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Ostkreis Rost, „Stehzeuge“ und Improvisation
Landkreis Ostkreis Rost, „Stehzeuge“ und Improvisation
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18:45 22.05.2012
Rauschenbergs Magistrat und Haupt- und der Finanzausschuss in der akuten Problemzone des Bauhofes: Weder der Bagger noch der Lkw sind nutzbar. Bürgermeister Manfred Barth bezeichnet die Fahrzeuge als „Stehzeuge“. Foto: Matthias Mayer
Rauschenberg

Beim Thema Bauhof geht mit dem einen oder anderen Kommunalpolitiker die Phantasie durch. Sie sehen im kommunalen Bauhof mehr oder weniger große Einsparpotenziale. Die Mitglieder des Magistrats und des Haupt- und Finanzausschusses der Stadt Rauschenberg kommen am Montagabend mit einer ganz anderen Erwartungshaltung zum Ortstermin auf dem städtischen Bauhof. Sie wissen, dass das Bauhof-Team ohne zeitnahe erhebliche Investitionen seine Aufgaben nicht erfüllen kann: Der altersschwache Bagger ist im Eimer, der Lastwagen fällt mit Hydraulikproblemen aus, gilt als wirtschaftlicher Totalschaden. Und der große Schlepper ist stillgelegt

Bauhofleiter Helmut Wittekindt und Mitarbeiter Heiko Knöppel lotsen ihre Besucher jedoch zunächst über den mit Baumaterialien übersäten Hof zur großen Halle, die zugleich als Garage, Werkstatt und Lager dient. Der erste Eindruck des unbedarften Besuchers in der überwiegend aus Stahl erbauten Halle: Hier möchte ich nicht arbeiten. Das Gebäude wirkt zugig. Die Stahltore, die auf der Rückseite über die gesamte Breite der Halle gehen, weisen massive Rostschäden auf. Einige Löcher sind provisorisch mit Folie abgedichtet.

6000 Liter Heizöl füreinen Wintermonat

Helmut Wittekindt lenkt die Blicke an die Hallendecke. „Es regnet durch das Dach. Das müssen wir erneuern“, sagt er. Und dann zeigt er auf die gewaltigen Lüftungskanäle unter der Decke: „Wir haben eine Luftheizung, die im Winter unverzichtbar ist. Sonst würden die Fahrzeuge für den Winterdienst nicht anspringen“, erläutert er. Lässt sich eine solche Halle mit einem Wärmedämmwert hart an der Grenze zu einem Zelt überhaupt beheizen? Sie lässt sich. Aber dann werden bei entsprechender Kälte schnell 200 Liter Heizöl am Tag durch den Brenner gejagt, wie Wittekindt bekennt. Das sind in einem Wintermonat 6000 Liter Heizöl, allein um eine Halle leicht zu temperieren.

Der enorme Verbrauch ärgert die Bauhof-Leute. Helmut Wittekindt möchte in einem ersten Schritt zur energetischen Sanierung die Stahltore auf der Rückseite durch eine Mauer ersetzen und das abgelegte Tor der Josbacher Feuerwehr als neues Hallentor einbauen - natürlich in Eigenleistung. Und was wird mit den Dach? Der Bauhof-Chef zuckt mit den Schultern. Auch dafür hat sein Team einen Plan (siehe Hintergrund-Kasten), aber aus Restmitteln des Haushaltes 2011 stehen für den Bauhof nur 20000 Euro zur Verfügung. Für beide Projekte wird das Geld nicht ganz reichen.

Waschbär wohnt unterdem Tankstellen-Dach

Ein barackenähnliches Nebengebäude ist die nächste Station. Hinter einer unscheinbaren Blechtür findet sich eine Überraschung: die museal wirkende Tankstelle. Unter deren Dach wohnt ein Waschbär. Neben dem Dieseltank liegt Steinwolle auf dem Boden, die der ungebetene Untermieter aus der Dachverkleidung gerissen hat.

Im direkt am Zugangstor gelegenen Tankstellengebäude wollen die Bauhöfler stationär Dampfstrahler und Hochdruckreiniger einbauen, um so über dem bereits vorhandenen Ölabscheider einen Waschplatz einzurichten. Die Kommunalpolitiker nicken zustimmend.

