Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Ostkreis Rotes Kreuz will Rettungswache kaufen
Landkreis Ostkreis Rotes Kreuz will Rettungswache kaufen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
06:55 02.03.2018
Alexander Mack (von links), Assistent von DRK-Geschäftsführer Christian Betz, Bürgermeister Christian Somogyi und Alfred Horn, Vizeschatzmeister des DRK-Kreisverbandes, stellten das ­geplante Geschäft zum Rettungswachen-Gebäude vor. Quelle: Michael Rinde
Stadtallendorf

Stimmt das Stadtparlament am 22. März zu, dann hat die Stadt Stadtallendorf spätestens im Sommer ein Gebäude weniger im Besitz. Der Deutsches-Rotes-Kreuz-Kreisverband Marburg-Gießen will das Rettungswachengebäude in der Straße Am Scheidfeld kaufen. Darin befindet sich auf der oberen Ebene die eigentliche Rettungswache, im unteren die leeren Räume der früheren ärztlichen Bereitschaftsdienstzentrale Ostkreis.

Im vergangenen Jahr kamen die Stadt und der Rot-Kreuz-Kreisverband Marburg-Gießen­ ins vertrauliche Gespräch, zunächst nur wegen der leeren Praxisräume. Daraus wurde schließlich sogar ein Kaufangebot für das gesamte Gebäude. „Wir haben uns schlicht gefragt, warum wir für beide Teile Miete zahlen sollen“, erläutert Christian Betz, der Geschäftsführer des DRK-Kreisverbandes beim Ortstermin.

Standort der Rettungswache bis 2035 fest

Das DRK hat sehr konkrete Absichten für die Räume im unteren Geschoss. Dort soll eine­ ­ergotherapeutische und logo­pädische Praxis entstehen.  Seit vergangenem Herbst engagiert sich der DRK-Kreisverband in diesem Segment, verfügt in Laubach und Buseck bereits über entsprechende Einrichtungen. Im April wird das DRK außerdem in Kirchhain eine Praxis übernehmen. Fünf bis sechs Arbeitsplätze sollen in der geplanten Einrichtung in Stadtallendorf entstehen.

Dass sich dort früher eine ­Bereitschaftsdienstzentrale befand, kommt dem Roten Kreuz dabei in mehrerer Hinsicht entgegen. Denn die Räume erfüllen dadurch die Vorgaben der Krankenkassen für entsprechende Einrichtungen, erläutert Betz.

Für die Rettungswache ändert sich rein gar nichts. Sie wird vom Rettungsdienst Mittelhessen genutzt. Der wiederum ist eine Tochtergesellschaft des Roten Kreuzes. Der Standort der Rettungswache ist bis zum Jahr 2035 fest. So lange gilt die Festlegung durch den Landkreis Marburg-Biedenkopf als Träger des Rettungsdienstes.

Somogyi sieht eine "Win-Win-Situation"

Für Stadtallendorfs Bürger­meister Christian Somogyi (SPD) ist der Gebäudeverkauf eine positive Nachricht. Schließlich laufen in der Stadtpolitik schon lange Bestrebungen, die Zahl der eigenen Immobilien zu verringern – und damit Kosten zu senken. „Wir haben hier eine ,Win-Win-Situation‘“, so Somogyi. Immerhin erspart der Verkauf der Stadt nach Angaben des Bürgermeisters jährlich 27.000 Euro Ausgaben. In dem Betrag sind Tilgungen für Baudarlehen ebenso enthalten wie die Abschreibungen.

Doch ganz in trockenen Tüchern ist der Verkauf noch nicht. Zunächst muss das Stadtparlament zustimmen. Die Entscheidung darüber soll in der Sitzung am 22. März fallen. Im Magistrat stieß der Verkaufsplan auf Zustimmung. Das Gremium sei einstimmig dafür gewesen, so Somogyi. „Außerdem gibt es mit einem Partner wie dem ­Roten Kreuz keine Überraschungen“, lobt Stadtallendorfs ­Bürgermeister. Der Gebäudekomplex war seinerzeit vor allem entstanden, um der ärztlichen Bereitschaftsdienstzentrale adäquate Räume bieten zu können. Zugleich bestand dringend Handlungsbedarf in Sachen Rettungswache. Das Vorgängergebäude der Wache war schon sehr lange nicht mehr zeitgemäß.

Stadt hat „gute schwarze Null“ erreicht

Bekanntermaßen kam durch die Zentralisierung des Bereitschaftsdienstes in Marburg am Ende alles anders, als es sich die Politik in Stadtallendorf seinerzeit gewünscht hatte. Die Stadt Stadtallendorf hat in den Bau an der Bundesstraße 454 damals die Summe von 1,2 Millionen Euro investiert. Die Kassenärztliche Vereinigung hatte die Räume nach Aufgabe ihrer Zentrale gekündigt. Stadtallendorf verlor damit nicht nur den ärztlichen Bereitschaftsdienst, sondern auch Einnahmen, um die Bauschulden zu tilgen.

Die Einnahmen aus dem Verkauf möchte Somogyi in den Schuldenabbau der Stadt stecken, wenn die Gremien am Ende zustimmen. Der genaue Kaufpreis, den beide Seiten vereinbart haben, ist derzeit noch nicht bekannt. Bürgermeister Somogyi spricht von einer „guten schwarzen Null“, mit der die Stadt aus dem Geschäft herausgehen werde.

von Michael Rinde