dank Draht zu Berge stehend durch Neustadt und kassieren verwunderte Blicke. Doch das stört Monique Edler, Tina Holzapfel (beide 16), Anna Scheina und Alissa Schlicht (beide 14) nicht. Die vier Mädchen genießen die Aufmerksamkeit und stehen zu ihrem Hobby: Sie sind Manga-Fans und kleiden sich auch gerne wie ihre gezeichneten Lieblinge. Wenn sie damit die Blicke auf sich ziehen - umso besser.

Und vielleicht sind sie bald in Neustadt mit ihrem Hobby nicht mehr alleine, zumindest für eine Wochenende: Die vier Mädchen möchten eine Manga-Convention in ihrer Heimat ausrichten, also ein Treffen, bei dem sich Gleichgesinnte in schrillen Kostümen versammeln, sich kennenlernen, über die Mangas und ihre Helden sprechen und vieles mehr. Genauer gesagt würden sich "Cosplayer" treffen - also Manga-Fans, die Figuren durch Kostüm und Verhalten möglichst originalgetreu darstellen. Viele von ihnen schneidern sich ihre Verkleidungen in mühevoller Kleinstarbeit und basteln detailgetreues Zubehör.

Solche Conventions gebe es in Deutschland viel zu selten, noch dazu sei der Besuch immer mit weiten Reisen verbunden, erklärten die vier Mädchen während des Jugendgipfels Bürgermeister Thomas Groll und versuchten, ihm eine solche Veranstaltung schmackhaft zu machen: "Cosplayer neigen dazu, für verrückte Dinge viel Geld auszugeben - so würde auch Neustadt von den Gästen profitieren", erklärte ihm Monique Edler. Die Stadt müsste nur einen Raum zur Verfügung stellen, zum Beispiel den Saal des Hauses der Begegnung, um die Organisation und die Ausrichtung der Convention würden sie sich alleine kümmern.

Groll derweil zeigte sich dem Vorschlag gegenüber nicht abgeneigt: "Für neue Arten von Veranstaltungen sind wir immer offen." Die Mädchen sollten gemeinsam mit Stadtjugendpfleger Sebastian Habura ein Konzept erstellen und noch einmal auf ihn zukommen: "Noch sind Mangas und Conventions böhmische Dörfer für mich."

Viele Mangas sind schwarz-weiß, andere indes knallbunt. Die Themen sind vielfältig. Absolute Helden für die vier Neustädter Mädchen sind Inu Ya-sha und Naruto. Inu Yasha spielt vorrangig im Japan der Sengoku-Zeit (15. und 16. Jahrhundert). Viele der Charaktere sind Wesen aus der japanischen Mythologie. Vorrangig dreht sich die Handlung um den Kampf der Hauptfigur gegen einen Dämon namens Naraku.

Naruto indes ist die Lebensgeschichte eines jungen Mannes auf dem Weg zum obersten Ninja seines Dorfes. "Wenn man etwas wirklich schaffen will, dann kommt man auch weiter", fasst Tina Holzapfel die Botschaft Narutos zusammen.

"Die Geschichten sind so realitätsfern, dass sie einfach Spaß machen", versucht Mo-nique Edler, das Faszinierende an Mangas zu vermitteln. "Es ist verrückt - die Figuren machen, was sie wollen. Sie kleiden sich außergewöhnlich und sehen einfach toll aus", ergänzt Anna Scheina. "Man kann mit den Figuren lachen und mit ihnen weinen. Kurz: Man fiebert mit", sagt Alissa Schlicht.

Und vielleicht kommen die Neustädter irgendwann sogar in den Genuss, während einer Convention schrill gekleidete Cosplayer zu beobachten und sich von der Begeisterung der Manga-Fans anstecken zu lassen. Vielleicht müssen sie sich aber auch einfach damit begnügen, dass vier Mädchen gelegentlich verrückt gekleidet durch die Neustädter Innenstadt laufen - ein Blickfang ist es allemal.

von Florian Lerchbacher