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SV Rüdigheim gibt seinen Fußballplatz auf

Was wird aus dem Gelände? SV Rüdigheim gibt seinen Fußballplatz auf

Wie geht es weiter mit dem Rüdigheimer Sportplatz? Fußball wird dort jedenfalls nicht mehr gespielt – das ist sicher. Die Stadt erwartet nun Vorschläge vom Ortsbeirat.

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Den Sportplatz gibt der SV Rüdigheim auf, sein Sportheim will er weiter nutzen.

Quelle: Florian Lerchbacher

Rüdigheim. Jürgen „Kobra“ Wegmann, Ralf Weber sowie Pia und Nina Wunderlich – sie alle kickten schon auf dem Rüdigheimer Sportplatz, der diese Bezeichnung bald verlieren dürfte. Der Sportverein hat der Stadt mitgeteilt, dass er die Nutzung beenden möchte. „Wir haben seit fast zehn Jahren keinen Fußballbetrieb mehr. Den Platz weiter zu pflegen bedeutet Unkosten, die wir alleine nicht tragen können“, erklärt Vorsitzende Kornelia Birk die Entscheidung.

Ab und zu nutzen die Frauengymnastikabteilung das Feld: „Aber das reicht natürlich nicht aus. Gemeinsam mit der Stadt und dem Dorf suchen wir nun händeringend nach Ideen“, ergänzt sie und betont: „Fußball wird hier nie wieder gespielt. Wir müssten Spieler einkaufen – und das können wir nicht.“

Anlage erinnert an einen Rübenacker

„Das war mal ein sehr guter Platz, wahrscheinlich sogar der beste im Stadtgebiet“, sagt Bürgermeister Michael Plettenberg und erinnert sich zurück: Alte Kommunalpolitiker hätte ihm berichtet, dass es einst im Vorfeld des Baus im Dorf ein „ganz schönes Zinnober“ gegeben habe, weil einige Bürger den Platz nicht wollten. Gleichzeitig herrsche nunmehr aber auch Trauer, seitdem im Spieljahr 2009 / 2010 der Verein den Fußballbetrieb einstellte. „Viele Jahre haben die Mitglieder den Platz noch gepflegt, obwohl nichts passierte. Der ehemalige Ortsvorsteher Gerhard Schraub steckte noch einige Jahre viel Zeit hinein, obwohl der Platz eine Leiche ist.“

Inzwischen erinnert die Anlage allerdings eher an einen Rübenacker, und Sport lässt sich darauf ohne eine vorherige grundlegende Sanierung nicht mehr betreiben. Die Stadt sprach dennoch die Jugendspielgemeinschaft Amöneburg an, ob sie den Trainingsbetrieb nicht nach Rüdigheim verlegen wolle – die Nachwuchskicker hätten schließlich stets Bedarf nach Zeiten und Platz. Von dort gab es jedoch eine Absage. „Den Stammvereinen ist dabei wohl das Hemd näher als die Hose. Sie wollen ihre Jugendspieler dann doch lieber bei sich in der Nähe halten“, kommentiert Plettenberg. Noch dazu sei die „Infrastruktur“ der anderen Plätze schlicht besser und es herrsche dort mehr Leben.

Zu weit draußen für ein Baugebiet

Also ist die Stadt nun auf der Suche nach einer Möglichkeit, wie der Platz in Zukunft genutzt werden kann. Bauland wird es nicht, wie der Bürgermeister auf Nachfrage dieser Zeitung erklärt: „Das ist viel zu weit draußen.“ Wichtig ist ihm jedenfalls, dass es einen klaren Schnitt gibt und „die Leiche nun auch begraben wird“.
Der Ball liege nun beim Ortsbeirat, ergänzt Plettenberg, der auf Vorschläge hofft – und wohl auch schon einige bekommen hat: beispielsweise eine Nutzung als Hundeplatz oder auch für das angestrebte Nahwärmeprojekt. Vielleicht aber auch als Spielpark am Geopfad.

Der Ortsbeirat soll sich der Thematik jedenfalls annehmen und dann mit der Stadt in Kontakt treten. Das Sportheim will der Rüdigheimer Verein indes selber weiternutzen.
Seine Mitglieder haben es schließlich einst auch in Eigenleistung aufgestellt. Im Juli 1990 hatte die Einweihung des damals neuen Rasenplatzes stattgefunden. Das Gebäude stammte aus Stadtallendorf: Es war eine ehemalige Gaststätte, die die Vereinsmitglieder in Stadtallendorf ab- und in Rüdigheim als Sportheim wieder aufbauten. Dann verlegten sie noch die rund 450 Meter langen Versorgungsleitungen vom Ortsrand bis zum Sportgelände und feierten im Jahr 1993 – nach mehr als 4 700 Arbeitsstunden – die Einweihung.

Bundesliga-Frauen waren einst zu Gast

Während der SV Rüdigheim an sich im fußballerischen Niemandsland herumdümpelte, fanden auf seinem Platz immerhin Kreispokal-Endspiele, Relegationsspiele, Kreismeisterschaften der Reservemannschaften oder Jugend-Kreis­pokal-Endspiele statt.

Anlässlich des zehnjährigen Bestehens des Sportvereins maß sich dann Ende Juni 1993 die Frauen-Bundesligamannschaft des TSV Battenberg – in deren Reihen die Nationalspielerinnen Pia und Nina Wunderlich sowie Birgit Austermühl spielten – mit einer Hessenauswahl. Vor 600 Zuschauern endete die Partie mit 3:0.

100 Zuschauer weniger kamen im Juli 2002 dann zum Höhepunkt in der Vereinschronik: Anlässlich der 750-Jahr-Feier des Dorfes hatten die Rüdigheimer die Traditionsmannschaften von Eintracht Frankfurt und Borussia Dortmund zu Gast. Die Teams um Ralf Weber und Jürgen „Kobra“ Wegmann trennten sich mit 5:5. Zur Spielzeit 2009 / 2010 endet dann die fußball-technische Chronik des SV Rüdigheim mit der Einstellung des Spielbetriebs.

von Florian Lerchbacher

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