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Land Hessen lässt alle Windräder überprüfen

Schallimmissionen Land Hessen lässt alle Windräder überprüfen

Das Land Hessen hat festgestellt, dass sein Berechnungsverfahren für Schallimmission von Windkraftanlagen nur für bodennahe Quellen geeignet ist – und das sind Windräder nicht wirklich. Das Umweltministerium hat deshalb die Regierungspräsidien angewiesen, alle Anlagen zu überprüfen.

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Symbolfoto: Das Land lässt die Schall-Immission von Windrädern prüfen.

Quelle: Patrick Pleul

Roßdorf. Das Land Hessen hat die Grundlage der Berechnung der Schallimmission bei Windkraftanlagen geändert. Das Ministerium für Umwelt teilte auf Nachfrage dieser Zeitung mit, dass bei Messreihen in den vergangenen Jahren „Besonderheiten der Schallausbreitung bei hohen Quellen nicht ausreichend berücksichtigt wurden“. Es sei daher nicht auszuschließen, dass Genehmigungen für Windkraftanlagen erteilt wurden, die den neuen Standards und daraus folgend dem Bundesimmissionsschutzgesetz nicht mehr gerecht werden. „Das Interimsverfahren verzichtet im Kern auf die Berücksichtigung von Bodendämpfung“, heißt es aus dem Ministerium. Will heißen: Die Erde dämpft die von Windkraftanlagen kommenden Geräusche weniger, als bisher bei der Berechnung angenommen. Experten sprechen von maximal fünf Dezibel Unterschied, die sich ergeben können – sowohl im positiven als auch im negativen Sinne.

© WhatsBroadcast

Die Bund/Länder-Arbeitsgemeinschaft für Immissionsschutz (ein Arbeitsgremium der Umweltministerkonferenz) hat überarbeitete „Hinweise“ herausgegeben und den Ländern zur Anwendung empfohlen. Diese müssen nun bei der Beurteilung der von Windrädern ausgehenden Geräusche berücksichtigt werden – das gilt sowohl bei der Überprüfung bereits bestehender als auch im Genehmigungsverfahren für neue Anlagen. Die Bürgerinitiative „Es reicht“ hatte einen Brief nach Wiesbaden geschrieben und gebeten, die Schallimmission neu zu berechnen. Nun teilte das Land mit, dass es diesem Anliegen nachkommen werde – die Landesregierung setzte sich zwar für die Energiewende ein, wolle aber den Schutz der Anwohner vor Lärm nicht aus den Augen verlieren.

Abschaltung der Windräder ist wohl nicht erforderlich

Ein Rückbau der Windräder steht nicht zur Debatte. Sollten die Immissionswerte zu hoch sein, „reicht es in der Regel aus, in der Nachtzeit – von 22 bis 6 Uhr – die Anlagen leistungs- und schallreduziert zu betreiben“, heißt es aus Wiesbaden. Eine Abschaltung sei nicht erforderlich. Am Tag sei eine Überschreitung der zulässigen Immissionswerte nicht zu erwarten, „da nach den geltenden Regelungen des Bundes-Immissionsschutzgesetzes und der Technischen Anleitung zum Schutz gegen Lärm in dieser Zeit höhere Immissionswerte zulässig sind“. Experten gehen davon aus, sich bei Neuberechnungen im Vergleich zwischen dem alten und dem neuen Verfahren maximal Unterschiede von etwas unter vier Dezibel ergeben.

Nun gilt es also, alle Windkraftanlagen Hessens zu überprüfen. Dem Windpark in Roßdorf hat das Regierungspräsidium höchste Priorität zugeteilt – aber nicht etwa, weil die Zweifel in Gießen oder Wiesbaden groß sind: „Vordringlich werden Anlagen überprüft, bei denen aktuelle Beschwerden vorliegen oder Anträge auf Wiederaufgreifen des Verfahrens (...) gestellt wurden. Aufgrund dieser Kriterien wurden Prioritätenlisten aller zu überprüfender Windenergieanlagen aufgestellt“, erläutert eine Ministeriumssprecherin. Zu den Anlagen auf der Mardorfer Kuppe lägen sowohl Nachbarschaftsbeschwerden als auch Anträge auf Wiederaufgreifen des Verfahrens gemäß Paragraf 51 des Hessischen Verwaltungsverfahrensgesetzes vor.

Das Verfahren sei bereits im Rollen, heißt es aus Wiesbaden: „Die in den Genehmigungsbescheiden für die beiden Windparks Amöneburg-Roßdorf I und II geforderten Abnahmemessungen wurden im Frühjahr dieses Jahres vorgenommen. Die Messergebnisse werden derzeit immissionsschutzfachlich geprüft und ausgewertet.“ Alle anderen Windenergieanlagen im Landkreis Marburg-Biedenkopf werden anhand der Einstufung in der Prioritätenliste überprüft.

von Florian Lerchbacher

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