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Eine etwas andere Weihnachtsfeier

SV Großseelheim Eine etwas andere Weihnachtsfeier

Stellen Sie sich vor, sie sitzen gemütlich zusammen bei der Weihnachtsfeier eines Sportvereins. Plötzlich steht einer nach dem anderen auf, lässt sich mitten im Saal typisieren und als Stammzellen-Spender registrieren.

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Torsten Sohn (links) und die anderen Mitglieder des Projektteams (von rechts) Katharina Ludwig, Angelika Ludwig, David Roder und Janina Klingelhöfer übergaben den Spendenscheck an Leane Thiel, die 2. Vorsitzende des Vereins KIM (2. von links).

Quelle: Matthias Mayer

Großseelheim. Das gibt‘s doch gar nicht, ist die logische Antwort. Und doch gab es dieses Ereignis – bei den Fußballern, Freunden und Förderern des SV Großseelheim. Und wer Torsten Sohn ein Weilchen zuhört, versteht alsbald die merkwürdig anmutende Szene als logischen Kitt, der unsere Gesellschaft zusammenhält: Menschen helfen Menschen – auch wenn das vielfach in Vergessenheit geraten ist.

Torsten Sohn hat einst Fußballgeschichte für die Region geschrieben. Nach mehreren vergeblichen Versuchen war er es, der Eintracht Stadtallendorf mit dem entscheidenden Tor zum legendären Hessenliga-Aufstieg schoss. Aus 18 Metern zimmerte er den Ball in den Giebel. Ein Moment für jede Eintracht-Chronik, der einem Spieler beschieden war, der seine Aufgaben stets zu 100 Prozent erfüllte, ohne Aufhebens um seine Person zu machen.

Schon vor siebeneinhalb Jahren kehrte er zu seinem Heimatverein nach Großseelheim zurück, für den er noch spielt und zugleich im Vorstand Verantwortung übernimmt. Dazu gehörte, dass er als Teil eines Projektteams sich um die Vorbereitung der Weihnachtsfeier kümmerte.

Im Bewusstsein, dass es allen Teilnehmern der Weihnachtsfeier sehr gut gehe, sei das Projektteam übereingekommen, im Zuge der Feier einen Beitrag für Menschen zu leisten, denen es weniger gut gehe, erklärte Torsten Sohn.
Den Grundstein zu dem wohltätigen Engagement wollte die Wiederbelebung der Tombola bilden. Damit hieß es für die Projektler: Klinkenputzen bei den Geschäftsleuten im Ostkreis. Die ließen die emsigen Organisatoren nicht hängen.

„Wir haben tolle und wirklich wertige Preise für unsere Tombola gespendet bekommen. Dafür sind wir allen Gebern sehr dankbar“, sagte Torsten Sohn. Das Team konnte unter diesen Voraussetzungen guten Gewissens den Lospreis auf fünf Euro setzen. Für die rund 110 Sachpreise wurden weit mehr als 200 Lose abgesetzt.

„Damit hätten wir nie gerechnet. Wir sind hoch zufrieden“, qualifizierte Torsten Sohn den Reinerlös von 1.200 Euro. Der Spendenempfänger stand zu dieser Zeit längst fest. Janina Klingelhöfer aus dem Projektteam arbeitet auf der Marburger Kinder-Intensivstation und ist Mitglied des Vereins Kinder-Intensivmedizin und Pflege Marburg KIM. Janina Klingelhöfer stellte den Verein während der Weihnachtsfeier mit einer Präsentation vor.

Aber das war nur die eine Hälfte des ehrgeizigen Hilfsprojekts. Im Vorfeld war auch die Aktion „SV Großseelheim zeigt dem Blutkrebs die Rote Karte“ aus der Taufe gehoben. Möglichst viele Besucher sollten an einer Typisierungsaktion zur Stammzellenspende bei der DKMS teilnehmen. Für die Medizinische Umsetzung standen die stellvertretende KIM-Vorsitzende Leane Thiel und Janina Klingelhöfer bereit. „Wir hatten zuvor genug Zeit, um die Gäste anzusprechen, sie über den Ablauf und alles Weitere aufzuklären. Außerdem hatten wir sehr gute Vorreiter“, erzählte Leane Thiel.

Der Zuspruch war überwältigend: 38 der 80 Besucher ließen sich typisieren. „Das funktioniert nur, wenn der Verein ohnehin funktioniert“, erklärte Kassierer David Roder, und verwies auf die besondere Konstellation der Weihnachtsfeier. Spender und Mäzene erlaubten, dass die Gäste kostenlos einen schönen Abend erlebten. Da falle es leichter, Besucher anzusprechen. „Nach den guten Taten herrschte eine richtige Euphorie, wir haben ausgelassen gefeiert, sagte Torsten Sohn.

Derweil geht die Spenden-­Akquise bei KIM weiter. Der im Jahr 1997 von Mitarbeitern der Intensivstation der Kinder­klinik gegründete Verein finanziert sich ausschließlich aus ­Spenden. Angeschafft würden Dinge, die den Patienten in den zwölf Frühgeborenenbetten und in den sieben Betten für chronisch kranke Kinder den Aufenthalt so angenehm wie möglich machen. So finanzierte der Verein eine Elternwohnung, spezielle Betten, hilfreiche ­Geräte, Spielzeug, eine Eltern-Bibliothek, Fortbildungen und vieles mehr, sagte Leane Thiel.

von Matthias Mayer

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