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Schöne Stadt braucht besseres Bild

Bürgermeisterwahl in Rauschenberg Schöne Stadt braucht besseres Bild

Michael Vaupel möchte Nachfolger von Manfred Barth werden. Der Kernstädter tritt bei der Rauschenberger Bürgermeisterwahl am 7. Oktober für die Grünen an.

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„Ich wohne schon immer hier, weil es in Rauschenberg so schön ist“, sagt Michael Vaupel über seine Heimatstadt. Der Schulleiter möchte Bürgermeister werden. Foto: Matthias Mayer

Rauschenberg. Die Entscheidung für die Kandidatur sei ihm schwergefallen, bekennt der Schulleiter der Mittelpunktschule Wohratal im Gespräch mit der OP. „Wir haben keine Mehrheit im Parlament und die Stadt hat kein Geld, um Wünschenswertes gestalten zu können. Außerdem fiel es mir schwer, mich an den Gedanken zu gewöhnen, im kommenden Jahr vielleicht nicht mehr Schulleiter in Halsdorf zu sein“, gibt der 51-Jährige einige Überlegungen preis.

Der verheiratete Familienvater zweier erwachsener Kinder hat mit Ausnahme von Bundeswehrzeit und Studium sein ganzes Leben in Rauschenberg verbracht und er lebt dort nach eigenem Bekunden sehr gern. Umgekehrt mögen ihn die Rauschenberger, denn sie beschenkten ihn bei der jüngsten Kommunalwahl mit dem besten Einzelergebnis aller Kandidaten: 1325 Stimmen entfielen auf den langjährigen Stadtrat. Nur Vaupels Magistratskollege Axel Schmidt (CDU) kam mit 1266 Stimmen in die Nähe dieses Ergebnisses.

Ist ein so hoher Sympathiewert nicht Verpflichtung für eine Kandidatur? „Verpflichtung nicht, aber nach dem Verzicht unseres Fraktionsvorsitzenden Stefan Seibert sicherlich ein Baustein“, erklärt der Pädagoge, der längst zu den alten Hasen der Rauschenberger Kommunalpolitik gehört. Schon kurz nach seinem Beitritt zum frisch gegründeten Grünen-Ortsverband am 6. Januar 1985 zog Michael Vaupel für seine Partei ins Stadtparlament ein. „Basisdemokratie und Rotation - das traf mein Weltbild“, erinnert der Kandidat an seine Anfänge im damals „ökologisch und links“ verorteten Stadtverband. Seit 1989 gestaltet er ununterbrochen die Geschicke der Stadt im Magistrat mit. Dies geschieht abseits der parlamentarischen Bühne in einem zur Verschwiegenheit verpflichteten Kollektivorgan.

Die Kratz‘sche Scheune kratzt nicht mehr

In diesen langen Jahren hat sich vieles verändert, auch die Wahrnehmung seiner Partei in Rauschenberg. „Anfangs waren wir grüne Spinner. Die Leute haben die Straßenseite gewechselt, wenn sie uns sahen, obwohl wir nie ideologische Spitzen in die Parlamentsarbeit eingebracht haben“, erinnert sich Vaupel. Obwohl seine Fraktion nie in Koalitionen oder Zählgemeinschaften eingebunden gewesen sei, habe sie grünes Denken in der Stadtpolitik verankert. „Wir haben früh für Seniorenarbeit gewirkt und eine hauptamtliche Jugendpflege gefordert. Beides ist heute längst Realität, nennt er zwei Beispiele.

Die fehlende Mehrheit im Parlament, und die deutliche Abgrenzung gegenüber 80 Prozent der Parlamentarier, die die Grünen bei ihrem Feldzug gegen die Kratz‘sche Scheune gezeigt haben, sieht Michael Vaupel nicht als Hindernis für seine Zeit als Bürgermeister. „Mit dem Baubeschluss ist das Kapitel Kratz‘sche Scheune beendet. Wir haben unsere Meinung vertreten, und das vehement. Aber wir werden nicht für den Rest der Legislaturperiode am Rand sitzen“, verspricht der Kandidat, der als Bürgermeister auf das ordentliche Verhältnis unter allen Fraktionen bauen möchte.

Dass dies gelingen kann, zeigen die beiden wichtigsten Ziele Vaupels, die im Grundsatz so - das haben die jüngsten Sitzungen gezeigt - vom ganzen Parlament mitgetragen werden. Da ist das neue Denken in der Stadt. Die Politik dürfe Rauschenberg nicht länger schlechtreden, sondern müsse die guten Seiten der Stadt als Wohnstadt mit guter Infrastruktur, hohem Freizeitwert, wunderschönem Stadtbild und traumhafter Umgebung hervorheben. Das unter Denkmalschutz stehende Altstadt-Ensemble könne durch ein Förderprogramm für Eigentümer und Käufer belebt werden.

Auch mit ideellen Anreizen lasse sich die Stadt voran bringen. „Es gibt viel Zuzug nach Rauschenberg, aber auch eine hohe Fluktuation. Wir müssen uns intensiver um die Neubürger kümmern und ihnen sagen: Ihr seid hier willkommen“, sagt Vaupel, der dazu auch einen ehrlichen Dialog mit den Bürgern, Vereinen und Betrieben für die Gestaltung der Rauschenberger Zukunft führen will. Er möchte das Potenzial an Ideen und Wissen in der Stadt besser nutzen, und das gilt auch für die Fähigkeiten der ehrenamtlichen Magistratsmitglieder, denen er perspektivisch Geschäftsfelder wie Sport, Tourismus, Senioren- und Jugendarbeit übertragen möchte.

Was die Verbesserung der ökonomischen Situation der Stadt angeht setzt auch Michael Vaupel auf den Ausbau der Erneuerbaren Energien - am besten auf genossenschaftlicher Basis, damit möglichst die ganze Wertschöpfung in der Region bleibt. Der Raum Rauschenberg habe genug Potenzial, um auch einen Bürgerwindpark komplett zu finanzieren, ist Vaupel überzeugt, der als Bürgermeister zuerst in die energetische Sanierung städtischer Gebäude investieren würde.

Internet: www.rauschenberg-bewegen.de

von Matthias Mayer

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