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Schäfer gibt Stadtmauer wieder Halt

Sanierung Schäfer gibt Stadtmauer wieder Halt

Stück für Stück bekommt die Kirchhainer Stadt­mauer neuen Halt. Dafür sorgt Helmut Schäfer, der die historischen Fugen erneuert.

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Helmut Schäfer vom Kirchhainer Bauhof reinigt Fuge für Fuge an der Kirchhainer Stadtmauer neben dem Hexenturm. Das ist der erste Arbeitsschritt für die Sanierung. Foto: Michael Rinde

Kirchhain. Immer wieder bescheinigen ihm Passanten eine Engelsgeduld, wenn sie ihn bei der Arbeit beobachten. Helmut Schäfer ist seit drei Jahren beim Bauhof der Stadt Kirchhain beschäftigt, stets nur während der Frühjahrs- und Sommer­monate. Er saniert von Hand Abschnitte der Kirchhainer Stadtmauer. Die drei Arbeitsschritte reinigen, ausstemmen und neu verfugen sind sein tägliches Brot beim Arbeiten an der mehr als 600 Jahre alten Mauer. Wie tief er eine Fuge zwischen den Bruchsteinen auskratzen muss, entscheidet sich häufig nach dem Zustand oder auch nach der Fugenbreite. Je breiter eine Fuge sei, desto tiefer müsse er sie ausstemmen, erläutert Schäfer. „Die Leute sehen meistens nur das Endprodukt“, sagt Schäfer über den Aufwand, den die Fugensanierungen am historischen Kirchhainer Bollwerk in Wirklichkeit bedeuten. Viele Feinheiten musste sich der gelernte Maurer für seine Arbeit in Kirchhain erst aneignen. Den Kalkmörtel, der er beim Verfugen verwendet, gibt es nicht fertig aus der Tüte. Helmut Schäfer rührt ihn nach einer festgelegten Rezeptur selbst an. Zur Mörtelrezeptur gehören verschiedene Kalkarten, Naturkies und nur ein kleiner Anteil Trass-Zement, der den Steinen dann den Halt für die nächsten Jahre gibt. Ausgehärtet ist dieser Fugenmörtel erst nach zehn Tagen. Während der heißen Tage muss Helmut Schäfer darauf achten, dass der Mörtel nicht zu schnell austrocknet und reißt. Darum liegen über frisch verfugten Teilen der Stadtmauer auch immer wieder feucht gehaltene Netze.

Seine erfolgreiche Arbeit ist an mehreren Stellen im Stadtgebiet zu sehen. Große Teile der Mauer am Bürgerhaus hat er saniert. Dort arbeitet er auch in diesen Wochen weiter. An einem kleinen Stück Mauer an der Mühltorpassage, dem Geschäfts- und Ärztehaus, hat Schäfer besondere Arbeit geleistet. Er hat einen Mauerbogen saniert, eine neue Sitzgelegenheit gebaut und die Flächen rundherum gepflastert.

Das Thema Stadtmauer hat in Kirchhain seit dem März 2005 wieder eine besondere Bedeutung bekommen. Bürgermeister Jochen Kirchner (parteilos) erinnert sich noch mit Grausen an die Nachricht vom Einsturz eines 15 Meter langen Stücks Stadtmauer am evangelischen Gemeindezentrum.

Unterstützung für Arbeiten an der alten Mühle

Seitdem sind erhebliche Teile der Stadtmauer saniert worden, teilweise von Fachfirmen, teilweise eben auch von Helmut Schäfer. Die Stadt erhielt bei der Mauersanierung immer wieder große Unterstützung vom Förderverein Kirchhainer Kulturdenkmäler. Auch für eine weitere Problemstelle an der Kirchhainer Stadtmauer hat der Verein der Stadt laut Bürgermeister Kirchner Hilfe zugesagt: An der alten Mühle musste die Stadt bereits vor Jahren einen Abschnitt der Mauer mit massiven Balken abstützen. Nur so ließ sich der Mauerabschnitt vor dem Einsturz bewahren. Da dort ein öffentlicher Weg entlangführt, war die Absicherung unerlässlich. „Der Vorstand des Fördervereins stellt uns rund 10000 Euro bereit, damit wir sanieren können“, freut sich Kirchner über die Hilfszusage.

Nach früheren Schätzungen sind die Reste der auf verschiedene Stellen in der Stadt verteilten Stadtmauer insgesamt etwa 250 Meter lang. Die Stadtmauer entstand im 14. Jahrhundert.

von Michael Rinde

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