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Schlechte Gras-Qualität bewahrt Kiffer vor Knast

Drogen Schlechte Gras-Qualität bewahrt Kiffer vor Knast

Ein 43 Jahre alter Garten- und Landschaftsbauer aus dem Ostkreis hatte Glück, dass die Hanfpflanzen seiner Indoor-Plantage letztendlich nicht die von ihm gewünschte Qualität aufwiesen.

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Quelle: EPA/Abir Sultan, dpa

Kirchhain. „Ich habe mir eine ganze Menge kaputtgemacht“, sagte ein 43-Jähriger, als er sich gestern wegen des Anbaus und des Besitzes von Betäubungsmitteln vor dem Kirchhainer Amtsgericht verantworten musste. Persönliche Probleme seien der Grund gewesen, dass er „mit etwa 40 Jahren“ mit dem Konsum von Cannabis begonnen habe. Da „Gras“ schwer zu beschaffen sei, habe er sich letztendlich dazu entschlossen, selber Hanfpflanzen anzubauen, berichtete er.

Das funktionierte jedoch nicht so, wie er es sich erhofft hatte: Als die Polizei seine Indoor-Plantage im Mai des vergangenen Jahres hochnahm, stellte sie rund 450 Gramm „Gras“ sicher. Die Menge sei zwar groß, der Gehalt des Hauptwirkstoffes Tetrahydrocannabinol (THC) allerdings mit 6,95 Prozent gering, analysierte ein Kriminaloberkommissar, der einst das Haus des Zeugen durchsucht hatte: „Bei 100 Gramm überschreiten wir sonst meist die Nicht-Geringe-Menge“. Dann sei der Tatbestand eines Verbrechens erfüllt, sagte Richter Edgar Krug, Kirchhains Amtsgerichtsdirektor und ergänzte: „So bewegen wir uns im Vergehensbereich.“

Anfang des vergangenen Jahres habe es zwei anonyme Hinweise auf die Indoor-Plantagen gegeben, berichtete der Kriminaloberkommissar. Er habe sich daraufhin beim Energieversorger des betroffenen Hauses erkundigt und erfahren, dass der Stromverbrauch in den Jahren 2008/2009 und 2009/2010 im Vergleich zu den Vorjahren um etwa das Dreifache gestiegen sei - ein Hinweis auf den Einsatz von Wärmelampen und anderem technischen Gerät, das für Indoor-Plantagen benötigt wird.

Eher semiprofessionell

Zehn bis zwölf Hanfpflanzen habe er besessen, erklärte der Angeklagte - was ihm die Staatsanwältin zunächst nicht glauben wollte, da der Keller ausgeschachtet, abgeklebt und mit einer Luft- und Wärmezufuhr ausgestattet gewesen sei. „Es war aber nicht so professionell, wie es aussieht“, warf die Anwältin mit Verweis auf den THC-Gehalt ein.

Eben jener geringe Wert war das Glück des Angeklagten, der zumindest in Bezug auf seine Beziehung froh war, erwischt worden zu sein: „Man muss etwas erst verlieren, um es wertschätzen zu können.“ Nach einer Phase der Trennung habe er sich inzwischen mit seiner Freundin verlobt und den Drogenkonsum aufgegeben. Nicht so rosig sehe es indes beruflich aus, da die Hausdurchsuchung die Runde gemacht habe und zahlreiche Kunden abgesprungen seien: „Sie feuerten mich mit der Begründung, ich sei überqualifiziert“, berichtete der Garten- und Landschaftsbauer, der alle Vorwürfe von Beginn der Verhandlung an einräumte.

Angeklagter muss 990 Euro zahlen

Richter Krug sprach letztendlich von einem „misslungenen Anbauversuch“. Dem Angeklagten sei durch den Wegfall der Aufträge und durch das Beschlagnahmen seiner Ausrüstung bereits ein finanzieller Schaden entstanden. Nichtsdestotrotz habe er sich bei Anbau und Besitz in „greifbarer Nähe zur Nicht-Geringen-Menge“ befunden - daher setzte er die Strafe nicht an der untersten Grenze an sondern verurteilte den 43-Jährigen zu einer Geldstrafe in Höhe von 30 Tagessätzen à 33 Euro.

von Florian Lerchbacher

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