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Ostkreis Sanierung kostet letztlich 472000 Euro
Landkreis Ostkreis Sanierung kostet letztlich 472000 Euro
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18:52 26.04.2017
Steil bergauf ging es mit den Kosten für die Sanierung des Dorfgemeinschaftshauses.Archivfoto
Amöneburg

„Wir sind mal bei 250000 Euro losgelaufen - und jetzt bei 472000 Euro angekommen. Letztendlich ist zwar etwas Schönes bei dem Projekt rausgekommen, aber es ist doch deutlich teurer, als erwartet“, monierte CDU-Vorsitzender Jan-Gernot Wichert im Haupt- und Finanzausschuss. Winfried Kaul (SPD) erinnerte daraufhin, dass die energetische Sanierung (70000 Euro) des Daches ursprünglich nicht vorgesehen gewesen sei, ergänzte in Sachen Kostensteigerung jedoch: „Es ist nicht das erste Mal, dass wir das erleben.“ Aus diesem Grund begrüße er eine Initiative der CDU, die einen Akteneinsichtsausschuss gründen möchte.

Bürgermeister Michael Plettenberg wies darauf hin, dass die Stadtverordneten die Mehrkosten stets bewilligt hätten. „Ja, so nach und nach“, kommentierte Wichert, dem vor etwas mehr als einem Jahr noch mächtig aufgestoßen war, dass der Rathauschef die Gesamtkosten im Vorfeld der Sanierung des Treffpunktes bewusst niedrig angesetzt hatte, um die Akzeptanz zu erhöhen. Das kam zwar nicht zur Sprache, doch Reinhold Franke (CDU) stellte heraus, dass der Stadt eine Kosten- und Leistungsrechnung fehle. „Gäbe es die, hätten wir die Kostenentwicklung viel besser verfolgen können.“

Etwas mehr als 50000 Euro sollen die Stadtverordneten als überplanmäßige Ausgabe freigeben. „Aufgrund eines Missverständnisses und einer daraus resultierenden Fehlmeldung, eventuell bedingt durch den Ausfall des Bauamtsleiters, wurde der Haushaltsansatz für 2016 mit 55500 Euro zu niedrig angesetzt“, hatte der Bürgermeister in seiner Vorlage geschrieben und betont, dass er die Geschehnisse zum Anlass nehmen wolle, bei zukünftigen Bauprojekten „ein stringenteres Kostencontrolling durchzuführen“. Er habe aus den Geschehnissen gelernt - und werde in Zukunft weniger Projekte im Haushalt ansetzen, dafür mehr Spielraum in Geldfragen einplanen.

Bürgermeister hätte gerne eine Controlling-Stelle

Mehrere Gründe hatte der Rathauschef zuvor für die unerwartete Kostensteigerung angeführt: Immer mehr Unterpunkte seien während der Sanierung aufgetaucht, noch dazu fehlten die Schnittstellen zwischen den Fachbereichen Bauen und Finanzen: „Es kann nicht sein, dass der Architekt die Finanzen kontrolliert und uns Updates gibt. Die Verwaltung muss stets den Überblick haben.“

„Ich habe den Eindruck, dass unser Bauamt überlastet und an seinen Grenzen angekommen ist“, monierte Kaul und bekam vom Bürgermeister den Hinweis, dass die Stadt Teilzeitkräfte eingestellt habe und die Mitarbeiter nun entlastet würden.

Letztendlich berichtete Plettenberg, dass unter anderem Architektenkosten nicht berücksichtigt wurden und die Elektro-Arbeiten doppelt so teuer wie erwartet ausgefallen seien: „Wir haben mehr Kosten, mehr Leistung - aber auch Mehreinnahmen“, betonte er und stellte heraus, dass der Verkauf des Spielplatzes „Auf dem Knorren“ statt der veranschlagten 40000 Euro sogar rund 92520 Euro eingebracht habe. „Das ist eine Milchmädchenrechnung. Gäbe es die Mehrkosten nicht, hätten wir das Geld eingestrichen“, so Jochen Splettstößer (CDU).

„Die Kommunikation zwischen Architekt und Auftraggeber hat gemangelt“, gab Plettenberg zu - und regte in diesem Zusammenhang an, eine Stelle in der Verwaltung zu schaffen, die sich dem Controlling widmet. „Die Stadtverordneten müssten dafür Ressourcen zur Verfügung stellen“, stellte er heraus. Doch zunächst müssen die Stadtverordneten die überplanmäßige Ausgabe genehmigen. Die Mitglieder des Haupt- und Finanzausschusses sprachen sich einstimmig dafür aus - allerdings unter erwähnten Protesten.

von Florian Lerchbacher

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