Bei Gang über den Hof zu den anderen Nebengelassen lernen sie das Improvisationstalent der Bauhof-Mitarbeiter kennen. Es fehlt deutlich an Lager-Kapazität, und so findet sich die Waldausrüstung der jetzt in den Bauhof integrierten beiden Forstwirte in einer Garage mit den Ersatzteilen für die Rauschenberger Spielplätze. Für das Bauholz hat sich kein Lagerplatz unter Dach gefunden. Es liegt auf dem Hof neben dem Streusalz-Container unter Planen.

Diese Ecke des Geländes ist der Hort des Schreckens für die Politiker, denn hier stehen die jeweils betriebsuntüchtigen Bagger und Lkw einträchtig nebeneinander. „Das sind keine Fahrzeuge mehr, sondern Stehzeuge“, klärt Bürgermeister Manfred Barth seine Magistratskollegen und die Parlamentarier des Haupt- und Finanzausschusses auf. Der Bagger habe sich nach 19 Jahren und 11000 Betriebsstunden auf Ansage verabschiedet. Beim um neun Jahre jüngeren Lkw sei das Ende mit einem massiven Hydraulikschaden überraschend gekommen. Reparaturkosten: 25000 Euro, und das für ein Fahrzeug, das seit 2010 bereits 31000 Euro Werkstattkosten verursacht hat.

Als der Bürgermeister und Kämmerer diese Zahlen nennt, sitzt die Runde bereits im Aufenthaltsraum des Bauhofes, der - obwohl das nicht sein darf - zugleich als Umkleideraum dient. Das Mobiliar stammt aus verschiedenen Epochen bundesdeutscher Möbelbaukunst. Auf einem schmalen Bord prangt ein Transistorradio. Die an den Wänden hängenden Arbeitsmonturen verleihen dem behaglich wirkenden Raum kräftige Farbtupfer.

Für den Lkw-Ersatz gibtes kein Geld im Haushalt

In diesem Umfeld diskutieren die Politiker, wie die arme Stadt mit ihrem defizitären Haushalt die defekten Fahrzeuge ersetzen kann. Für den Mietkauf eines Baggers stehen, so Barth, Mittel im Haushalt bereit, nicht aber für den Lkw. Das Fahrzeug werde um die 80000 Euro kosten. Der Ladekran werde mit weiteren 48000 Euro zu Buche schlagen, sagt der Bürgermeister. Eine Zahl, die die Politiker verschreckt. Geht‘s es auch ohne den Kran? Heiko Knöppel möchte auf diesen nicht verzichten. „Der Kran erleichtert unsere Arbeit erheblich“, sagt Knöppel, der die Zeit ohne Kran miterlebt hat. Damals musste der Bagger zu sämtlichen Ladearbeiten mit ausrücken.

Weder für den Lkw noch für den Schlepper findet sich Geld im Haushalt, und das ist ein haushaltsrechtliches Problem. Die notwendigen Investitionen für den Bauhof gelten als freiwillige Ausgaben. Die sind nur bei ausgeglichenen Investitionshaushalten genehmigungfähig. Soll Rauschenberg seine Arbeiter künftig nicht mit Schubkarre und Spitzhacke zu den in der Stadt gar nicht so seltenen Rohrbrüchen schicken, braucht es gute Ideen.

Der Stadtverordnete Werner Metke (SPD) hat eine solche. Der Diplom-Agraringenieur, im Berufsleben Geschäftsführer des Wasser- und Bodenverbandes, regt an, einen Schlepper mit Industrielader für 19 Euro pro Stunde zu mieten. Ein solcher Schlepper könne den teuren Kran ersetzen und koste bei 500 Betriebsstunden pro Jahr keine 10000 Euro.

Die Idee soll weiterverfolgt werden. Zudem zeigten sich die Gremien darin einig, das Kerngeschäft beim Bauhof zu belassen. Manfred Barth: „Eine Bauhofstunde kostet 39 Euro, Rauschenbergs günstigstes Bauunternehmen nimmt für eine Arbeitsstunde 52 Euro.“

von Matthias Mayer

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